Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Article
- Schweidnitz: Zustand der dortigen Gemeinde
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 159 (sequence 2)
- Language
- German
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159 nicht im regellosen Gesänge auf und leihen gern den Reden des Hrn. Fernbach ihr Ohr, die dieser bei festlichen Angelegenheiten halt. Freilich ist jeder Fortschritt mit wüthendem Kampf der Partheien verbunden, und Zwietracht stört oft genug das cmgesangene gute Werk. Es ist dies aber überhaupt ein Tadel, der die Schweidnitzer Gemeinde treffen muß, nie im Herzen geeint zu fein und nichts, fei es, was es wolle, mit einstimmigen Beifall zu unternehmen. So hat die neue Tracht des Vorsängers, noch immer ihre Gegner,, und oft genug erhebt sich eine Stimme wieder für den alten Gottesspekrakel. Möchte doch die ehrenwecthe Gemeinde glauben, daß ohne Einheit kein Beginnen Früchte trage und daß im Verhalmiß zu ihrem Gott Keiner vor dem Andern stehe. Möchte sie wie sie durch bürgerliche Tugend die Achtung ihrer christlichen Mitbürger erwirbt, im Smrme des Zeitgeistes auch im Religiösen nicht Zurückbleiben und gern dem Neuen, Vernünftigen folgen. Das Gymnasium besucht eine verhältnißmäßig große Anzahl von Knaben mit gutem Erfolg und es kann hierbei die Toleranz des Rectors Hrn. Dr. Held's nicht rühmend genug erwähnt werden. Böhmen. Pvckg, 24. April. Einweihung des Vereins -pED ‘pjrb rariNi am 18. April 1841, Abends 5 Uhr, als am Vorabende des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand 1. im neuen isc. Bethause zu Prag. In den großen geistigen Bewegungen, in wel- - chen die gahrenden Massen der Reformsideen so sehr das Herz der Allgemeinheit in Anspruch genommen, so daß die einzelnen Richtungen Gefahr laufen, vernachlässigt zu werden, ist es ein erfreuliches und wohlthuendes Zeichen der Zeit, wenn die Zugend jene ernsten Verfechtungen auf dem Gebiete des Judenthums dem überlegenden Alter überlaßt, und sich mehr auf die einzelnen noch -brach liegenden Felder wirft, sie mit kräftiger That urbar zu machen, und je größer die Gemeinde, desto wichtiger treten die Mahnungen' hierzu hervor. Unsere Vater hatten ihr festes und starres System, sie kümmerten sich wenig um die fortlaufenden Entwickelungen, die eingesogenen und fast zur Gewohnheit gewordenen Prinzipien waren ihnen positiv einverleibt; da konnten sie demnach mehr den Bedürfnissen des Praktischen nachhängen, und wir bewundern und genießen daher heut zu Tage die Früchte der enormen wohlthätigen Sciftungen unserer Ahnen. —- Es ist also die Ausgabe der heranstrebenden Jugend, auf die einzelnen Richtungen in der Gemeinde vorzüglich ihr Augenmerk zu richten und von. dem lebendigen Geiste des göttlichen Wortes durchdrungen die lebendige Thatkraft des jugendlichen Feuers zu bewahren. So wie-die Blume in der Knospe ruht, so muß der frische Geist der That in dem Jünglingsherzen, emporkeimen zum Besten der Mitmenschen. In diesem Sinne ist ein Verein ins Leben getreten, dessen Inhalt als ein kräftiger Lebcnshcmch aus der Jünglingsbrust sich bewährt. Auftretend mir dem schönsten Adelspiplome — mit der allgewaltigen Menschenliebe, mit der schönsten Krone, bahnte er sich einen Weg in das Herz eines jeden Fühlenden. — Seine Devise lautet „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Menschenliebe, Menschengröße, Menschenwürde und Menschenadel smd in diesen Worten ausgesprochen.' Das Wohl des Einzelnen, das Wohl der Gesnmmtheit ist die Tendenz desselben. Möchte dieser edele hohe Jünglingsgedanke emporkeimen' zur religiösen Blüthe und Blume; möchten ihre Kelche sich ausbreiten zur edelen Nacheiferung. Es giebt keine Anstalt, die einen edleren Namen führen könnte, es giebt kein Unternehmen, dessen Zweck größer wäre, als die Liebe zu unserem Mitbruder. — Diese dem Herren geweihete Anstalt feierte heute die erste Stunde im isr. Bethaufe allhier, welche noch mit einem anderen Feste verbunden wurde, mit der Eingangsfeier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand 1. Der Tempel war hell erleuchtet und die angeordneten Gebete vom Vorsänger daselbst mit Choral- Begleitung würdig vorgetragen, gaben der Doppelfeier etwas wahrhaft Erbauendes. Sodann bestieg Dr. Sachs die Kanzel und hielt eine kurze Rede, die recht tief gefühlt ward. Sein Text warnatürlich piDS -pjrfr fOHNl, Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß er über die Mißbrauche und leeren Förmlichkeiten, die gewöhnlich bei Instituten die schönste Idee untergraben, sprach.— Die Feier endete mit einem kräftigen von dem Prediger gesprochenem Gebete für den Kaiser und dessen erlauchtes Haus. — Indem wir nun auf diese Weise diesen neuen in's Leben getretenen Verein veröffentlichen, ist es auch unsere Pflicht, d.enen unfern Dank abzustatten, aus deren Herzen die Idee zuerst emporkeimte. Wir nennen daher zuerst die Herren Ignatz Schütz,, und Jacob Schütz Cand. Med. Ihnen schlossen sich die Herren Moritz Neustad tel, Ignatz Gerstel und Simon Gerstel an, die wesentlich zur Gründung des Vereins beitrugen. Nach diesen zeichnete sich durch seine Thatigkeit für die gute Sache unser erster Vorsteher allhier Herr M. I. Landau aus, der keine Gelegenheit verabsäumt, wo es gilt kräftig für das Judenthum aufzutreten, und so steht er auch diesem Vereine als Proteclor vor. Demselben würdig zur Seite stehet der Hr. I. Basch, Cassirer des Vereins. Noch vorzüglich hervorgehoben zu werden verdienen die Herren L. Zappert, M. Metze-! e s und I. P e r e l e s, die durch ihren unermüdlichen Eifer dem Vereine eine Subjektivität verschafften. Der neue Vorstand aus jungen Männern bestehend, den Herrn Med. Dr.Karpeles und David Zappert u. si w. hat das junge Institut nach der Würde seines Namens