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Der Orient · 1841-05-01 · Heft 18 (1.5.1841) · p. Seite 141

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 18 (1.5.1841)
Article
Italienische Grenze: Juden daselbst ...
Date
1841-05-01
Page
Seite 141 (sequence 2)
Language
German
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141 Der Kirchenstaat. Die vorzüglichsten isr. Gemeinden in dem Erbtheile Petri finden xcii zu Rom, Ancona und Ferrara; ihre Gesammtzahl erstreckt sich jedoch kaum über 10000 Individuen. Ist in dem Königreiche Neapel von dem Leben der Israeliten nur wir von einer säuischen That die Rede, so dürfen wie hier doch wenigstens von einiger bürgerlichen Existenz sprechen, welche durch die Privilegien einiger weniger feindseligen Pabste bedingt und von deren Nachfolgern durch die Formel bestätigt wurde: coniitmanus., sed non approbainus (Wir gestatten es, aber heißen es nicht gut). Natürlich, daß also die freiere und gedrücktere Stellung der Israeliten dieses Landes ganz von der jeweiligen Ansicht und Toleranz des Papstes und seiner in den Städten verstreuten Legaten und Cardinale abhangt und. es kann folglich auch hier von einer eigenOchen Rechtsbasis nicht gesprochen werden. Viel zu danken haben die Israeliten des Kirchenstaates dem frommen Pabste Pius VII. welcher von 1816 — 1825 regierte und seiner menschenfreundlichen Gesinnung Zufolge den Israeliten manche Concession machte. Ec ließ es wenigstens wie es unter der Napoleonischen Herrschaft geworden war, und die Israeliten erschienen beinahe ihrer übrigen Mitbürgern gleichgestellt. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. ß Herlbevstadt, 8. April. Der Vorstand hiesiger israelitischer Gemeinde hatte den Herrn Oberlehrer Lasch-freundfchaftlichst ersucht, am ersten Tag Pesach in der hiesigen Synagoge eine deutsche Predigt zu halten, und derselbe nahm den ihm hierdurch ertheilten Auftrag nicht allein an, sondern führte ihn zur völligen Zufriedenheit sämmtlicher Gemeindemitglieder so aus, als wenn er sich diesem amtlichen Geschäfte bereits jahrelang gewidmet hatte. Man kann diese Predigt wol als eine der gediegensten betrachten, indem sie alles, was der Feier des Tages angemessen und überhaupt zeitgemäß war, enthielt , auch war es dem aufmerksamen Hörer besonders erfreulich, zugleich des Wirkens großer, würdiger Männer unseres Zeitalters, wie Crem reux und Montefioce erwähnt zu sehen. Daher sei dem achtungswürdigen Manne unserer Gemeinde, Hm. Oberlehrer Lasch hierdurch öffentlich der innigste und wärmste Dank dargebracht. Möge nur der gütige Allvater demselben in vollem Maaße fernerhin Geistes- und Körperstarke verleihen, damit wir gleichsam verwaiste Gemeindemitglieder noch lange Jahre das Glück genießen, uns an seinen Vorträgen, die das Wort Gottes an heiliger Stätte verkündigen, zu erbauen. Nah und fern wird man sich, wenn man dieses höret, mit Erstaunen ins Ohr flüstern, in Halberstadt am ersten Tage Pesach 1841 eine deutsche Predigt! Doch es ist dem also. Aber kemesweges war dieses etwa die erste, denn vor 28 Jahren schon hat der verstorbene würdige Rosen b ach, in Folge seiner ihm von Seiten des ehemaligen westfälischen Eonsi'storiums zu Kassel übertragenen Dienstfunktion als Rabbiner-Adjunct in hiesiger Stadt, am ersten Tage Pesach sowohl, als auch an andern Festtagen, au derselben Stelle deutsche Predigt gehalten. Da aber erst nach Ablauf eines so langen Zeitraums hier, im Orte wiederum damit der Anfang gemacht wurde, so kann man dieses mit vollem Rechte als den allerersten Schritt zeitgemäßer Verbesserung betrachten. Möge der wohltätige Lichtstrahl, welcher sich auf unsere Gemeinde zu verbreiten scheint, in allen Angelegenheiten nach und nach (ohne Verletzung unserer heiligen Religion) dermaßen ausdehnen, daß das übrige Dunkel der Gemeindeverwaltung ebenfalls baldigst verschwinde. Der gütige Allvater wolle in seiner unfern Vorfahren von Alters her so vielfach bewiesenen Liebe auch der in jeder Hinsicht bedrängten hiesigen Gemeinde schenken und verleihen, daß solche nicht allein an Mitgliedernzahl wachse, sondern auch der gesunkene Wohlstand nach und nach sich wieder verbreite. Uebrigens hege ich noch den Wunsch, daß die Herzen der Gemeindeverwaltung von Licht- und Wahrheitsliebe immer mehr und mehr durchdrungen werden mögen, damit gesetzliche Ordnung m unserer Verwaltung baldigst wieder einkehre. Dann wird auch Ruhe, Friede und Glückseligkeit in jedem Familienkreise nach und nach sich wieder einsi'nden. Bis dahin wollen wir aber in unser tägliches Gebet die Worte mit aufnehmen: O, nimm uns wieder auf, Herr, wir kehren " zurück; gieb die vorigen glücklichen Zeiten uns wieder! Amen. Ein Freund der Wahrheit. Ungarn. Pesth, 26. Marz. So viele Berichte seit dem Bestehen einer eigentlichen jüdischen Journalistik über Ungarn und einzelne israelitische Gemeinden daselbst veröffentlicht worden, ich fand bisher kaum drei oder vier, die — wenn auch nur Einzelnes, doch gewissenhaft und mit Einsicht besprochen,^) keinen einzigen aber, der die Wichtigkeit der hierländischen Zustände (so weit diese unsere Glaubensgemeinde besonders angehen) für die isr. Bevölkerung der ganzen Monarchie gehörig gewürdigt hatte. — Von der halben Million Juden, die der östreichische Kaiserstaat ungefähr zahlen mag, kommen auf Ungarn und dessen Kronlander beinahe 300,000, also drei Fünftel der Gesammtzahl. Nach der hier (lateinisch) erscheinenden „Sion" wohnen jetzt in Un- 1) Erst vor kurzem sah sich HerrOberrabbmer Schwab veranlaßt, einen solchen Bericht,zu berichtigen und auf den Werth hinzuweisen, der auf die meisten von hier ausgehenden Urtheile zu legen ist.

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