Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1841)
- Article
- London: Missionswesen und Schriften ...
- Date
- 1841-05-08
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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147 von Municipalämtern &u entfernen, weil ihm die Juden nur ein Volk und keine Religionsgenossenschaft sind, am 11. die Regierung cmffordert, den orientalischen Juden und Christen Schutz für die freie Ausübung ihrer Religion zu gewähren. Es ist dieß, nach den zu Grunde liegenden Motiven, mehr Consequenz als man im ersten Augenblick vecmuthen möchte. — —• Schon in meinem Schreiben vom December^) habe ich auf einen Reformverein aufmerksam gemacht, über welchen ich hier einige Notizen mittheilen will. Es hatten sich nämlich ungefähr 15 Familien vereinigt, um in der Neu-Schule (New - Seoul) einen geregelten Gottesdienst einzuführen. Dieß machte hier so viel Aufsehen, daß die Fama mit vollen Backen in die Posaunen stieß, und selbst Personen, die sonst mit den religiösen Angelegenheiten der Londoner Gemeinden vertrauter sind, sich nicht erwehren konnten-' allerlei übertriebenen Gerichten zu (rauen. Man sprach von Abschaffung aller talmudischen Satzungen (!), ja die Abschaffung des D' glaubte man schon zu kommenden Ostern beweinen zu muffen. Es ist aber nicht so arg. Es genüge nur zu bemerken, daß Männer wie Goldsmith, 5) Mocato, Ho race Montefiore (Bruder des Sir Moses) an der Spitze stehen, um die Lügenhaftigkeit solcher Gerüchte zu erkennen. Es ist, wie gesagt, vorläufig nichts weiter, als ein Culturverein, zu dessen Fondirung 5000 L. der Bank übergeben wurden. Zur Anordnung und Leitung des neuen . Cultus ist Herr Marx, bisheriger Sekretär und Vorleser der Gemeinde zu Liverpol (dessen Amt nun Herr I. Lindenrhal, ein sehr junger aber hoffnungsvoller Sohn des Mitarbeiters an der neuen Bibelausgabe 6) erhielt) berufen worden, und, wie wir sicher vernehmen, denkt man Sulzers und das Münchner Gesangbuch für den Chor zu benützen. Es war früher auch die Rede davon, daß die 3 Gemeinden Dukes-Place, Hamburg und New-Scool Herrn Jsaacs bisherigen Prediger in Liverpool gemeinschaftlich anstellen wollten. Wir enthalten uns, billiger Weisealles Urtheils über diese Neugebucten, bis sich dieselben mehr charaktristisch herausgestellt haben werden. — Sie werden nun erwarten, daß ich Ihnen eine Geschichte des Monte fiore-Empfangs (Montefiore-Testimonial) gebe, aber höchst ungern möchte ich zu jener'großen Tragödie, wie die griechischen bekanntlich mit einem Satyrspiel endigten, unser ans Komische grenzende Nachspiel beschreiben. — Weit eher verdient eine Reiseanekdote bekannt zu werden, welche zeigt, daß Sir Moses nicht blos für das Große und Erhabene begeistert ist, sondern auch ein dankbares Gemüts und tiefes Mitgefühl für 4) S. Orient No. 3. S. 20. b. 5) Der bekanntlich auf seiner letzten Mise einen mit sich führte. 6) S. Orient 1840. No. 52. den geringsten seiner Brüder besitzt. Auf der Reise von Genua nach Savona drohte der Wagen in eine Schlucht zu stürzen. Ein treuer Diener beeilte sich, die Lebensgefahr von den themen Personen abzuwenden, und kam durch einen Sturz unter die Räder selbst in die Gefahr, sein Leben durch eine schwere Verletzung einzubüßen. Sir Moses kehrte sogleich nach Genna zurück, und beschloß diesen Ott nicht eher zu verlassen, als bis sein unglücklicher Retter wieder hergestellt sei.— Ich muß nun endlich daran, Ihnen die Vorbereitungen zum Empfange Montesiores, und diesen selbst, den Hauptmomenten nach anzugeben, und indem ich Ihnen mehre darauf bezughabende Broschüren und Flugblätter in Original übersende, überlasse ich es Ihrer geübtem Feder, dieselben nach ihrem Interesse dem Publikum vorzuführen. Oder möchten Sie vielleicht in den beliebten „Licht- und Schattenbildern" auch ein raisonnirende Skizze dieses Anhangs zur Damaskusgeschichte geben? Die Daten, die ich Ihnen dazu liefern kann sind folgende: Bei dem ersten Meeting, welches die Mitglieder sämmtlicher hiesigen Gemeinden, um über die Act der Danköezeugung gegen Monttf. zu berathen, abhielten, kamen die verschiedensten Ideen zum Vorschein. Unter andern wurde das beiliegende gedruckte B latt 7 8) vertheilt, dessen Werft, ein würdiger junger Mann aus Manchester, die Gründung eines Kollege zur Ausbildung jüdischer Lehrer und Prediger ,,Brethren of the House of Israel“ sehr beredt und eindringlich ans Herz legt. (Wir kommen darauf zurück). Sentenziöse aber geistesarme Reden wurden in Uebermaß gespendet, deren letzter Zweck, wie es leider oft und überall bei solchen Debatten der Fall ist, eine Darlegung der rhetorischen Gabe der Sprecher. Solche Besprechungen sind eigentlich Feste, die man sich selbst gibt, und darum wird dne Zeit und Aufmerksamkeit nicht als verloren betrachtet, mag auch nach achtstündiger Debatte sich kein Resultat ergeben. Man versammelte sich nach 14Tagen zu einem zweiten .Meeting. Auch hier findet die oben genannte Idee eines College, einen Repräsentanten in dem Berf. des andern anruhendens Rundschre ibens^) welches mit einem bekräftigenden Vor- und Nachwort den Hauptheil jenes ersten wörtlich wiedergiebt und eine genauere Besprechung verdient. Was bei diesen Meetung endlich beschlossen worden, finden Sie S. 2 u. 3 anruhenden Circulars welches allgemein verbreitet ward. 9) (Beschluß folgt.) 7) Es ist überschritten The Montefiore Testimonial, datirr vom 25. Dec. 1840 und gezeichnet F. 8) Ueberschrieben To all intcrested in the Montefiore Testimonial, datirt vom 10. Levas 56(31, gezeichnet Hyam Hyams. 9) Eine Ztufforderung zur Subscription in Form eines Briefes, datirt 12. Jan. 5601. gezeichnet Sompson Samuel Hon. Sec. 19