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Der Orient · 1841-06-12 · Heft 24 (12.6.1841) · p. Seite 183

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 24 (12.6.1841)
Article
Breslau: Die Wilhelmschule ...
Date
1841-06-12
Page
Seite 183 (sequence 2)
Language
German
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183 sicht und Erkenntniß der Heranwachsenden Jugend wahr res Heil bedingt, daß die Religion nicht entgegensteht der Bildung, sondern mit ihr Hand in Hand geht, beide einander bedingen. Aber immer schwer bleibt doch die Aufgabe der heutigen treubefiissenen Lehrer, und sie erfüllen ihre Aufgabe. Meine Herren! Dies Glas den Todren, sie leben hoch! Sie t^ben fort in unserm dankbaren Andenken, sie leben hoch! Sie leben fort in unfern Tharen! sie leben hoch!" Ein Lebehoch, das gegen das Ende des schönen Festes Hr. Dr. Günsburg dem Hrn. Ober-Rabbiner Ti kein und dem Rabbiner Hr. Dr. Geiger ausbrachte, veranlaßt den letztem zu den nachfolgenden gehaltvollen Worten, die wir unfern Lesern gleichfalls nicht vorenthalten zu dürfen glauben. Dieselben lauteten: „M. H. Bei Erwähnung meines geehrten Eollegen und meiner finde ich begründet, daß Synagoge und Schule, Religion und Bildung eng zusammen gehören. Daß Sie unsrer zusammen erwähnen giebt mir die freudige Bürgschaft, daß, so verschieden auch die religiösen Überzeugungen im Judenthume sich gestalten mögen, von Allen anerkannt wird, daß Wissenschaft und Durchbildung wesentliche Bedingung ist. Es ist dies der uns Allen gemeinsame Boden; von ihm aus möge die Einigkeit in der Gemeinde immer mehr zunehmen und bisherige Trennungen schwinden! Möge die Einsicht immer zunehmen, daß nur in'freier wissenschaftlicher Entwickelung die Religion gedeihe nnd lebendig werde; mögen die verschiedenen Ueberzeugungen einander als berechtigt immer mehr anerkennen und die Abweichungen der weitern Entfaltung auf wissenschaftlichem Gebiete zur Ausgleichung überlassen! M. H.! Es lebe die Einheit unserer Gemeinde hoch! Es wachse die Einsicht und Erkenntniß und die gegenseitige Anerkennung! Die Idee der Verbrüderung unter den verschiedensten Parteien sowohl im Judenthum, als wie sie durch die Verschiedenheit der Glaubensbekenntnisse erwachsen, sie schlage Wurzel, wachse und trage Früchte; die gleiche Berechtigung Aller im Staate, wie sie oberster Grundsatz in Preußen ist, aber nur in einzelnen Consequmzen nicht zur vollen Verwirklichung gelangt ist, sie trete immer mehr ins Leben, hoch empor!" — Möge die'Er-' innemng an die Jubelfeier lange hin dauern und diese zum ferneren Gedeihen der Wilhelmsschule fort und fort segensreich beitragen!" Böhmen. Böhmische Grenze, Ende Mai. Entgegnung über die böhmischen israel. Zustände im I. 1841. Der Correspondent des Orients Nr. 5 schließt seinen Bericht mit folgenden Weiten: „Welch ein schönes heiliges Bewußtsein wäre es, wenn die Einflußreichen sich einst sagen könnten, Israel geistig hervorgebracht zu haben zu einer Erleuchtung des Tagest. Sehr wahr in der That; denn wahrlich noch sind die Narben des vorigen Jahrhunderts nicht verwachsen, noch haben sie sich nicht dergestalt entwickelt, daß eine geistige Operation glücklich von Statten gehen könnte. Res. aber scheint doch etwas voreilig mit seinen Aeußerungen gewesen zu sein, wenn er bemerkt, daß auf theolog. Standpunkte fast nichts mehr zu wünschen übrig wäre; dieses müssen wir gerade zu verneinen; denn lei-' der wurzelt das herbste Weh in unserer eigenen Mitle und dieJsraelitengemeinden in Böhmen haben diese geistige Ruhe noch lange nicht, von der der Corresp. "mit so vieler und sicherer Ueberzmgung spricht. Hier fischt man noch im Trüben, hier ahnet man nur jene Subjektivität und verdrängt die Ichheit der eigenen Brust. — Gesprochen wird viel, angeordnet Vieles, gethan aber leider sehr wenig. Wo es der gesunden Thatkraft bedarf, nicht des Geldes allein, da, schüttelt man verneinend das Haupt, da,verleugnet man die Persönlichkeit und neigt seine Schulter zu tragen. — Von Verbesserung des Gottesdienstes spricht man überall und die kleinste Gemeinde bleibet da nicht zurück und ein Jeder tragt sein Scherflein bei zum Sc! mucke des Tempels, da kommt Rüben und Simon und alle Fürsten der Stämme und spenden Geschenke zur Erbauung einer Stiftshütte, aber der Geist der Einheit der sie erhält, der ist nirgends zu finden. Den glänzendsten Beweis hiervon giebt Böhmen. — Hier ist wohl kaum noch eine Gemeinde, wo nicht ein geregelter Gottesdienst, Predigt,-Chor und Orgel, je nachdem es die Kräfte erlauben, gewünscht werden, aber diese Orgelklänge, dieser Choralgesang, diese Predigt, sie würden noch tonen in den dumpfen Gassen einer Judenstadt, und die Frage drangt sich von selbst einem jeden fühlenden Menschen auf, warum das Aeßere so wenig mit dem Inneren übereinstimme? — Erst muß die drückende Last abgeworfen werden, ehe man sich der Ruhe ganz überlassen darf. — So wenig mm dieser Bericht mit dem des Ref. übereinstimmt, so könnte er sich doch immancher Beziehung ihm anschließen, und man erlaube mir daher in meinen Betrachtungen fortzufahren. Man ist nämlich in neuerer Zeit von dem Grundsätze ausgegangen, daß der angestellte Rabbine die Pflicht der Einzelnen, das Wohl der Gesammtheit betreffend, auf sich zu nehmen habe. Er soll gleichsam die ganze Gemeinde tragen, und mit dieser nicht geringen Last, die schwere Verantwortlichkeit der hin und wieder sich gestaltenden Lücken, übernehmen. Die Gemeinde, sich in dieser Bequemlichkeit gefallend, läßt sich gehen, während der Rabbine angeklagt, beschimpft, verfolgt und bekämpft wird. Wird die Gemeinde von den Landessteuern schwer gedrückt, da sprechen die Armen, wie die Neichen: was nützt uns der Rabbiner? Sind die Wohlthätigkeitsanstalttn im Sinken, wer trägt die Schuld? der gleichgiltige Rabbiner, wahrend in ihrem Steigen kaum sein Name genannt wird; schleichen sich durch die Nachlässigkeit der Vorstände Unordnungen ein, wer wird angeklagt: der Rabbiner. So ist er die Zielscheibe aller einzelnen Interessen, er ist das Lamm zum Opfer, während sich der zum Opfer gehörende Widder in seinen Hörnern verwirrt hat. — Allerdings wäre es gut, wenn die israel. Geistlichen die Fähigkeit hätten, so die Gemeinde in sich aufzunehmen, daß sie von ihnen ^.präsentst t werde, aber wie ist dies bei 10,000 Seelen möglich? So hört man z. B. fortwährend aus jedem berufenen und nicht berufenen Munde: Was Hot der hier und da neuaufgenommcne Rabbiner seit seiner Anstellung für das Gesammtwohl gewirkt, und ich muß selbst gestehen, wenig oder nichts. Wenig in geistiger Beziehung für die heranstrebende Jugend, wenig für die inneren Schulanstalten, die doch wahrlich schwer genug am geistigen Starrkrampf darniederliegen, auch nichts in praktischer Beziehung, denn zu den alten Lasten ist kürzlich noch eine neue hinzugefügt worden: Israel soll auch für seine Gesundheit zahlen. Wie kann der Geist da gesunden, bei solcher noch wahrhaft mittelalterlichen Hemmung! A.' Rußland. GeorgenburK, 27. April. Bei meiner Durchreise durch Litthauen fand ich mich in Wilna für alle meine Reisemühseligkeiten durch eine neue Erscheinung, die ich Ihrem interessanten, vielbeliebten „Orient" nicht verhehlen darf, entschä-

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