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Der Orient · 1841-06-05 · 23 (5.6.1841) · p. Spalte 339-340

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
23 (5.6.1841)
Article
Ateret salom we-emet: die Stimmen der ältesten, glaubwürdigsten Rabbinen über die Pijutim ...
Date
1841-06-05
Page
Spalte 339-340 (sequence 2)
Language
German
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339 Die Stimmen der Men über die Pijutim, von De. Amam mitgetheilt. - 349 sen. Hören wir daher vor allen-Dingen, was die ältesten angesehensten, glaubwürdigsten Rabbinen als gesetzmäßige Entscheidung darüber ausgesprochen. — II. An euch, ihr Nabtinen und Führer der Gemeinden', an euch, denen im Grunde hier nichts Neues gesagt, sondern nur das Alte und Wahre in Erinnerung gebracht wird; an euch, die ihr es ernst meint mit eurem Amte, und die ihr das heilige Palladium unsres ehemaligen Gottesdienstes erhalten, und vor dm daher brausenden Wogen der Zeit, welche die Grundfesten zu erschüttern drohen, retten wollet, an euch ergeht daher jetzt die dringende Aufforderung, kräftig allem Unsuge ein heiliger Stätte zu steuern, und eben deßhalb alle überflüssigen Zusätze von den vorgeschriebenen Gebeten zu entfernen. Die Zeit ist reif, die Spreu vom Korne zu sondern, dem Haltbaren durch Scheidung desselben vom Unhaltbaren einen höheren und bleibender» Werth zu vindiciren/„ Noch ist ein kleiner Rest übrig, der Gott vortrauend die Synagoge besucht, aber auch der wird, was Gott verhüte, schwinden, wenn ihr nicht Hand anlegt. Wie wenig auch vielleicht dieser Rest selbst sich dieses Bedürfnisses bewußt ist, er wird -auch dereinst dafür leben, denn eine Ahnung davon tragt er dunkel in seinem Innern. Wohl kann ich mir denken, daß es unter euch, ihr Rabbinen, manchen giebt, der trotz aller schlagenden Beweise, trotz der gebieterischen Notwendigkeit, einmal von der Ueberzeugung nicht lassen kann, >— die eine Eigentümlichkeit seiner geistigen Bildung in ihm befestigt hat, — daß er nichts, was einmal im Laufe der Zeiten, wenn auch mit Unrecht, bei den Gemeinden -eingeführt worden, abandern dürfe. Aber wer einer solchen Ueberzeugung lebt, der taugt nicht zum Rabbinen, der muß sich tu seinem Gewissen gedrungen fühlen, sein A^mt niederzulegen, da er doch täglich, stündlich, wo -er nur mit seinen Gememdegliedern m Berührung kommt, wenn nicht geradezu seiner Ueberzeugung entgegen handeln, 'doch wenigstens so Zu sagen durch -die Finger sehen muß. — Wohl geht Eintracht und Friede über Alles, und um ihrer willen dürfte es gewiß rathsam fein, sobald 'manWefahr lauft, sie zu verlieren, jede Abänderung, wie fehr sie auch das Recht für sich hat, fahren zu lassen. Aber, man ruft: „Frieden! Frieden! und ist doch kein Frieden.-" Nennet doch nicht die Grabesstille -eines Gottesackers Frieden, 'die scheinbare Ruhe, die dem vulkanischen , Ausbruche vorangeht, glückliche Stille, nennt nicht Eintracht, was offenbar Auslösung zur Folge hat. Innere und höhere Einheit ist am wenigsten da, 'wo kein Widerspruch ist, so wenig wie Leben dort wo keine Bewegung. Nur scheinbar wlder- '2) Wer den Baum beschneidet, zeigt, daß er den Werth des 'Stammes kennt. strebende Kräfte bedingen alles Schaffen, binden und vereinigen, wo es an ihnen mangelt, da'ist Moder und Werwesung. .. Das wissen die, welche es auf den Ruin ihres Glaubens absehen, recht gut, und darum lassen sie die Gemeinden gängeln, 'und schützen den Frieden vor, den sie erhalten wollen. Ich meine hier nicht die Rabbinen, welche hübsch ihre BesoldunL einziehen, und Alles übrigens drunter und drüber gehen lassen, sondern die außer derselben den Gemeinden vorstehend). Denn wo wirklich eine ganze- Gemeinde oder auch nur Zderselben, Junge und Alre, alles beim Alten gelassen haben wollen, da wäre es thöricht, energisch dagegen anzustreben. Aber so wenig cs jetzt in Deutschland eine solche Gemeinde -giebt, so müßt ihr Rabbinen überdies, um der Zukunft willen, — ja schon der Vielen, die Grenzen' einer erlaubten Reform überschreitenden, Beispiele wegen — durch das Wort, die euch anvertrauten Seelen für die notwendigen Abänderungen empfänglich machen 3 4). Doch ihr seid in Allem mit dem Obigen einverstanden, aber ihr fürchtet die Einzelnen, die sich gewaltig wider euch auflehneu werden, namentlich die Idioten, die links von rechts nicht zu unterscheiden wissen, die werden Alles aufdieten eure Schritte, euch selbst zu verdächtigen; ihr habet vielleicht einige auch sehr wohlwollende Freunde, eben weil ihr kein Stäubchen hinweg zu hauchen unternehmet, fein Alles im alten Geleise lasset, — die, die würden sich von euch abwenden; oder es ist euch daran gelegen, — und koste es, was cs wolle — euch einen orthodoxen Geruch zu verschaffen, — obgleich ihr keinen Bart tragt — (und dazu verhelfe ja mehr die Scheinotthodoxie als die echte). — Es ist euch also nicht um den wahren Frieden in der Gemeinde zu thun, sondern um euren Frieden. Eure Ruhe wollt ihr nicht gestört, euer zeitliches Einkommen nicht geschmälert sehen. Ihr habet euer Amt übernommen um der Annehmlichkeiten willen, die damit verbunden, was es euch aber anferlegt, sobald ein Kampf dazu erfordert wird, der euch eben von der wahren Thatigkeit in eurem Berufe überzeugen sollte, das sind ihr nicht gemittet zu thun, da ist es wohl vergebens langer 3) So weiß der Verfasser von einer Gemeinde, in der kaum fünf koschere Haushaltungen sind, und vielleicht außer dem Rabbi auch nicht ein Einziger sich an den Religionsgesetzm hält, und außer zur jeweiligen Predigt kaum jvjß am ro&y in der Synagoge ist, daß man allda, um des Friedens willen, sich keine Aenderung erlauben wollte. — Von einem bedeutenderen Orte weiß der 'Vers., daß der aus deistischcn wir wollen nicht sagen aus einigen atheistischen — Mitgliedern zusammengesetzte Vorstand jeder Umgestaltung im Wege ist, weil er hofft, daß der Gottesdienst in der gegenwärtigen Gestalt sich wohl eben allmahlig auflösen werde. 4) Ich kann nämlich unmöglich glauben, daß Jemand von euch dem Satze bciftimmt, den jüngst ein Redner drucken ließ: „vielleicht-ein Spaß machen^. Meine Feder wider- 'strebt die Blasphemie vollständig nachzuschreiben.

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