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Der Orient · 1841-05-08 · Heft 19 (8.5.1841) · p. Seite 150

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 19 (8.5.1841)
Article
Breslau: Freimüthigkeit des Oberrabbiners ...
Date
1841-05-08
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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- 150 Verwaltung die ungewöhnlichste Teilnahme in Anspruch nehmen. Ich spreche von dem nun schon sieben Jahre bestehenden „Institut für israel. Handlungsdiener" und dem noch im Werden begriffenen „Verein zur Heranbildung jüdischer Handwerker". Das erstere, welches seine segensreichen Wirkungen schon über gar viele, jeder praktisch - wissenschaftlichen und hohem merkantilischen Bildung ermangelnde Individuen verbreitet hat, erfreut sich des vortrefflichsten Gedeihens, in geistiger wie materieller Hinsicht, und tritt mit jedem Semester kräftiger und erfolgreicher auf. Nicht minder günstig stellt man das Prognostiken dem letzteren, durch dessen endliche Sanktionirung — wie ich höre — den vielfachen Bemühungen der edlen, uneigennützigen Gründer und Beförderer der Armen-Wohlfahrt, der erste ermuthigende Lohn geboten werden wird. Trüge doch ein jeder nach besten Kräften sein Scherflem bei, zur Veredlung des Geistes und der Gesinnungen in Israel — wir würden bald den sehnlichst erwarteten Messias im Vollgenuß jedes moralischen, wie staatlichen und sociellen Rechtes begrüßen. I. Fr. Schwerin in M eklenburg, 16.April. Am 4. April hielt der Herr Candidat Frankel ein öffentliches Examen ab zu solcher Zufriedenheit aller Anwesenden, daß ihm ein Hilfslehrer zur Seite gegeben und die Schule durch einen höhern Unterricht erweitert wurde. Bei diesem Examen sangen die Knaben zuerst im Ch§>c, welcher, auf Veranlassung unsres Landrabbiners veranstaltet, jetzt stets in der Synagoge vor und nach der Predigt, die meist der Hr. Dr. Holdheim rmd nur zuweilen der Hr. Candidat Frankel halt, recht erbaulich wirkt. — Das rege Leben in unserer Stadt oder vielmehr die Thatigkeit unfers Herrn Dr. 5?., hat auch in Güstrow die jüdischen Bewohner aus ihrem Winterschlaf gerüttelt, und sie sind erwacht mit dem Gedanken einen Prediger und Lehrer in ihre Mitte aufzrmchmen. Dr. Löwe aus Strelitz, welcher an Sonnabend vor dem Pesachfeste daselbst predigte und einstimmig gewählt ward, tritt mit dem künftigen Monat m sein Amt. Wenn man Hoffnungen Raum geben darf, so werden zwei Gemeinden nächstens dem Beispiele D§r Metropolis folgen und Prediger anstellen. — Licht- und Schattenbilder aus der jüd js cs) e n O§schichte der Gegenwart. Die Emancipationsfrage in dem Herzogthume Sachsen-Meiningen. (Schluß.) , Es ist zwar nicht zu leugnen, daß es auch unter den Juden Ungebildete und von Vorurtheilen Befangene gibt, so wie auch Solche, deren Character nicht der beste ist. Aber besitzen denn alle Christen einen gleichen Grad von Bildung und Vorurtheilslosigkeü? Stehen alle auf einer und derselben Stufe der Moralität? Gewiß .eben so wenig, als die Juden! Will man die Ercheilung der Menschen - und Bürgerrechte an eine Unterthamuklasse von dem Grade der Reife abhängig machen, so müßte die Gesetzgebung für jede Klasse von Unterthanen, für Bauern, Handwerker, Taglöhner, Kaufleute, Künstler und Gelehrte, die doch gewiß auf ganz verschiedenen Stufen der Reife und Cuttur stehen, eine andere sein, ja jeder Unterthan müßte von Zeit zu Zeit eine Reife - und Cultur - Prüfung zu bestehen haben, damit man darnach die Fortdauer, Verminderung oder Vermehrung seiner staatsbürgerlichen Berechtigung bestimmen könne. Und doch sind alle genannte Klassen nur Einem Gesetze unterworfen, nur für den Juden bestehe eine AusnahrnZ - Gesetzgebung. Wollten wir auch zugeben, daß die Juden, was jedoch keineswegs mehr der Fall ist, sich auf einer weit m'edrigern Stufe der Cultur befinden, als ihre christlichen Mirbrrüder, so wäre doch nur die seit anderthalb Jahrtausenden erlittene Verfolgung, die Ausschließung vom Staat an dieser Entartung schuld. Jede unterdrückte Nation oder Menschen kla ffe sinkt, wie selbst das unter der türkischen Gewaltherrschaft ziZ gemeinen Seeräubern herabgesunkene, einst so herrliche Grüchenvolk beweist. Will man dep Juden zum nützlichen Staatsbürger machen, so muß man ihn mit Achtung seiner Menschenwürde, so muß man ihn als seines Gleichen behandeln, nirfjt aber wie einen Zuchthäusling unter Aufsicht nehmen unb* erziehen lassen. Die Emancipation muß vorangehen, die Erziehung ergibt sich dann von selbst, „denn Bürgerfreiheit erzieht zur Bürgertugend." Herder sagt in den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit: „Es wird eine Zeit kommen, da man in Europa nicht mehr fragen wird, wer Jude oder Christ ist, denn auch der Jude wird nach europäischer) Sitten leben und zum Besten der Staaten beitragen, woran nur eine barbarische Verfassung ihn hindere oder seine Fähigkeiten schädlich machen konnte," Und Luther sagt: „Wenn die Apostel, die auch Juden waren, also hätten mit uns Heiden gehandelt, wie wir mit dtti Juden, es wäre nie ein Christ unter den Heiden geworden. Haben sie denn mit uns Heiden brüderlich gehandelt, so sollen wir

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