Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 24 (12.6.1841)
- Article
- Ueber die Pijutim
- Date
- 1841-06-12
- Page
- Spalte 361-362 (sequence 2)
- Language
- German
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361 362 " Die Stimmen der Men über die Pl'jutkm, von Dr. Aniam mitgecheilt. ihm folgen können, erwiederte dieser wie folgt„Nein! dieser Gebrauch ist nicht länger zu gestatten, da man, nach Vorschrift des heiligen Gesetzes, das angeordnete Gebet, weder vor noch nach den Schema-Segenssprüchen mit dergleichen unterbrechen darf rc." In demselben Werke, Gutachten 130 : „Auf die Frage: inwiefern die Gesammtheit oder auch nur Einzelne Recht daran thaten, die von Rabbenu Saadja Gaon für Sabbat- und Festtage verfaßten Pijutim und Gebete an solchen Tagen zu verrichten, an welchem man eben denselben zu Ehren sogar das Schemona-Esre-Gebet eingestellt hat? rc. gab Mosche Maimuni folgende Antwort: „Nach unserer Ueberzeugung ist es weder der Gesammtheit noch Einzelnen erlaubt, Techinot, Bekaschot oder Tesillot, mögen solche die Gaon im verfaßt haben, an Sabbat- oder Festtagen zu beten, da die Rabbinen st A. dem "Gebete für Kranke, für diese Tage eine veränderte Form gegeben, damit die Techina darin nur berührt aber nicht beibehalten werde; ja. sogar die Mittelfegenssprüche des Schemona-Esre haben sie nur deßhalb an Sabbat- und Festtagen aufgehoben, weil sie Klägliches und Flehentliches enthalten, das mehr für Fast- und Trauertage als für Freudentage paßt; denn die Tefilla soll ein der Ehre Gottes entsprechendes Gebet sein, und muß darin der jedesmaligen Bestimmung des Tages, an welchem sie verrichtet wird, Erwähnung geschehen, folglich' bezweckt sie für Sabbat- und Festtage das Gemüth des Betenden nur froh und heiter zu stimmen, indem wir an solchen Tagen nur freudigen und fröhlichen Sinnes sein sollen, um heitern Gemüchs Gott zu danken für die Sabbat- und Festruhe, die er uns geschenkt hat^) Derselbe Maimuni kommt auch noch anderswo auf diesen Gegenstand zurück, nämlich in seinem riWrj p'Nrfctt, oder More Nebuchim. In diesem Werke I. e. 59 (vgl. & \!nyo cap. poiy-pN ig, §. 6) heißt es: ......und nicht, wie es die thörichten Pajtanim in der Thal gemacht, indem sie nämlich lange und große Gebete, überfüllt von bloßen Lobeserhebungen gegen Gott verfaßt, und darin^ schmeichelnde Redensarten gehäuft haben, um dadurch sich mit ihrem Schöpfer in näherer Bekanntschaft zu bringen. So legen sie Gott Eigenschaften bei, die, geschähe es bei einem Menschen, auf eine frühere Ermangelung derselben bei ihm nochwendig voraussetzen müßten. Dieses rührt daher, weit sie diese großen erhabenen Gegenstände, die dem gemeinen Verstände fern liegen nicht begreifen, daher haben sie Gott gewählt zu ihrem Zungen-Gedresche und ihn mit allem Erdenklichen umschrieben und beschrieben, glaubend daß er, da sie so viel des Lobes ihm ertheilt, 1) Hieran schließen sich die Gutachten noch an, welche, jüngstin der trefflichen Schrift Melo Chofnajim mitgetheilt worden sind. sich dadurch bewegt fühlen müsse, ihr Gebet zu «erhören. Ich will damit nicht sagen, daß es (das Beten der Pijutim) vorsätzliche Bosheit fei, aber es ist eine unwissentliche Lästerung und Entweihung Gottes, die der große Haufen begehet, indem er diese (Pijutim) hört und noch mehr von den Thoren die sie beten; aber derjenige, der die Unvollkommenheit derselben einsiehec und dennoch sie betet, der gehört zu denen, von welchen es in der Schrift (2 Kön. K. 17. V. 9) heißt: sie bergen sich vor dem Ewigen, ihrem Gotte, in falsche Worte." c) ©erad)ja ha - Lewi (1136). Dieser berühmte Mann sagt in seinem trefflichen Werke -flNDn über Alfasi zu JomaKap. 1. über unfern Gegenstand: „Wisse, daß sammtliche Pajtanim sich rücksichtlich der Anordnung der Aboda. (rrnny) am großen Vecföhnungstage geirrt haben, indem sie m ihren Pijutim nur vier Loosungen zählen, das offen gegen die Mischna streitet; wie es scheint haben sie diese nicht verstanden2), denn rc. rc. d) £)cnufc K i m ch i (1190). Dieser ausgezeichnete Grammatiker und Zierde unserer Exegeten sagt in seinem Wurzelbuche (Schoraschim zu der Wurzel Tiy) über die Pijutim folgendes: „Es ist wohl erlaubt sich einiger Freiheit selbst in der Bibelsprache zu bedienen, keineswegs aber, sich der Regeln derselben ganz zu entfesseln, ein Verfahren der sogenannten Pajtanim m ihren Kerobot. Daher haben diese auch sich dadurch eine schwere Sünde zugezogen, und wer ihre Pijutim betet, beladet so aufs Neue das Haupt der Verfasser mit einer schweren Sünde und sich selbst offenbar mit keiner leichtern. Gott behüte uns vor solcher Sprachentstellung, aus daß wir nicht unwissentlich dadurch straucheln, nein, mit dem Psalmisten wollen wir beten: Herr, öffne Du meine Lippen, auf daß mein Mund in reinem Ausdrucke deinen Ruhm verkünde." (Fortsetzung folgt.) ■ Literarische Uebersichtea. 23) Der Prophet Habakuk, mit einer wörtlichen und einer freien metrischen Uebcrsetzung, einem vollständigen philologisch-kritischen und exegetischen Commentare; nebst einer Einleitung über den ersten Fortgang der hebräischen Poesie, über Metrik, Weissagung u. s. f. v. Dr. Abraham Alex. W olff. Darmß. 1822. 8. Hcrabges. Preis 16 Gr. Der Aufsatz „Der Prophet Habakuk und seine neuesten Bearbeiter von M. A. Lewy aus Altona" in Nr. 2) Man sieht hieraus, wie wenig Achtung man vor den Pijutim hatte, und wie wenig Werth man auf dieselbe legte» Siehe übrigens was wir weiter unten bemerken.