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Der Orient · 1841-08-14 · Heft 33 (14.8.1841) · p. Seite 228

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 33 (14.8.1841)
Article
Jüdische Zustände in Italien
Date
1841-08-14
Page
Seite 228 (sequence 2)
Language
German
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— 228 — schönste, sondern auch die vorgeschrittenste; man sm-et in ihr einen angenehmen Choralgesaug und gute Predigten. Was den Iugendmiterricht anlangt, so ist derselbe, obwohl die Israeliten hier, außer einer Relkgionsschule und einigen Privatanstalten, keine öffentliche Unterrichtsanstalt besitzen, von guter Beschaffenheit, da nicht bloß vielfache Gelegenheit gegeben erscheint, den Kindern Privatunterricht crtheilen zu lassen, sondern auch weil hier die jüdischen Kinder christliche Schulen und Gymnasien besuchen. Sehr zu erwähnen ist hierbei die Sorgfalt, welche die Gemeinde auf die Erziehung und Ausbildung ihrer Töchter durch gute Schulen wendet. Große Verdienste hat sich auch in dieser Hinsicht der junge Rabbme, Abraham Latte s, um die Gemeinde erworben, wie denn überhaupt ihm nachgerühmt werden muß, daß er die Emporbildung der Gemeinde nicht bloß mit Eifer, sondern sogar mit Opfern aller Art zu befördern sucht. So hat er vor ungefähr 7 Jahren ein ihm gemachtes Geschenk vor 2000 Oesterr. Livre (666K fl.) der Gemeinde legirt, um ein Slammcapiml für ein Armen - und Industriehaus nach dem Muster Mantuas zu bilden, während bis Zur weitern Vermehrung des Capitals durch anderweite Legate die jährlichen Zinsen dieses Capitals dazu verwendet worden, dem Zwecke eines solchen Institutes wenigstens theilweise und im kleinen zu entsprechen. Sein edles Beispiel ist schon jetzt von dem günstigsten Erfolge begleitet worden, indem die Gemeinde ihr eignes, zu diesem Zwecke gesammeltes Capital mit dem seinigen vereinigte und fernerweit nicht unerhebliche Spenden dazuflosscn, so daß die junge Anstalt schon jetzt schöne Blüthen zieht und für Industrie und Gewerbe ebensowohl wie für die Armuth von großen Nutzen zu werden verspricht. Das sind die hauptsächlichsten Gemeinden des lombardischvenezianischen Königreichs, welche zugleich Charakter und Leben verrathen und von denen für die Zukunft der Israeliten vieles zu hoffen steht. Wir finden wohl auch noch an andern Orten kleine^ israelitische Gemeindekörper oder nur wie in Mailand vereinzelte israelitische Familien, doch natürlich ohne allen Ausdruck, ohne alle Bedeutung, selbst die Anforderung der Regierung an fte,. ein Gemeindeleben zu gestalten, hat sich hier und dort, wie z. B. in Mailand mit seinen 20 Familien noch nicht verwirklichen können, auch sind die größere Anzahl solcher Verstreuten entweder nur Künstler oder Genies, die gleichsam nur im Borüberziehen dergleichen Orte eine Zeitlang zu ihrem Wohnsitze machen. Herzogthum Piemont. Schmerzlich ist es, aus einem Lande von so viel Humanität und Menschlichkeit wieder auf ein Gebiet zu treten, wo man alle die feindseligen Gesetze wiederaufgewärmt hat, die vorder französischen Herrschaft existirten» Die welche unter diesem Regime Grundbesitz erworben hatten, waren gehalten, ihre Güter wieder zu verkaufen. Die, welche außerhalb der bestimmten Einfriedigung wohnten, mußten die alten Kerker wieder beziehen, außer wo der Einfluß ihres Reichthums oder die Gunst der Großen eine Ausnahme machte. Gebunden von allen den Vorurtheilen, die man von jeher gegen ihr Volk gehegt hat, erscheinen sie sehr erniedrigt, und das um so mehr, als sie durch diese Erniedrigung nicht einmal afsicirt werden. Glücklicher Weise ist ihre Zahl nicht beträchtlich. Eigentlich ist es nur die Hauptstadt Turin mit ihren circa 1500 Israeliten, welche uns interessiren könnte, jedoch könnten wir nur die alten oft wiederholter; Klagen erneuen, die schon erwähnten Mängel rügen, durch dieselben Characteristiken ermüden. Wir schließen daher unsere Scizze mit dem günstigen Verlag von C. L, Fr itz sch e. Eindrücke, welchen der Blick auf das lombardisch-venttianische Königreich in uns hinterlassm hat, und freuen uns, daß die Israeliten daselbst die väterliche Sorgfalt, welche die Regierung für sie an den Tag legt, begreifen und durch Benutzung der Wohlthaten ihre Dankbarkeit betätigen. Aber auch die Regierung wird früher oder später reichen Gewinn von dieser ihrer menschenfreundlichen Sorgfalt ernten urid wird den in der Geschichte fortlebenden Ruhm davon tragen, einen urkrästigen Theil der italienischen Bevölkerung aus der Unbedeutendheit hervorgezogen und dem Leben gewonnen zu haben. D r. M e g a s. Personalchronik und Miseellen. Volkskalender für Israeliten. Von K. Klein in Brieg in Oberschlesien ist so eben eine Einladung zur Subscription auf einen Volkskalender für Israeliten auf das Iahr 5602 verschickt worden. Dev Volkskalender soll enthalten: 1) den gewöhnlichen astronomischen und chronologischen Kalender. 2) den jüdischen Kalender mit deutschen und hebräischen Lettern. 3) die Veränderungen des Mondes nach seinem verschiedenen Eintritt in den Meridian. 4) Sonnen- und Mondes- Aus- und Untergang, Tageslänge. 5) Witterungskalender. 6) Zeitrechnung. Festrechnung. Gang- und Sichtbarkeit der Planeten. Sonnen- und Mond-Finsternisse. 7) Tafel zur Stellung der Uhr. 8) Jahrmarksverzeichniß. 9) Genealogie der hohen Hauser. 10) Verzeichnis; der Poücurfe. So viel als Kalender; als Jahrbuch aber: 1) kurzer Abriß der jüdischen Geschichte von Moses Mendelssohn bis auf die neueste Zeit. 2) Biographien; berühmter Israeliten. Anekdoten und Charakterzüge aus dem Leben edler Israeliten. 3) das jüdische Kalenderwesen. 4) Erklärung der jüdischen Feste, 5) Parabeln. Legenden. Mrscellen. 6) Sammlung der die religiöse und bürgerliche Verfassung der Israeliten in den preußischen Staaten betreffenden Gesetze, Verordnungen u. s. w. 7) Wechselrecht. Kaufmännisches Rechte — Der Preis ist 10 ggr. — Erkenntlichkeit der jüdischen Gemeinde zu Ma stricht. Die Juden in Mastricht haben eine Medaille anfertigen lassen, welche sie dery. Könige der Niederlande bei seinem Verweilen daselbst am 1ö. Juli überreichten. Auf dieser Medaille sieht man die Fahnde der Synagoge mt Ps. 122, 9 in hebräischer Sprache, und darunter die Inschrift: Eingeweiht, 21. Aug. 1840. Auf der Kehrseite: Zum ewigen Andenken durch die dankbare Mastrichter israel. Gemeinde, Niederlands geliebtem König, unter dessen Negierung religiöser Duldsamkeit so sehr gehuldigt wird, ehrfurchtsvoll gewidmet, 1841." — * * * Verdien(e Anerkennung. Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg hat vom Kaiser von Rußland in Anerkennung seiner Verdienste um die Bildung der Israeliten bei Vorlegung seines weitbekannten Bibelwerkes eine große goldene Medaille rrut dem Brustbilde des Kaisers erhalten, die von einem schmeichelhaften Schreiben des Ministers der Aufklärung begleitet war.— Der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen hat in Anerkennung desselben Verdienstes, Hrn. Dr. Philippson eine werthvolle Luchnadel zustellen lassen. — „ Druck von I. H. Nagel»

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