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Der Orient · 1841-07-24 · Heft 30 (24.7.1841) · p. Seite 211

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 30 (24.7.1841)
Article
Trier: jüd.-religiöses Fest in Bitburg
Date
1841-07-24
Page
Seite 211 (sequence 2)
Language
German
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211 betrachten, mtt denselben pvoceffictcn. Hier steht tmfcrm künftigen Rabbiner ein weites und braches Feld zum Anbauen offen. Man wird sich vielleicht wundern, hier noch von einem künftigen Rabbiner sprechen zu hören, allein diese Angelegenheit, worüber später ein. Mchreres, liegt gegenwärtig dem Ministerium der geistlichen Angelegenheiten in Berlin vor, und ist vielleicht in diesem Augenblicke schon entschieden. Dresden- 7. Juli. Neber einige Verhältnisse der israelitischen G eme in d e zu Dresden. In einem constitutionellen Staate ist die Oeffentlichkeit Hauptbedingniß aller Staatsangelegenheiten. Wir erlauben uns daher, als Mitglieder eines solchen Staates, einige Mißbrauche vor dieses hohe Tribunal zu ziehen, welche sich in die Verhältnisse der israelitischen Gemeinde zu Dresden eingeschlichen haben, wenn wir auch dadurch den Emancipationsfeinden den Beweis in die Hände geben, daß die Einigkeit und das Zusammenhalten der Juden nicht vorhanden sey. Diese Zerwürfnisse und Spaltungen rühren von einem an sich höchst nützlichen und nothwendigen Momente her,, dem Synagogenbau. Da nämlich die zu diesem Behufs von der Gemeinde bewilligte und gerichtlich bestimmte Summe von 20,000 Thlr. durch einen bei der Einfachheit unseres Gottesdienstes übertriebenen Luxus um 12,000 Kh!r> überstiegen worden ist*); da ferner ein übermäßiges Personal an Schlächtern (2), Vorsängern (2), Kirchendienern (2), Chordircctor und Chorpersonal u. s. w. auf Entschädigung Seitens der.Gemeindemitglieder angewiesen ist; da endlich die durch Vertrage zu Wohlthatigkeitscmstalten und höchst ungleich vertheilten indireeten Steuern, z. B.auf das Pfund Fleisch 3 Pf. (zu denen der Arme verhältnißmaßig mehr beiträgt als der Reiche) in Anspruch genommene Gemeinde noch für die Besoldung ihres Rabbmen und für eine israelitische Schule zu sorgen hat, die bei so vortrefflichen christlichen Anstalten gänzlich überflüssig ist**): — so ist die Schuldenlast und das Budget der Gemeinde so gestiegen, daß außer jenen, von den einzelnen Mitgliedern doppelt und drei- ' fßcfy***) erhobenen Beitragen noch eine besondere biucctc Steuer anzuordncn für nöthig befunden worden ist. Nach einem in der Praxis aller Besteuerungen ungewöhnlichen Verfahren sind nun angeblich ,,auf, hohen Befehl" sämmtliche sich auf so verschiedene Weise ernährende, zum Thcil durch den noch auf der Gewerbthätigkeit lastenden Druck leidende Israeliten gewaltsam in 4 Sttuerclassen a 5, 10, 15 und 20 Thlr. eingezwängt worden. Wie viele Ungerechtigkeiten bei so inconstitutioneller Classenvertheilung (indem überall ein plus oder minus zum Vorschein kommt) und bei dem wirklich unerhörten Minimum von 5 Thlr. (indem dadurch Viele gar nichts beitragen, die > wenigstens einen geringeren Beitrag zu leisten im Stande wären) stattsinden mußten, das hat. der Erfolg gelehrt. Berufen sich nun die Vorsteher und der Gememdeausschuß auf höheren Zwang, so bleibt den so hart bedrängten Gemeindemitglicdern. nur der Weg gerichtlicher Procestation *) Die von einzelnen Bemittelten gemachten Geschenke hatten bei der Armuth der übrigen Gemeindemitglieder der bewilligten Summe zu Gute geschrieben werden sollen. **) Bei einer Schule von 50 Schulkindern sind 4 Lehrer und 1 Lehrerin angestellt. Genügte nicht, wenn man die jüdischen Kinder in /christliche Schulen vertheilte, wodurch ihr sittlicher Werth gewiß nicht leiden würde, die Anstellung eines einzigen Religions- .und hebräischen Sprachlehrers? ***) So zahlen z. B. Mitglieder, die des hohen Preises der Betplätze wegen keinen derselben käuflich erwerben konnten, einen jährl. Miethbetrag von 40 Proc. vom Werthe derselben. und der.Veröffentlichung übrig, welche bereits eingeschtagen worden sind. Kommt dazu noch, daß diese Besteuerung von Vorstehern ausgegangen ist, welche, den Dr. B. ausgenommen, das Vertrauen der Gemeinde nicht besitzen, wie eine frühere Wahl, welche nur durch Resignation der Neugewählten rückgängig gemacht wurde, gelehrt hat (worauf den bisherigen Vorstehern ihr Amt interimistisch vom Stadt rat he, also nlicht von der Gemeinde wieder, überlassen wurde), so stellt sich die Ungerechtigkeit dieses Verfahrens doppelt schreiend heraus. Boi dieser Gelegenheit erwähnen wir noch schließlich, daß wir, wie keine andere Gemeinde, unter geistlicher Oberherrschaft leben, indem ein sonst würdiger Mann, der um unsere Gemeinde in; geistlicher Hinsicht verdiente Oberrabiner, Vorsitz und Stimme nicht nur etwa bei geistlichen, sondern auch bei weltlich-legislativen und administrativen Beratungen führt; daß der zum Ersatzmann gewählte Vorsteher Wundarzt C. regelmäßig den Sitzungen beiwohnte; daß bei bevorstehenden Wahlen durch ihre Gewerbesteuer wirklich Berechtigte übergangen, hingegen besoldete, im Dienste der Gemeinde stehende Individuen mit Wahlzetteln versehen werden, anderer Mißbrauche nicht zu gedenken; und fragen hiermit, ob es nicht im Interesse einer so wenig vertretenen Gemeinde liegt, daß eine strengere Controle Seitens der höhern Behörden eintrete? Mehrere Mitglieder der iöraelit. (Sachs. V. Bl.)*) Gemeinde zu Dresden. Ungarn. Leipzig, Ende Juni. (Beschluß.) Dkm Verdienste ward auch Anerkennung zu Theü. Edlen Männern schien es unbillig, daß so schöne Bestrebungen nicht mit dem gewünschten Erfolge gekrönt werden, sie riefen ihren Mitbürgern die Tugenden der Israeliten ins Gedächtniß; und diese Tagenden waren die Motive, welche die Emanzipation der Juden zur Beratung brachten. Man hob einzelne ausgezeichnete Persönlichkeiten hervor, entkräftete die ihnen gemachten Beschuldigungen, bewies, daß die Juden gute Bürger sein können, und forderte für sie ein Recht, welches äe jure nicht aufhören konnte. — 'Aber nicht so leicht sollte es den Armen werden. Die Wahrheit einsehen können viele, der bessern Ueberzeugung aber edelmüthig ein Opfer bringen, und den Lockungen des Egoismus zum Trotze sich seines Vortheics entschlagen, ist wahrer Seelenadel. Das Recht des Stärkern hatte sich in ein Modegewand gehüllt, dem ungeübten Auge seine mißgestaltctcn Formen zu verdecken. Man wußte Debatten einzuleiten, die sich alle um die Achse dreheten, ob die Juden fähig, ob sie reff wären zur Emancipation. Mit den Lächeln der Hyäne machten die Männer der Opposition alle Bestrebungen der Iubest verdächtig, manche glichen mit ihren Süßholzphrasen der Zrmge des Tigers, welche verwundet was sie beleckt; diese hatten für jedes Zwar^ zu Gunsten der Emanciparion ein „Aber" gegen dieselbe in Bereitschaft. Die Einwürfe sind beinahe sammtlich verrostete Klingen aus der Rüstkammer des Fanatismus, sie athmen alle den Geist der Befangenheit, so gern ihre Meister sich dagegen verwahrt wissen möchten. Waren ihre Prämissen, auf die das ganze Raisonnement basirt ist, in jedem Punkte wahr, wie sie beinahe in jedem Punkte falsch sind, könnten sie doch das Gebiet des Rechts nicht um ein Haar breit verrücken, oder die strengen Forderungen der Aufklärung schwachen. — Hier will ich nur erwähnen, daß die *) Wir wünschen, daß ein mit den Angelegenheiten der Gemeinde erfahrenes Mitglied uns über das wenig Wahre in dieser: Klage berichten möge. Red.

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