Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1841)
- Article
- Wilna: Slonimski's Rechnenmaschine ...
- Date
- 1841-05-29
- Page
- Seite 172 (sequence 2)
- Language
- German
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172 als der gmzen Gesellschaft nützlich sind. Indem sie dem Beispiels aller civilistrten Völker folgen, haben die Israeliten einige öffentliche Schulen in Lithauen, Curland und Liefland angelegt. Die Zahl derjenigen, denen ihre wissenschaftlichen Arbeiten bereits Früchte getragen haben,! ist nicht geringe, und leisten bereits Dienste, die ihnen Ehre und dem Lande Nutzen bringen, sowohl als Aerzte, Apotheker, Veterinaire wie auch andere mehr. Diese alle haben sich selber veredelt und haben ihre Nach- : kommen aus dem beweinenswerthen Zustande gerissen, in j welchem ihre Vorfahren sich befanden. Einer Erwahj nung verdient hier der Herr Slonimski aus Bi alpst ock, der Erfinder einer Rechen-Machine, welche 10 Zoll lang, 3 Zoll breit und 1 Zoll hoch ist, die im Betreff! des Umfanges, der Bequemlichkeit und der Wohlfeilheit! wegen, allgemein verbreitet zu werden verdient. — Ein; jeder, der nur die Zahlen kennt, kann mit Hilfe dieser Maschine, sehr leicht schnell, und ohne nachzudenken alles berechnen, man kann sie sehen und ankaufen bei dem Erfinder. Hr. Slonimski hat sich nicht nur durch die Erfindung dieser Maschine ausgezeichnet, sondern hat auch viele Werke in der hebräischen Sprache geschrieben, deren die deutschen Zeitungen rühmlich st erwähnen. Außer dem arbeitet er auch an der Verfertigung einer zweiten von ihm erfundenen Logaritmen-Maschine, mit. deren Hilft man alle logaritmischen Aufgaben sehr leicht wird losen können. Israeliten! Landsleute! Nehmt ein Beispiel von diesen achtbaren Männern eurer Glaubensgenossen! Hört auf Fremdlinge zu sein, erwachet aus euerem lethargischen Schlaft, huldiget der Arbeit und den Wissenschaften, und es wird so manches Talent entdeckt werden, das Euch Ruhm und demjenigen Lande Nutzen bringen wird, das Euch wie den verlorenen Sohn in die Zahl jener Bürger aufnehmen und Euch reichlich Eure Verdienste durch Ehrenbezeigungen, Begnadigungen und Würden lohnen wird, was wir euch von Herzen wünschen. Petersburg, 16. Sept. 1840. Alexander. Ich frage nun, nach welchen Principien Hr. Dr. B e rk so h n,.der sie nicht gesehen, diese Maschine verachten mag, gegen Männer, die sie gesehen? 2) Herr Stern selbst ist weit entfernt diese Maschine als seine eignene Erfindung anzusehen; denn als Hr. Slonimski Febr. 1840 in Warschau war kauft^r. Stern für 150 Rubel diese Maschine, bevor noch irgend einer in Warschau sie gesehen , und ich kann mir nicht denken, daß Hr. St. eine Nebenabsicht bei dem Kauft gehabt haben solle. Ich wünsche, daß Hr. Dr. Berksohn nun sein Urtheil beweise. — Hr. Slonimski beabsichtigt, den nächsten Sommer nach Deutschland zu kommen, um sein hebräisches Werk ND' über die gesammte Mathematik herauszu- , geben; es wäre zu wünschen, daß er dort die nöthige Unterstützung fände. — Ungarn. Niedev-Ungttrn, 20. Mai. Die große Aufgabe einer Reformation unserer Lithurgie und Synagogaldienste, welche unbeschadet der rein orthodoxen Lehre des Judenthumes und seiner Religionsprinzipien den dringenden Forderungen des Jahrhunderts entsprechen sollten, bleibt noch immer der gordische Knoten unserer Zeit, der seinen Alexander erwartet. Nur muß dieser nicht zerhauen, sondern sachte und behutsam aufgelöst werden; weil jeder schnelle Uebergang uns leicht die Charybde fürchten machen würde, wenn wir die Scylla zu meiden glauben. Denn es Läßt sich zwar nicht laugnen, daß seitdem jener unselige Zauber, durch welchen Mahnend Asterglauben die Bestrebungen der Juden Jahrhunderte lang gefesselt hielt, werschwunden , ' und die mittelalterliche graue Finsterniß mit ihren Truggestaiten der Hellen reinen .Smne der Aufklärung, welche beleuchtend und wärmend am jüdischen Horizonte aufgegangen ist, gewichen ist: daß seit dieser Zeit sage ich, Bildung, Humanität und Toleranz die schönen Lichtpunkte der Glaubensgenossenschaft genannt zu werden verdienen. Aber ebenso wenig kann man in Abrede stellen, daß dieser Zeitgeist, von einigen misverstanden, bei denselben Jndifferentismus oder Neuerungssucht und ein unwürdiges Bestreben alles Alte niederzureißen so sehr hervorgebracht habe, daß diese Schattenseite nicht nur für solche und die Sittlichkeit beeinträchtigend -halten, sondern vielmehr einen Werth darin setzen, lästige Bürden, so die gesunde Vernunft (wie sie meinen)'nicht billigt, abgeworfen zu haben. Größtentheils ist dieses in jenen, der großen Sonne der Bildung entfernt gelegenen Plätzen der Fall, zu denen nur noch einige, mattdämmernde Strahlen des großen Lichtes geLangt sind, und die gleichwohl das Bedürsniß des Neologism lebhaft fühlen, dennoch bei aber jenem Zwitterlichte die reine Ansicht nicht gewinnen können. Besonders haust dieser gröbliche Jrrthum in einigen Gemeinden Niederungarns, die es ahnen, daß ein anderer Geist und eine andere Zeit im Judenthume obwalte und das eifrige Bestreben haben, hinter^ ihren deutschen Brüdern nicht zurückzubleiben z aber die eigentliche Tendenz des Jahrhunderts nicht erkennend, reißen sie sich aus den Krallen des Aberglaubens, um in die Klaue der Irreligiosität zu eilen; so daß wahrend die Schatten des Fanatismus und der Bigoterie gekannt/ und die unedle Aussaat des Wahnes und des Zelotismus cmsgemerzt werden, die Ungläubigkeit und der Jndifferentismus auf der andern Seite wuchern und schmaroziren. Und dennoch glauben sie, von einer falschen Halbbildung irre geleitet, sich den gebildeten Gtaubensgenoffen gleichstellen zu können, wenn sie es dem Hasen in'der Fabel gleich thun, der sich für