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Der Orient · 1841-05-15 · Heft 20 (15.5.1841) · p. Seite 156

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 20 (15.5.1841)
Article
Berlin: Schluß des Berichts üb. die Schule des Dr. Stern
Date
1841-05-15
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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156 glauben,. Hr. Dr., S. habe es mit seiner Abhandlung seiner Rede und ihren Entschuldigungen auf lauter — Ueberrasch ungen abgesehen. Der nun vorgeführte uns am speciellsten interessirende Gegenstand blieb hinter keinen der andern zurück. Der Lehrer in diesem Fache, (zugleich Aufseher der Pensionäre) Hr. M. Lewy, hier studirender Rabbinats kandida t aus Altona^), versteht es, die auf dem Felde der neuesten wissenschastlichen Exegese und Kritik einseitig herrschende Analyse, mit der in unfern Chadacim traditionellen Synthese in einer ersprießlichen Methode zu vereinen, so daß die Schüler sowol ihren Text zu übersetzen etymologisch und syntaktisch zu zerlegen, als auch Worte und Satze ins Hebräische zu übertragen und mit deutlicher Quadratschrist an die Tafel zu schreiben vermögen. In der biblischen Geschichte ward uns in der freilich karg zugemefsenen Zeit eine genügende Kenntniß des gesammten Umfangs derselben und einzelne Perioden insbesondere bei den Schülern der obern Klassen nachgewiesen. 'Es that uns sehr leid, daß in diesem Kursus nichts von der nach biblischen Geschichte der Juden vorgetragen worden. Der Vorsteher versicherte, daß dieses abwechselnd statt finde. — Wir nehmen hier Gelegenheit auf. den Mangel eines für a lle Klassen ausreichenden Lehrbuchs aufmerksam zu machen.. Wir glauben nicht zu übertreiben, wenn wir behaupten, daß nicht wenige israelitische Jünglinge und Jungfrauen über das heutige Judenthum ein schiefes Urtheil haben, und am Ende dem-' selben entfremdet werden, weil sie nie lernen, wie es aus dem alten geworden, und darum eben dasselbe sei. Dies müßte eine nachbiblische Geschichte der Juden und noch mehr des Judenthums lehren. Dagegen haben wir eine Masse von jüdischen Geschichtsbüchern, die jenen Theil gar nicht oder nur als Anhang enthalten. Am geratensten wäre es, diesen Theil eben ganz besonders zur Aufgabe einer Schrift zu machen. — Das besprochene Examen erfreute sich eines nicht zu zahlreichen Besuches, wie es die berührte Beschaffenheit unsrer Hauptstadt mit sich bringt, und obwohl wir manche Honorationen der,Gemeinde unter Andern den Rabbinaesassessor, dessen Sohn freilich die Schule besucht, ja sogar Personen andern Glaubens unter den Gasten bemerkten, so vermißten wir doch manchen Jüngern und Aeltern, dem, seiner künftigen oder gegenwärtigen Stellung nach solche Vorgänge nicht gleichgiltig und unberührt lassen sollten. Ich komme aber hier unvermerkt wieder aus das alte Lied, mit welchem ich meinen Bericht begonnenaber hierdurch auch auf den Wunsch, daß der Vorsteher dieser uns werch gewordenen Anstalt (mit der eine Pension verbunden ist), sich einer stets steigenden Theilnahme 3) Derselbe, dessen exegetische Arbeit so eben unser Literaturblatt enthält. Red. des hiesigen und auswärtigen Pubikums so lange erfreuen möge, bis der am Schluß seiner Abhandlung dem hiesigen Gemeindevorstande ans Her; gelegte, von jedem wahren Freunde des Judenthums getheilte Aufruf zur Eentralisation des Unterrichts wese ns die erwünschte Beachtung und Realisation erlangt, welche etwaige Umgestaltung der Verhältnisse gewiß auch Hr. Dr. Stern nicht nachtheilig berühren wird. 1. Leipzig, 25. April. Die Leipziger A. Z. bringt unter heutigem Datum folgenden Artikel, überschrieben: Die Gothaer Bank und ihre Mitglieder mosaische n Glaubens. Er lautet: Indem man nachstehend letzte, bisher nur in berliner Blättern geführten zahlreichen Verhandlungen über den obigen Gegenstand eine weitere Verbreitung gibt, findet man nöthig, einige Worte zur Erläuterung vorauzuschicken. Im Januar d. I. beklagte sich ein Anonymus in der Voßischen Zeitung, daß die Gothaer Bank einem allgemein geachteten Manne deshalb die Aufnahme verweigerte, weil er ein Jude sei, und Leute solches Glaubens nur in Orten ausgenommen würden, wo sich Agenturen befänden. Die Gothaer ,Bank ließ daraus erklären, daß sie Niemanden der Religion halber ausschließe, daß ihr jener'Vorfall ganz unbekannt sei, die Art, wie die gedachte Zurückweisung geschehen sein solle, aber im höchsten Grade von ihr gemisbilligt werde. Die letzte Folge davon war, daß der Färber W. nicht allein den Namen des Agenten nannte, sondern auch beweisen zu können versicherte, daß die Gothaer Bank dem Letztem die Police übersendet, und dabei wörtlich bemerkt habe: „Sollte der Herr N« N. ein Jude sein, so schicken Sie uns sofort die Police zurück." Die Bank schwieg nun, wahrscheinlich in der Hoffnung, daß die Sache bald vergessen werden würde, jedoch ließ sie melden, die Dividende des letzten Jahres betrage 63 Procent. Dje erwähnten Klagen gegen die Gothaer- Bank waren mit großer Heftigkeit geführt worden. Mitten hinein stellte sich ein Dritter, der einen andern Anlaß zur Klage.nahm, über den obigen aber Folgendes bemerkte: „Vor einigen Tagen wurde t diesen Blättern erzählt rc. (folgt das Factum). Man sprach Befremden darüber aus, indessen nach der Verfassung der Gothaer Bank, §, 16, ist sie nicht verpflichtet, den Grund einer Zurückweisung anzugeben. Daraus folgt, daß sie auch über den Werth irgend eines angegebenen Grundes Niemandem Rechenschaft schuldig ist, -ausgenommen den Mitgliedern der' Bank selbst. Sache der Freunde des Abgewieftnm, welche zugleich Mitglieder der Bank sind, dürfte es also sein, zu seinen Gunsten, oder zur Erörterung eines ihnen anstößigen Princips emzuwicken." Die Ruhe dieses guten Raths machte ihn den Klagenden verdächtig. Sie erblickten in dem andern, gleichzeitig vorgebrachten Gegenstand einen alcibiadischen Hundeschweif, nur geeignet, die Aufmerksamkeit von ihrer Anklage ab-

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