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Der Orient · 1841-07-10 · Heft 28 (10.7.1841) · p. Seite 204

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 28 (10.7.1841)
Article
St. Miklos: Ueber Errichtung von Elementarschulen
Date
1841-07-10
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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204 hier und da hörte man oppositionelle Aeußerungen, die wie man behaupten will nicht aus Confequenz il;reS angenommenen Systems, sondern blos aus Gewohnheit, allen Neuerungen, mögen sie noch so segenbringend sein zu widersprechen, entflossen waren> Auch dcr zeigt sich der Rabbiner nicht als öffentlicher Anhänger der Opposition, aber als abgesagter Feind alles Besseren. Er ist sich bewußt, daß der Erfolg dieses Unternehmens sehr ersprießlich sein wird, und wenn er auch spät eintreffen kann; aber zweifelhaft ist. er doch nicht mehr — dem Uebergang von alten zu neuen Ideen, will er mit allen Kräften entgegenarbeiten.'— Seine Aeußerungen über diese Lebensfrage sind so seltsam und bezeichnend, daß sie der öffentlichen Besprechung keineswegs unwürdig sind. Er sagte — wer hat je so was gehört^ — er sagte, daß er gegen die Errichtung einer Lehranstalt nichts Hätte, wenn die Leitung christlichen Lehrern anvertraut würde! — Israeliten wollen eine Schule errichten, wo ihre Kinder in das Reich des moralischen Lebens nach Princwien des Mosaismus eingeführt werden sollen, wo sie im Geiste des- Herrn Unterricht und Lehre empfangen sollen, und diese sollen Lehrern anvertraut werden, die sich zu einem andern Glauben bekennen!! Und diese Bedingniffe machte ein Religionslehrer, dessen Pflicht es ist, die Lehren zu befestigen und die Jugend mit der Religion der Vater vertraut zu machen!! Dieser Mann fürchtet das Licht der Vernunft mehr, als unser Gesetzgeber die in jenem Clima herrschenden contagiösen Krankheiten-Daß der Einfluß der Religionslehrer auf die Volksmaffe zu allen Zeiten von großer Bedeutung war, ist eine historische Wahrheit und die wird wohl keiner in Abrede stellen; daß es noch jetzt so ist, lehrt die Erfahrung. In Polen z. B. wo des Rabbinen Wort als Orakelfpruch angesehen und manchen sogar fast eine göttliche Ehrfurcht und Bewunderung gezollt wird, ist auch wirklich ein absurder Obscurantismus vorherrschend, und wenn auch in manchen Orten die Fakel der Vernunft leuchtet, so ist es mehr dem Zufall, der etwa einen großen Mann in ihre Mitte niedergestellt, von dessen Strahlen auch der Geist anderer erleuchtet und ihr Herz erwärmt, als einem Streben von Innen zuzuschreiben. — Ob der Einfluß des hierortigen Rabbinen dem Fortfchreiten fördernd oder hemmend entgegentritt ist wohl jedem Unbefangenen hinlänglich bekannt; und doch ist es, wenn die Unternehmung eine Schule zu organisieren nicht ausgeführt werden sollte, nur der Lauheit des Willens zuzuschreiben, denn von ihr ist unsere Schwachheit bedingt; wer da aber will, der kann auch. M. Axtmayer. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegen wart. Jüdische Zustände in Italien. (Fortsetzung.). Wir finden unter ihr ausgezeichnete Rechtsgelehrte, Mediciner, Ingenieure und gute Ackerbauer. Mantua dürfte wohl an der Spitze zu nennen sein. Die Gemeinde bietet ganz das Bild deutschen Lebens, selbst bis herab auf dessen Mängel und Kämpfe, an denen die Jetztzeit vornehmlich auf dem Felde des Glaubens und der gottesdienstlichen Einrichtungen so-reich ist. Es ist viel Regsamkeit und moralischer Schwung in der Gemeinde, und was die materiellen Bedingungen anlangt, so bemerkt man.bei dem Wohlbehagen, in welchem wir die Gemeinde treffen, nichts von jenen Beschränkungen des bürgerlichen Lebens, die ja überhaupt nur denen lästig werden, welche sich majorenn fühlen und nicht dafür erklärt werden. Das freundliche, süße Leben mit seiner Behaglichkeit laßt den Gedanken an das Entbehren gewisser Rechte und moralischer Vortheile gar nicht aufkommen und die Israeliten Mantuas dürfen ja Grundstücke erwerben, können sich durch Handwerke und Künste nähren, sich den Wissenschaften widmen, Equipagen halten u. s. w. Es hängt zwar hinsichtlich der Wahl ihres Berufes, den Israeliten Mantuas noch jene Richtung an, die wir die Juden im allgemeinen nehmen sahen, daß sie nämlich bei weitem mehr zu Kunst und Wissenschaften, als zu einer Handthierurig incliniren, auch verschmähten es bisher nicht selten israel. Jünglinge der häufigen Proselyten wegen, bei christlichen Meistern in °die Lehre zu gehen, allein nicht bloß die Richtung der Jetztzeit auf Industrie, sondern auch die verschiedenen Legaten, welche zu Gunsten der Handwerker neuerdings ausgesetzt wor¬ Verlag von ®. L, Fritzfche» den sind, geben die gewisse Hoffnung, daß jener Zweig des bürgerlichen Lebens, von dem das Sprichwort sagt, daß es auf goldenem Boden ruhe, gehörig werde bebaut werden. Sind die italienischen Israeliten wahrhaft großartig in Einrichtungen von Wohlthätigkeitsinstituten und erscheinen sie hier sogar denen Deutschlands zuvor gekommen zu sein, so haben wir das Nämliche auch von der montuanischen Gemeinde auszusagen; ihre frommen Stiftungen erfreuen sich einer seltenen Blüthr und Herrlichkeit. Mit Stolz können die mantuaner Israeliten auf ihr Armen- und Arbeits-Haus (Vie case israelitiche di Ricovero;e d’Industria) blicken, mit welchem sich wohl wenig städtische Institute Deutschlands, ja Europas vergleichen können. Es sei daher, erlaubt, einige Augenblicke dabei zu verweilen. Das Institut bildet einestheils ein Armenhaus, in das Individuen jedes Alters und Geschlechts ausgenommen werden, sobald sie nicht mehr fähig sind, ihr Brot zu verdienen; anderentheils ein Arbeitshaus für Jünglinge, die sich einem. Handwerke widmen wollen. Neuerdings ist das Institut auch über Mädchen und Jungfrauen ausgedehnt worden. Obwohl das Institut erst seit 1825 eröffnet erscheint, so hat es doch durch weise Oekonomie, umsichtige Leitung und rege Theilnahme ein so schnelles Gedeihen erfahren, daß wir jetzt , nach diesem kurzen Zeiträume, billig über feine Größe erstaunen müssen. Schon im Jahre 1828 konnten die beiden Anstalten von einander gesondert werden, so daß die Versorgung Armer und Schwacher ihre eigne Verwaltung erhielt, während das Institut für Aufnahme der Jünglinge, die ein Handwerk lernen wollen, aber nicht bemittelt genug sind, Lehrgeld dafür auszugeben, eigens geordnet und erweitert ward. (Fortsetzung folgt.) Druck von I. H. Nagel.

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