Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-08-14 · Heft 33 (14.8.1841) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 33 (14.8.1841)
Article
Paris: Aufruf Cremieux's an die Juden in Deutschland ...
Date
1841-08-14
Page
Seite 225 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360147-2360181-2366125--1946-2366149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

225 von Euch hoffen für die moralische Wiederbelebung unserer Glaubensbrüder Egyptens;—, sie verlangen von Euch die moralische Befreiungdamit von Alexandrien und Caico aus das heilige Feuer ausgehe und sich verbreite gen Jerusalem und damit es einst heiße in der Geschichte der Völker: „In der ersten Zeit der Welt verbreitete Moses die reinste Lehre und den erhabensten Glauben von Osten her ins Abendland — vier Tausend Jahre später brachte diese Lehre die Civilisation der Jahrhunderte und die Lichtstrahlen des Glaubens von Occident ins Morgenland", und noch einmal ertönen an der Wiege der Menschheit die himmlischen Worte: Es werde Licht und es ward! Ad. Cremieux, Advocat am königlichen Gerichtshöfe zu Paris, Viceprasident des Central - Consistorium der Israeliten. Wenn die traurigen Ereignisse, die sich voriges Jahr im Orient begaben, Eure Herzen schwer verletzten, so war Euch die Kunde, daß hochherzige Männer, wie Cremienx, Montefiore, Munk, ihr Vaterland verließen zur Rettung der Unterdrückten, heilender Balsam in die tiefe Wunde. Diese Männer kamen zurück und einer von ihnen, -Adolph Cremieux, ein unauslöschlicher Name in den Annalen unserer Geschichte, durchzog, von Eurer Liebe geleitet, Deutschland. — Dieser Mann wendet sich heute noch einmal an Euch Alle, die Ihr glühet für die gerechte Sache, für die Heiligkeit unseres Glaubens, ihm beizustehen -das begonnene Werk zu vollenden: — es handelt sich darum die von demselben in Caico und Alexandrien gegründeten Schulen für israelitische Kinder zu unterstützen. Es trage jeder bei nach seinen Kräften; jede Gabe ist willkommen, der Reiche wie der weniger Bemittelte kann sich des innem Bewußtseins freuen beigettagen, zu haben zur Verbreitung der Tugend des Lichtes und der Wahrheit, zur Erhaltung unseres Glaubens — er vollzieht einen Akt reiner Menschenliebe. Wir fordern aber besonders diejenigen Männer zur Theilnahme in dieser Sache auf, deren Namen von jeher in Deutschland Achtung und Vertrauen einflößten durch ihre unaufhörlichen Bemühungen zur Erlangung unserer politischen Emancipation, durch ihren Eifer zur Ausbildung unserer Jugend. In besonderen Briefen Hot unser gefeierter Cremieux sich unter den vielen Vortrefflichen an bekannte Männer aus verschiedenen Gegenden Deutschlands gewendet, damit sie die Mühe übernehmen die Beitrage zur Unterstützung unserer Schulen in Cairo und Alexandrien zu empfangen. Dieses sind für Frankfurts Umgebungen, — Frankfurt selbst hat schon das Seinige in Fülle gethan, — die Doktoren Heß, Weil und Herr Bernard Beer Eskelesz für Heidelberg und Umgebung, Adolph Zimmer uz Mannheim, Dr. jur. Laden bürg, Dr. Wolfs; für Karlsruhe, Ludwig v. Haber und Dr. Hochstätt er; für Stuttgart und Umgebung, Kirchenrath Dr. Meyer und Dr. Weil; für Hamburg, Dr. Rießer und Dr. Salomon, rc. Keiner dieser Männer, kein israelitisches Haus im Allgemeinen, wir sind es iw. Voraus überzeugt, wird übrigens die Gabe zurückweisen, die man ihm zum Zwecke der Besorgung für unser Untenlehmen anbietet, es gilt ja der reinsten und edelsten Handlung. Med. Dr« Otterburg, praktischer Arzt, Adjunkt der pariser Gesellschaft für Anatomie. Der Unterzeichnete Redakteur ersucht alle diejenigen, welche ihm für diese Schulen Gaben zusenden, solches portofrei zu thun. Der Unterzeichnete wird die Gaben direkt an Hm. Cremieux befördern, und über dieselbe in diesem Blatte Rechenschaft ablegen. Auch die kleinste Gabe wird willkommen sei. Dr. Fürst. Ungarn. P e st h, (Schluß.) Hier darf ich die Broschüre des Baron Jos. C ö tv.ö s (Sohnes unseres biedern des Tavernieus d. i. Präsidenten der Statthalterei) nicht unerwähnt lassen. Es ist gewiß nicht leicht, über die Emancipation der Juden, wie über Rechtsgleichheit überhaupt, noch etwas Neues auszusprechen, das nicht schon seit Gregoire hundert bald in öffeutl. Reden, bald in Zeitungen und Flugschriften wiederum hundertmal Christen und Juden gesagt hatten; aber gerade darum ist es um so verdienstlicher, mit Verzichtleistung auf den Ruhm der Originalität, (für Ungarn ist es die erste dieser Tendenz und dieses Geistes) das so oft Gesagte, aber eben so oft Mißachtete, dm Bekennern der „sich opfernden Liebe" ohne Unterlaß in die Ohren zu schreien — wofür doch von Seite dieser Letztem gewiß des Dankes nicht zuviel zu hoffen steht. So hat Herr Baron Cötvös die Mühewaltung übernommen, die Bekämpfen der Gleichstellung zu entwaffnen und für sich und eine gute Zahl Gleichgesinnter vom hohen Adel für den Fall eineu künftig zu stellenden Motion einzustehen als echter Edelmann, d. h. als Mann von tiefem Rechtsgefühl und edler Gesinnung. Was wir an unserm Verfasser tadeln könnten, ist die allzugroße Nachsicht nämlich, die anstatt zu schelten, auch da, wo sie dazu ein volles Recht hätte, immer reich ist an Entschuldigungsgründen — weilMitleid ihn besticht— doch muffen wir es an einem christlichen Fürsprecher höchlichst loben, der billig und milde genug ist, in der hie und da nicht ganz vorwurfsfreien Haltung des Juden nur eine Frucht der Gewalt und der Zurücksetzung zu sehen, deren Zielscheibe er so lange Zeit gewesen. — Gehen wir nun zu andern Dingen über, die für den Juden noch wichtiger sein dürften, weil sie dessen geistige Stellung betreffen. Bekanntlich liegt das Uuterrichtswesen im ganzen Königreiche sehr darnieder, und wer an hiesiger Bildung den Maßstab des Auslandes z. B. Deutschlands, Englands, legen wollte, würde sich selber den ärgsten Possen spielen. Eine Konfession macht hierin der andern den Vorrang streitig und die jüngsten Verordnungen, die Einführung der Landessprache in den Schulen (exelusivo) als nothwendig darstellend, machen die Berufung auswärtiger Celebritäten an die höhern Bildungsinstitute vollends unmöglich. Bei solchem Stande des öffentlichen Unterrichts sollte es mit den Juden allein besser bestellt sein? — Noch giebt es der organisirttn Gemeindeschulen nicht viele — doch wird die Notwendigkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.