Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1841)
- Article
- Frankfurt: Uebersicht der neuen erschienenen karäischen Schriften ...
- Date
- 1841-07-03
- Page
- Seite 198 (sequence 1)
- Language
- German
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198 Deutschland. H Frankfurt, 12.Mai. Karaktische Literatur, Die Sekte der Karaiten, welche vorzugsweise im südlischen Rußland , besonders auf der Laurischen Halbinsel ihren Sitz hat, übrigens aber in Asien nnd Egypten, unter der Herrschaft des Islams, noch einige wenige Gemeinden zahlt, hat. eine eigene Literatur, welche seit ihrem Entstehen im achten Jahrhunderte bis auf etwa drei mehr und minder vollständig gedruckte Werke, nur handschriftlich verbreitet worden ist. Sie enthält eine bedeutende Zahl , zum Theil sehr umfangsreicher Werke, exegetischen, philosophischen, religiös - polemischen und asketischen Inhalts, in arabischer und hebräischer Sprache. Die meisten dieser, obwohl mitten unter barbarischen Umgebungen, namentlich unter den nomadischen Tataren, verfaßten Geistesprodukte, sind bei aller Abgeschmacktheit, moslemisch- und jüdisch-scholastischer Form, doch höchst sinnvoll und athmen einen wissenschaftlichen Geist und ein Streben nach Wahrheit, wieman es unter solchen Umständen kaum erwarten sollte. *) Der Verfasser d-e r Geschichte der Js raeliten hat schon vor mehr als zehn Jahren sich veranlaßt gesunden, diese Fundgrube einer bisher diesseits nur dem Noamen nach bekannten Literatur, durch eine direkte Correspondmz mit den Oberhäuptern der Sekte den europäischen Gelehrten zu eröffnen, und nicht blos viele Manuskripte von dort her erhalten, sondern auch dazu beigetragen, daß sie selbst Mittel herbeischafften, um ihre wichtigsten Werke zu drucke»' So sind denn in der Krim zu Eupatoria in den Jahren 1634 — 36 mehrere derselben wirklich erschienen. Da diese Werke nicht in den Buchhandel kommen, so wird es um so mehr die gelehrte Welt interessiren, über ihre Beschaffenheit etwas Näheres zu erfahren. Es sind folgende: 1) S e f e r h a - M i b ch a r, Commentar zürn Pentateuch von Ahron B. Joses (geschrieben zu Constantinopel 1294) mit dem Supercommentav Tirat Kesef vom gegenwärtigen hochbejahrten Joseph B. Salomo, Chacham der Karaiten in der Krim; ersterer in hebräischer Quadratschrift, letzterer in rabbinischer. Die fünf Bücher umfassen, Z. 66 Blatter in Folio. II, — 71, III. — 51, IV. — 33, V. — 37. *) Ueber die karäische Literatur enthalten in neuerer Zeit die jüdischen Zeitschriften manche schätzbare Beiträge, namentlich über einzelne Partieen derselben, und unter diesen wiederum liefern das meiste ,,die israelitischen Annalen von Dr. Jost" und „der Orient von Dr. Fürst." In dem vorigen Jahrgange des Orients, im Literaturblatte finden sich folgende Aufsätze über karäische Literatur: 1) Ahron den Elia, der Karäer, über zwei indische Sekten. Nr. 13. 2) Dine Schcchita, von demselben Karäer, excerpiet und geschildert. Nr. 16. 18. 28. 29. 30. 32. 3) Die Hauptdiffercnzen zwischen Karäern und Rabbiniten, nach Ahron den Elia's Vorrede zu seinem Penrateuch-Commentar. Nr. 32. 34. 39. ' 4) Ueber Ahron den Elia's Sefer Mizwot. Nr. 40. 5) Ueber einige philosophirende Sekten des Islam. Auszüge aus handschriftlichen arabischen Werken der Bibliotheken zu Dresden und Leipzig. Nr. 45 und Jahrgang 1841. 6) Ueber einige unbekannte jüdische Sekten. Nr. 48. 7) Nachtrag zu dem Aufsätze: über einige unbekannte jüdische Sekten, als Excerpte aus. Eschkol Ha-Köser. Nr. 52. .Außerdem waren darin noch einige Mittheilnngen über die neu entdeckte Inschrift von den Karaern, über das äußerliche Leben der Karäer von Kohl, über die mitgebrachten karäischen Handschriften von Munk und Anderes mehr. 2) M i b ch a r Iescharim, von demselben Vers., Commentar über die vier ersten Propheten; der zu Josua nochmals commentirt von Abraham Firko witsch, einem eifrigen Karaiten in der Krim. (Die Form wie oben.) Die übrigen drei Bücher in rabbinischer Schrift. Angehangt ist ein großes -Fragment von demselben Vers, zu Jesaja bis Cap. 59 ergänzt und beendet, im Geiste des CommentatorS von demselben Abraham Firko wi tsch, welcher noch eine fulminante polemische Abhandlung unter dem Titel: 3) ChotamTochnit (10 Bl. Fol. compreß gedruckt) hinzugefügt hat. Das Ganze 58 Bl. Fol. 4) Es folgen die Commentare des Jakob B. Rüben aus dem vierzehnten Jahrhundert unter dem Titel h a-O sch e r zu den übrigen Propheten 22 Bl. und zu den Hagiographen 25 Bl. mit einer tatarischen Nachschrift in hebräischen Lettern und einem 3 Bl. starken Druckfehler-Verzeichnisse. 5) Eschkol Ha-Kofer von Juda Hadassi, geschrieben im Jahre 1147 zu Constantinopel 155 Bl. Fol. in Quadratschrift. Ein Gesetzbuch in höchst abgeschmackten Versen, aber mit geistreicher Polemik und voll zeitgemäßer Gelehrsamkeit. Vorgesetzt ist eine von Kaleb Abba in Eonstantinopel im Jahre 1497 verfaßte Uebersicht des Werkes, unter dem Titel N a ch a l Eschkol. 6) Aderet Elij ahu von Elijah u Baschiätschi, ein Gesetzbuch nach Titeln geordnet; verfaßt bis 1490, und nach dem Tode des Verf's. von genanntem Kaleb abgeschrieben und beendet, 102 und 34 Bl. Fol. Es sind darin interessante Kalendertabellen. 7) Pinat Iikrat, vom Karaiten Isaak B. Salo- .mo in der Krim, enthält nach einer tatarischen Vorrede, einen kurzen Inbegriff der Sabbatgesetze; den berühmten Brief des Del Medigo; drei hebräische Briefe des Dr. I. M. Jost an die Karaitm, vom Jahre 1829—31, nebst tatarischer Übersetzung; die zehn Glaubensartikel der Karaiten, hebräisch, 61 Fragen und Antworten religiösen Inhaltes, letztere tatarisch, 46 Bl. 4to. (meist Quadratschrift.) So weit sind solche im Besitz des Du. Jost zu Frankfurt am Main, welcher gegenwärtig beschäftigt ist, aus allen diesen Werken und den in seiner Bibliothek vorhandenen, zum Theil durch die I s r a e li t i sch e n A n n a l e n vom Jahre 1839—40 bekannten, Handschriften, und den ihm zugegangenen Mittheilungen des berühmten Orientalisten S. Munk zu Paris, welcher in Kahira mehrere merkwürdige Handschriften erworben, seine längst begonnenen Arbeiten-über die Karaiten zu vervollständigen, und demnächst ein G r s a mm (werk über die Geschichte, Literatur und Cultur dieser interessanten Sekte herauszugeben. A. P. Z. * Hannover', 16. Juni. Wie man vorausgesehen, zerfließt die Hoffnung der Juden'in Hannover in Nichts. Wie man jetzt erfährt, wird die zweite Kammer ganz gewiß jeden Vorschlag zur Verbesserung unserer Verhältnisse abweisen; und wie ließe sich auch ein constüutioneller Sinn bei einer Kammer vermuthen, die seit Jahren den Faden ihrer constitutionellen Bestimmung verloren! Es ist gewiß überflüssig noch ein Wort darüber zu verlieren, indeß da ein großer Theil der Leser mit dem eigentlichen gegenwärtigen Zustand der Juden in Hannover nicht wohl bekannt sein wird, so möge hier eine Uebersicht der Rechtsverhältnisse der Juden bei uns, wie sie die L. A. Z. (9t. 167) gegeben, Platz finden. Sie laute!: „Der Rechtszustand der Juden in dem größer» Thelle des Königreichs Hannover beruht gegenwärtig hauptsächlich auf