Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1841)
- Article
- Posen: Replik gegen den Correspondenten Kz.
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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-M58 — von selbst, wes Geistes Kind ec ist) ec prostituirt mehr den Abfasser, als daß er der Würde des Rabbiners Abbruch ihut. Eitelkeit und Dünkel treten in jeder Zelle dem Leser entgegen, und zeigen, was wir von der 'Wahrheit des Inhalts zu halten haben. Diesem würdigen Organe aber glauben wir es schuldig zu sein, eine öffentliche Erklärung über unsere Verhältnisse zu geben '- es hieße sonst die öffentliche Stimme nicht beachten -'darum diese wenigen Worte. Wir wollen aber keine Chronik früherer Thatsachen geben, auch nicht das Privatleben angreifen; wir kennen keine Person, sondern berichten die Lage der Sache, um dadurch das Zerwücfniß, das aber nur in dem Kopf des grundgelehrten Cocrespondenten „Kz" besteht, zu bezeichnen, und stellen es dann dem Urtheile des Lesers anheim. — Ein Mann, mit Namen Wiener, kam zu uns; wir kannten nicht den Mann; auch die Welt wußte nichts von seinem Dasein, wenn er nicht durch seine Dattromyomachie berühmt geworden. Ob ihm Einige Privatim kannten und wohl wollten, kann hier in einer so großen Gemeinde nicht in Anschlag gebracht werden. Ec hatte zwar ein Attest bei sich, das man sonst nur Bachurim gibt, die sich gut aufgeführt, und dies dürfte ihn allerdings in etwas empfehlen; allein man weiß allgemein, wie leicht die Rabbiner bei Ausfertigung von dergleichen Zeugnissen zu Werke gehen. Verhältnisse und Hoffnungen führen oft die Feder; und wer kennt die frühern Verbindungen eines Mannes?— Genug, uns war Herr Wiener nicht mehr als jeder andere junge Mann; denn über seine wissenschaftliche Bildung hat bis jetzt alles geschwiegen. Er kam hieher, um, nach den Worten des Hcn. „Kz", Rabbiner zu werden; und dochist schon, einer hier vorhanden. Würde dieser Fall einem Pastor oder Probst zugekommen sein, man würde dem Aspiranten, gewiß einen andern Platz angewiesen haben.— Bei den Juden ist es anders; darum leider, well der Staat sich nicht um unsere V.rhaltn.sse kümmert. Einige Verwalter oder Repräsentanten fühlen sich geschmeichelt, daß ein Mann, ein Hr. Doctor, sie mir seinem Besuche beehrt, und unterstützen das Gesuch. Was sollte der Rabbiner in dieser Lage thun? Ec sprach mit Wiener, und setzte ihm das Verhattniß auseinander; er zeigte ihm,, daß er nach dieser Art, von jedem Uebelwollenden molcstirt werden könnte; doch da half nichts. Hr. Wie- . nec meint: er sei ein Posener, vermuthlich in einer Wahlverwandtschaft, abglelch er in M. Coslin geboren sei, und muß hier als Predigtamtscandidat leben. Warum aber nicht in Breslau nicht in Berlin? Die Antwort ist nicht schwer! Weil hierein „polnisch-russischer Rabbiner" ist. Aber der Mann ist ja in Preußen geboren und erzogen. Und ist das so billig, einen Mann, der in Amt und Würden steht, aus seiner Stellung zu . verdrängen? Was würde man sagen,, wenn ein „polnischrussischer Rabbi" in seiner Welt sich Anhang verschaffe, und dadurch dem Wirkungskreise eines gebildeten Rabbiners entgegentrete? — Würde nicht auch dieser ihn zw verdrängen suchen? Und müssen wir nicht die Überzeugung eines jeden Mannes ehren? Und dürfen wir auf rechtlichem Wege Jemanden seinen Besitz gewaltsam rauben? Doch Herr W. ist ein Redicaler, und will das Alte auf alle Weise, ob gerecht und ungerecht gleichviel, über den Haufen werfen. Nun da muß man sich auf Opposition gefaßt machen, und bieder und offen kämpfen, aber nicht heimtückisch verlaumden lassen, und Privatäußemngen niederschreiben und der Oeffentlichkeit. übergeben. — Wer übrigens unsere Verhältnisse kennt, weiß, daß unser würdiger Rabbiner ein höchst toleranter Mann ist, wie er dies durch sein Benehmen bewies, und das er gerade für eine Gemeinde, wie Posen ist, sich eignet. Ein Mann mit halber Bildung und Inhaber einiger mit sonorer Stimme vorgetragenen wissenschaftlichen Phasen würde hier nur einen traurigen Wirkungskreis finden: kaum der dreißigste Theil versteht deutsch. Geschmack an einer deutschen Rede und dabei religiösen Sinn haben nur äußerst Wenige; dagegen gibt es der rituellen Fragen eine Fülle. Uebrigens dürfte Herr W. sich nur unpartheiisch über den Eindruck, den er als Redner gemacht, erkundigen, er würde den Correspondenten von jeder Mittheilung abhalten. Doch wozu noch der Rede; ein öffentliches Zerwücfniß findet noch hier nicht statt. Ein paar Cocrespondenten, die deutsch zu schreiben verstehen, bilden noch keine Parthei. I. S. - Schweidnitz, im April. Lächerlich sind der Menschen Rathschläge, eitel der Sterblichen Beginnen! In dem Orte, über den ich Ihnen jetzt schreibe, in dem des Mittelalters Fanatism sein blutigstes Panier entfaltete und der Name des Juden ein Losungswort zu Schmach und Marter war, hier wogt und lebt wieder ein munteres Völkchen unseres Glaubens, wohlhabend und geachtet, lebendig und heiter und nicht ohne. Sinn für das neu Erweckende im.Geiste des jüdischen Interesses. Der Familien, die im letzten Jahrhundert nach und nach sich hier angesiedelt haben, mögen 1? — 20 sein; keine ist so arm, daß sie durch die Andern leben müßte, keine auf so niederer Stufe, daß sie nicht wenigstens mechanisch den Schritten der Verbesserung folgen könnten. Sie haben einen Betsaal, den sie im vergangenen Jahre sehr verschönert haben, eine Elementarschule, deren Lehrer zugleich der Schächter des Ortes und Vorsänger, im. Gebere ist. Ihr Cultus ist etwas frei; von Orthodoxen kann nur da unter ihnen die Rede-sein, wo es gilt einen hergebrachten Mißbrauch zu vertheidigen; sie neuern gern in Ritus und Zeremonie und es ist offenbar wahr, daß wenigstens die äußere Andacht weit weniger tadelnswecch ist als im der Synagoge größerer Gemeinden, wo der Lärm der Plaudertaschen oft den Vorsänger übertönr. Sie stehen ruhig an den angewiesen Plätzen, schreien