Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1841)
- Article
- Berlin: wahre Sachlage üb. Erfindung der Rechenmaschine ...
- Date
- 1841-06-19
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
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— 186 — Slonimski, in gerechter Anerkennung seiner Verdienste als Hebräischer Schriftsteller über Astronomie, lobend Erwähnung that. Da demselben in jenem Artikel die Erfindung einer Rechenmaschine zugeschrieben wird, und keiner von den vielen darum befragten Freunde des Hrn. Slonimski in Warschau dieses bestätigen konnte, so' entstand allgemein der Verdacht, als habe ein damals in Polen herumreksender russischer Israelit, I.M.SchLeser, der Rechentafeln erfunden haben wollte und dieselben überall anpreisen lies, den Namen des Hrn. Slonimski in jenem Artikel blos dazu benutzt, um die Anzahl der Pränumeranten auf sein Werk zu vermehren. Ich hielt es daher auch für billig, auf dieses Qai pro quo in der Allgemeinen Z. d. Jv öffentlich aufmerksam zu machen und die Ehre des Hrn. Slonimski gewissermaßen dadurch in Schutz zu nehmen. Kurze Zeit darauf kam Hr. Slonimski selbst nach Warschau und sagte mir, daß er in derLhat eine neue Rechenmaschine erfunden und dieselbe auch mitgebracht hatten um sie bekannt zu machen. Auch zeigte derselbe mir ein Exemplar des litthauischen Couriers, worin die Anzeige seiner Erfindung sich befand. Ich erklärte mich sofort bereit, meinen Bericht in der Allgem. Z. d. I. zu widerrufen, unter der Bedingung diese Maschine selbst sehen, prüfen und von ihrem vielgepriesenen Werthe mich überzeugen zu dürfen, wie ich dieses bei der bekannten Rechenmaschine des Hrn. A. Stern ebenfalls oft "zu Lhun Gelegenheit hatte. Dieses aber wurde mir von H. S. geradezu verweigert, indem er auf etwas gehekmmßvolle Weise vorschützte, die Maschine nicht mehr zu besitzen, und überhaupt von ihr nicht öffentlich sprechen zu dürfen. Unter diesen Umständen konnte ich mich aber auch zu dem verlangten Widerruf nicht verstehen und kann dies so lange nicht, bis ich vom Gegentheil durch Augenschein die moralische Ueberzrugung gewonnen haben werde. Als ich nun obige aus Wilna an mich ergangene Aufforderung gelesen hatte, aus der ich noch immer keinen Grund zum Widerruf entnehmen kann, habe ich mich veranlaßt gefunden, die Sachlage dieses Gegenstandes hier mitzutheilen, und will blos noch bemerken, daß vom persönlichen Interesse hier gar nicht die Rede sein kann und daß wir im Gegentheil mit dem Ref. in den Wunsch, daß Herr Slonimski bei seinem Aufenthalt in Deutschland die beste Lheil- und Aufnahme, finden möge, von ganzem Herzen übereinstimmen. Dr. Joseph Bergfon. - HalbersLadt, 28. Mai. Am ersten Lage des Wochenfefles der Pfingsten hatten wir uns durch die Güte des Herrn Oberlehrers Lasch wiederum einer deutschen Predigt zu erfreuen. *) Mancher Leser dieser Blätter wird vielleicht herzlich lachen, daß in einer deutschen Stadt unseres deutschen Vaterlandes eine Predigt in vaterländischer Sprache zum Gegenstände eines Berichts werden kann; aber wenn in Bezug auf Juden unser Vaterland schon im Allgemeinen manche traurige Anomalie darbietet, so wird es vielleicht nicht auffallen, wenn Halberstadt unter allen jüdischen Gemeinden Deutschlands eine trübselige Ausnahme macht. Das deutsche Wort ist hier ein Gast im Hause des Gottes Israels, obgleich nicht das hebräische, sondern der Jndifferentismus heimisch ist. Diese zweite Predigt nun seit sieben Wochen wurde, indem Herr Oberlehrer Lasch auch den Ungläubigen und Unwissenden über das Wort Gottes zu belehren verstand, zur allgemeinen Zufriedenheit ausgeführt. Selbst bei einer großen Anzahl Altgläubigen und Ungläubigen fand dies Anerkennung. Gemeinde- Mitglieder, die vor 28 Jahren im Sturmschritt aus der Synagoge liefen, um keine deutsche Predigt mit anzuhören, haschten nach den erhabenen Worten des Redners, und wurden erbaut; „Er schickt sein Wort, und das heilt sie, befreiet sie vom Untergang (Ps. 107, 20)". Diese in jeder Hinsicht wohlthatige neue Erscheinung wird gewiß als Anfang zu einer wahrhaften und erhebenden Gottesverehrung -gute Früchte tragen, und zu einem solchen Anfänge ist es die höchste Zeit; bereits haben wir ein halbes Jahrhundert in Jndifferentismus verträumt. Indem ein Ungenannter sich schmeicheln darf, ein Schärflein zu dieser wesentlichen Cultusreform mit beigetragen zu haben, so entgeht es seinem aufmerksamen Blicke nicht, wie Feinde und selbst angebliche Freunde stets im Stillen grübeln, allen seinen Handlungen und Vorschlägen zum allgemeinen Bessern, Hindernisse in den Weg zu legen. — Nächstens ein Mehreres. F reund der Wahrh ei t. *) Vgl. Orient 1840, Nr. 51 daselbst. — 1841 Nr. 18.; rrud Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Jüdische Zustände in Italien. (Fortsetzung.) Sie kann ihren spanischen Ursprung nicht verleugnen, obgleich, weil Handel und Industrie ihr Hauptelement ist, Menschen fast aus allen Nationen und Himmelsstrichen hier leben. Die israel. Gemeinde zu Livorno besitzt vor allen übrigen voraus sehr reiche Privilegien, die sich von dem schon erwähnten Cosrno I. herschreiben, der sie nicht allein in Communangelegenheiten der Stadt repräsentirt werden ließ, sondern auch selbst einen permanenten Verwaltungsrath unter ihnen ausuchten und dadurch ein wirkliches städtisches Gemeindeleben unter ihnen hervorrief, das in seinen Grundlagen noch heute besteht. Noch jetzt steht die Gemeinde unter dem Rathe der Vierzig, dessen Oberhaupt, der Cancellaro, freilich von seiner ehemaligen unumschränktem Gewalt hinsichtlich der Gemeindeangelegenheiten vieles hat abgeben müssen, wenn auch 1787, als die Inquisition abgeschafft wurde, Seitens der Israeliten die Erklärung nicht erfolgt wäre, ihre Civilsachen fortan von den allgemeinen Landesgerichten erledigt zu sehen. Der dritte Theil aller zu Livorno lebenden Israeliten ist wohl reich, wenigstens sehr bemittelt zu nennen, die meisten von ihnen treiben Geschäfte, unter den Handwerkern und Künstlern "finden wir: Drechsler, Goldschmiede, Gerber und Buchdrucker. Eine noch zahlreichere Klaffe nährt sich von ihrer Hände Arbeit,, namentlich in den Fabriken und Mcmufacturen der ersten, und beinahe das Letzte Drittheil, über 2000 Individuen, ist bettelarm und fallt der Unterstützung an-