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Der Orient · 1841-07-03 · Heft 27 (3.7.1841) · p. Seite 197

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 27 (3.7.1841)
Article
Aleppo: Haleb. Die jüdische Gemeinde daselbst ...
Date
1841-07-03
Page
Seite 197 (sequence 1)
Language
German
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Zweiter $ tttu Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirtb ei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. f-ür jüdische Geschichte und Literatur HerausgegebeA von Dr. Julius Für st. Bon dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, dasritcraturblattmitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. M. Leipzig, den 3. Juli 1841 Orient. Aleppo (Haleb. Die jüd. Gemeinde daselbst. Bachsita das jüd. Quartier. Erwerb u. Seelenzahl. Zustande. Die; Familie P ici oLLo besetzen die Consulate. Die Familien Hozen, Dewich u. ALntabi.) — Deutschland. (Franks, a. M. Uebersicht der neuen erschienenen karaischen Schriften in Kosloff. Firkowitsch. Munk. Jost. Hannover. Die Judenfrage das. Das Judengesetz in den Kammern..) — Lichtu. Schattenbilder aus der jüd. Gesch. d. Gegenwart: Jüd. Zustande in Italien rc. LB. d. O. O r r e n t. A Ale-po (Haleb). Unter den syrischen Städten nimmt Aleppo keinen geringen Platz ein, und die jüdische Gemeinde ist nächst der damascenischen die bedeutendste. Wie die dort sich aufhaltenden 5000 Christen die eigene abgesonderte Vorstadt Dschedeida bewohnen, so die Juden das eigene Quartier Bachsita, das man aber durchaus nicht als Ghetto erwa ansehen darf. In Bezug auf die Größe der Gemeinde, so zahlt man 5—-7000 Individuen (nicht wie einige meinen 2000), was aber wohl nur annähernd richtig sein mag. Die Hauptsynagoge ist in einem großen Khan (Platz wo die Karawanen einkehren), wo sich merkwürdigerweise noch eine Moschee und eine Kirche befindet. In Bezug auf Erwerb sind die Meisten Sarafs (.Wechsler od. Bankiers), wie sie es überhaupt in ganz Syrien sind, und als solche waren sie unter der srühern türkischen Regierung die Geschäftsmänner der Pascha's, reich und von Einfluß. Auch auf Ibrahim Pascha übten sie durch ihre Geldgeschäfte früher einen großen Einfluß, später wurde Ibrahim von Mehern ed Ali aber angewiesen, die Juden in den Hintergrund zu rücken und anderer Sarafs sich zu bedienen. Dieses einträgliche Geschäft schließt aber andere nicht gerade aus, was bei einer großen Gemeinde ohnehin nicht denkbar ist. Sie sind auch noch Spezereihändler, Goldschmiede u. s. w. Unter den bedeutenden jüdischen Familien, welche auch eine nicht unbedeutende politische Wichtigkeit haben, gehört vorzüglich die vor ungefähr 60 Jahren aus Livorno hier emgewanderte Familie Piciotto. Diese Familie, die sich im Verlaufe zweier Generationen fast auf 80 Seelen vermehrt, ist die Krone der jüdischen Gemeinde, deren Geschäfte sie regelt, und berühmt durch ihre Rechtlichkeit hat sie fast alle europäischen Consulate daselbst aus Gliedern ihrer Familie besetzt; denn mit Ausnahme der englischen, französischen, spanischen und sardinischen Consulate sind sie sämmtlich mit Gliedern aus der Familie Piciotto besetzt, und auch der jetzige preußische Consul daselbst ist ein Piciotto. Wie fast alle Gemeinden des Orients ist auch die aleppinische sehr orthodox, und die Culturstufe im Allgemeinen ist wie bei der ganzen Umgebung noch sehr niedrig, denn selbst die Bildung der Dragomans ist nicht wett her. Von Schulen nach unserm Sinne ist keine Rede, aber durch Einwirkung der europäischen Juden könnte hier vielleicht eher als in Alexandrien und Kahira eine Schule .kräftig emporblühen. Am meisten könnte auch hier für physisches und geistiges Gedeihen der Gemeinde gewirkt werden, wenn man die Gemeinde mehr als je sich an England anlehnen läßt; denn der innere Handel, und mir ihm der eigentlich orientalische Born ist mit dem Emporkommen Mehemed Alis seit 10 Jahren vernichtet; Ibrahim hat mit eiserner Hand die Stadt heruntergebracht, nun aber hat England den ganzen Handel, und nur wer sich England anschließt, hat eine Aussicht auf Erfolg der Unternehmung. Frankreich ist aus diesem Reiche sowohl in Bezug auf Handel als Sympathie verschwunden. Wie die Familie Piciotto durch ihre politische Stellung in Besetzung der Consulate, durch ihren Reichthum in der Handelswelt, eben so sind auch einige andere jüdische Familien durch ihre Gelehrten berühmt, die noch außerdem das für sich haben, daß sie diesem Lande ursprünglich seit den ältesten Zeiten cmgehören, und durch ihre Schriften auch da wirken. Dergleichen Familien giebt es...drei, nämlich Hozen, Dewich und Aintabi.*) Die Familie Hozen hatte aus ihren Gliedern das Rabbmat zu Bagdad besetzt (jwn HplU), welche Stelle jetzt ein gewisser nw inne hat; die Familie Dewich ist seit anderthalb Jahrhunderten Begründerin und Erhalterin der rabbinischen Schule in Aleppo, aus welcher gewöhnlich auch die Rabbiner in Aleppo genommen werden. Die Familie A i n t a b t ist durch die vielen Gelehrten noch -jetzt eine Zierde der Gemeinde zu Haleb. Wie alle syrischen Gemeinden ist auch die zu Haleb sehr alt und berühmt; Benjamin von Tudela fand bekanntlich schon daselbst eine durch Gelehrte berühmte Gemeinde und fast bis auf die früheste Zeit laßt sich die Geschichte dieser Gemeinde verfolgen. *) S. Orient 1840 LB. 356f. 27

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