Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (31.7.1841)
- Article
- Mittheilungen
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Spalte 477-478 (sequence 1)
- Language
- German
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477 478 Mittherlungm von M. Heß. Die spätere Abfassung des Ezechiel. II. Atitth eil«ngen von M. Heß Im Kerem Ehemed 5, 1841 im fünften Briefe erklärt der selige Nachmari Krochmal die Barajta in Baba Batra 14, 6. wo es heißt, die Männer der großen Synode schrieben Ezechiel, die zwölf kleinen Propheten, Daniel und Ester. Daß die Abfassung der zwölf Propheten einer spätern Zeit angehöre, begründet derselbe S. 67 durch Maleachi 3, 10, wo es heißt „Bringet alle Zehnten in das Schatzhaus, daß Vorrath sei in meinem Hause". Dies war aber eine neue Einrichtung, die Zehnten in das Heiligthum abzuliefern, die vor Esra und Nehemia nicht war. Ferner durch Zachar. 9 — 14, das sich auf die Begebenheiten bezieht, die unter Antiochus dem Großen, vorsielen, als Palästina unter griechische Botmäßigkeit kam. Unter Aschur 10, 11 sind nach demselben die Seleuciden und unter Mizrajim daselbst die Ptolemäer zu verstehen. Daß Daniel erst von jener Versammlung geschrieben sein kann, findet Krochmal darin begründet, daß deutliche Anspielungen darin enthalten sind auf Alexander den Großeu, die Seleuciden, Ptolemäer und bis auf Antiochus Epiphanes. Daß/ Ester erst von jener Synode redigirt sein kann, wird unter andern Gründen auch durch die deutlichen Spuren von einer' zweiten Version bewiesen, weswegen cs auch heißt 9, 29: rvwnruvTn Dnisn rvuw Warum aber jene Barajta annahm, daß Ezechiel erst von jener Versammlung geschrieben sei, läßt derselbe unbeantwortet, da selbst die Schreibart der Namen -in ohne Jud und Daniel, der dreimal darin vorkommt nach älterer Schreibart ohne Jud mit Zere unter dem Ales für das AlLerthum zeuge. Nach dem Grundsätze aber, den Krochmal selbst S. 55. secj. aufstellt, können wir jede Rede der Propheten ziemlich genau beurtheilen, in welcher Zeit sie gehalten oder geschrieben worden, weil nie von den Propheten für die Zukunft etwas genau Specielles angegeben ist. Welches wohl hoffentlich von keinem vernünftigen Gelehrten in Abrede gestellt werden kann. Gibt es nun in diesem Propheten speciclle Angaben über Dinge, die sich genau so in einer spätern Zeit zugetragen; so können wir mit Recht auf die spätere Abfassung dieses Stückes schließen, besonders wenn andere Umstände es noch bestätigen. Nun finden wir mehrere Weissagungen in Ezechiel gegen Tyrus, welche tl)eils allgemein gehalten sind und gewiß von Ezechiel herrühren , andere hingegen drücken sich so bestimmt über Vorfälle aus, die genau so ui einer spätern Zeit ihre Bestätigung erhielten, woraus mit Recht der Talmud schließen konnte, daß sie einer spätern Zeit angehoren und von jener Synode redigirt wurden. Wir wollen uns dies zu verdeutlichen suchen. Ez. 26, 7 prophezeit Ezechiel, daß Nebukadnezar gegen Tyrus anrücken werde. Es ist hier kein Grund, dieses dem Ez. abzusprechen. Eine andere Frage ist aber, ob Nebukadnezar Tyrus wirklich erobert habe, welche nach den Untersuchungen v. Gesenius zu Jes. 1, S. 712 verneint werden muß gegen die frühere gewöhnliche Annahme. Dies gebt auch ganz ungezwungen aus Ez. 29, 18 deutlich hervor. Hier heißt es „Menschensohn, Nebukadnezar, der König von Babel, hat sein Heer einen großen Dienst thun lassen gegen Tyrus, jedes Haupt ist kahl und jede Schulter abgerieben, rmd doch hat er keinen Lohn, weder für sich, noch für sein Heer aus Tyrus, für den Dienst, den er gegen sie gethan." Dieses würde nicht der Fall sein, wenn er die reiche Stadt erobert hätte. Man wird daher mit Ges. annehmen müssen, daß die Belagerung Tyrus mit einem friedlichen Abkommen und Bündniß endete. Der Staat bestand also noch fort und daher konnten die Tyrier in Gemeinschaft mit lden Zidoniern zum Wau des zweiten Tempels Zedern herbeisühren vom Libanon mit Erlaubniß Cyrus, des Königes von Persien Esra 3, 7. Aber später wurde es von Alexänder dem Großen nach einer siebenmonatlichen Belagerung eingenommen, wo von den Feinden furchtbar gewüthet worden. Hierauf bezieht sich nun die folgende Weissagung über Tyrus. Hierdurch erklären sich auch die Wiederholungen, die hier Vorkommen, woran schon Abrabanel Anstoß nahm, welcher ebenfalls die zweite Weissagung aus Alexander den Großen deutete; nur ging er in seinem unkritischen Verfahren noch weiter und laßt sogar Ezechiel selbst über die Bewohner von Venedig, die Nachkommen der Tyrier, weissagen. Und in der That lassen sich die einzelnen Ausdrücke ans der Geschichte der Belagerung Tyrus von Alexander erklären. So deutet 27, 34 ganz deutlich auf die Ungeheuern Anstrengungen die damals zu Wasser und zu Lande von beiden Seiten gemacht worden. Auch sieht man aus dem Perfekt v. 34. 35. 36, daß von einer schon geschehenen Eroberung die Rede ist, welche nur durch Alexander erfolgt. Was aber diese Ansicht noch bestätigt, das ist die Schreibung des Wortes welches in der ersten Weissagung ohne Waw geschrieben ist, nach der altern Schreibart; in der zweiten hingegen mit Waw, was auf eine spätere Abfassung hinweist. Ans diesen Gründen sagt der Talmud mit Recht, daß jene Synode auch Ezechiel geschrieben. M/ Heß. III. Jer. 17, 16. ton n!? wird im Targum wiedergegeben durch nvtöj/ N'b NlN'l. Im Meturgeman *) steht dafür fehlerhaft. Hierüber bemerkt Elia Levita -£n irm *) Zuerst erschienen zu Jsny in Schwaben bei Paulus Fagius, damaligem Pastor daselbst, der unter Elias Beistand' mehrere hebräische Schriften herausgab. Jahr der Welt 5301 =1541. Hiernach ist die gewöhnliche Angabe in den Litecargeschichten: Jsny 1541 zu berichtigen. Aus dem angehängten Gedichte und der dabei befindlichen Nachschrift geht hervor, daß Elia selbst den Druck leitete, ein alter Mann war und sich entschlossen hatte nach Venedig zu seiner Frau zurück zu kehren. In dieser Ossickn erschienen daß folgende Jahr die sechs Psalmen mit dem vollständigen Commemtar des Kimchi,