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Der Orient · 1841-05-29 · 22 (29.5.1841) · p. Spalte 327-328

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
22 (29.5.1841)
Article
Leben und Wirken Wessely's ... [Rezension]
Date
1841-05-29
Page
Spalte 327-328 (sequence 2)
Language
German
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327 Bibliothek für Andacht u. Erbauung v. Frankel u. Kleefeld. Zeitstimmen v. Ernst. 328 zwei Männer vom klarsten Geiste, von den edelsten Gesinnungen, und entschiedensten Fähigkeiten. Er beschäftigt sich jedoch nur mit Wessely, wohl einsehend, daß der erstere nicht allem durch seine unsterblichen Schriften im Andenken der Nachwelt sich den gebührenden Platz selbst verschaffte, sondern auch durch die Weisesten seiner Zeit mit dem ewig grünen Locbeerkranze des Verdienstes gekrönt wurde. Mit begeistertem Gemüthe und warmem Herzen führt er seine Aufgabe durch, deren Lösung ihm mehr ein Opfer der Liebe und Verehrung gewesen zu sein scheint, als ein Beitrag zur Literatur, zur Sittengeschichte früherer Jahre im Judenthume; und da es uns nicht zusteht zu untersuchen, ob eine fast überschwengliche Darstellung aus der Ruhe hervorgehen konnte, welche das erste Erforderniß zu einem unparteiischen Berichte ist, so wollen wir wenigstens Männer darauf verweisen, die durch die Kenntniß der hebräischen Literatur einen befferen Maaßstab in Händen haben werden als wir, um die Einflüsse Wesselys auf jene zu bestimmen. Wenn Hr. M. seinem Bilde nicht zu glühende Farben verlieh, wenn keine Täuschungen obwalten, — für welche Vermuthung wir eben noch keinen Grund haben, — so war Wessely ein Mensch, geschmückt mit allen Tugenden, mit jeder Größe und Erhabenheit, die je einen Juden zierten. Nicht so angenehm, wie der Geist des Buches selbst, hat uns die Form angesprochen; das gar zu blumenreiche unendlich hyperbolische Gewand, in das der Werft denselben kleidet. So wohlthuend und wirksam die Steigerung der. Rede ist, eben so sehr kann sie durch Uebertreibung verlieren und das Ohr durch Ueberreiz abgestumpft werden. Wir schreiben übrigens die Entstehung dieses Fehlers am meisten dem Umstande zu, «daß Herr M., wie der Titel besagt, Candidat des Predigtamtes ist, und nicht berücksichtigte, daß die rhetorische Diktion der Kanzel so verschieden von der Sprache eines Buches sei, wie der Schall des lebendigen Wortes von der Lautlosigkeit des tobten Buchstaben, und wir sind überzeugt, daß ein zweiter schriftstellerischer Versuch unsere freundlich gemeinten Rüge in bester Weise beachten wird. Die äußere Ausstattung ist nett und sauber. r. * 19) oder Stützen des Iudenthums. Bücher zur Andacht und Erbauung, so wie zur Ceremonial-, Ritual- und Geschichtskunde der Israeliten, für die edlen Frauen und die Jugend beiderlei Geschlechts. In drei Abtheilungen herausgegeben v. Moritz Fränkel und Dr. G. Kleefeld. Erste Abtheilung: Frauen Machsor. Erster Theil: Gebete für das Neujahr- und Bersöhnungsfest. Berlin, 1841. Liebmann u. Comp. Das vorliegende Buch, das nach dem ersten Titel den Cyclus zu einer Bibliothek der Erbauung für das weibliche Geschlecht eröffnet, dürfen wir gewiß als ein zeitgemäßes und zweckmäßiges begrüßen. Wenn in :] unseren Tagen so viel darüber gestritten wird, ob und und wie dem weiblichen Geschlechte die Theilnahme an 'i\ dem Gottesdienste und wie überhaupt ihre religiöse Bildüng zu befördern sei, so muß uns das vorliegende Werk j';: sehr willkommen fein, das auf praktischem Wege die - Frage zu lösen sucht. Daß zu dem Zwecke die Herren Verfasser die Bibliothek mit dem Machsor beginnen, können wir nur billigen, da die würdige Feier der Festtage und die Erbauung an demselben einen wesentlichen Theil der religiösen Biidung ausmachen. Allerdings sind in neuester Zeit sehr schätzbare Übersetzungen des Machsors erschienen, und sie müssen jedenfalls auch den Frauen es erleichtern, Antheil an dem Gottesdienste zu nehmen; allein sie sind in der Regel zu thmer, um auch bei den Aermern sich Eingang zu verschaffen, die dann noch immer aus ihre alten Quartanten und Folianten mit sinnentstellender jüdisch-deutscher Uebersetzung hingewieftn sind, die jede Andacht stören muß, wenn man etwa bei ihr das Verstandniß des Textes nachsucht. Unser vorliegendes Buch aber befolgt einen andern Plan, der wesentlich zum Fortschritte sowohl als auch zur Wohlfeilheit desselben beiträgt*). Es giebt nämlich die wichtigsten Pijutim in der Grundsprache, die minder wichtigen sind blos in deutscher Uebersetzung. — Diese bat uns im Ganzen recht befriedigt, sie ist, obgleich oft abgeschneben, treu, so weit es sich mit dem Genius der [ deutschen Sprache vertragt, gewandt und leicht verständlich, was auch noch durch einige Anmerkungen erleichtert wird. Um jeden Scrupel bei der Benutzung dieses Machsors hinwegzuräumen, enthalt das Vorwort eine Approbation? der Rabbinats-Berwaltung zu Berlin, das mit den Worten schließt „Von der Zulässigkeit und Nützlichkeit dieses | Unternehmens überzeugt, nehmen wir Veranlassung, dasselbe für Frauen, denen die jüdisch deutsche. Lesart fremd ist, aufs Beste zu empfehlen". Die Ausstattung und der Druck sind sehr schon, und machen der Verj lagshandlung Ehre. X. jj 20) Zeilstimmen der Dreiuireinigkeit an die Zionswächter im I Iudenth. v M. I. Ernst, nebst einem Anhänge: Die j Zerstörung des ersten Tempels, ein Oratorium in drei Abteilungen von Dr. Gustav Philippsou. Leipzig 1841, bei H.innch Franke. Es ist um so erfreulicher, daß man einmal wieder einen wackeren jungen Kampfer für das Judenthum auftreten sieht, um so mehr, als dieser Kampfer., eine andere Richtung und zwar eine auf Wahrheit begründete eingeschlagm. Man weiß, mit welcher Kraft ein Dr. Rießer u. a. das Judenthum gegen das immer stumpfere Schwerdt ihrer Gegner verfochten, und wie ihre Stimme *) Es kostet nur 1* Thaler.

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