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Der Orient · 1841-04-24 · Heft 17 (24.4.1841) · p. Seite 136

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 17 (24.4.1841)
Article
Seminar in Ungarn ... [Nachricht] / Joseph Mendelssohn und Herz Homberg
Date
1841-04-24
Page
Seite 136 (sequence 2)
Language
German
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136 hat 4 Söhne und 4 Töchter, alle gesund und brav. Die älteste Tochter hat sich im vorigen Jahr verglicht, und so habe ich jetzt die Hoffnung Urgroßvater zu werden. Ich bin im vergangenen August 70 Jahre alt geworden, befinde mich sehr wohl und bin aller meiner Sinne so mächtig, als ich es je war. Wenn ich das Glück erwäge, welches ich zunächst Gott verdanke. so vergesse ich nie derer mit Liebe und Dankbarkeit zu gedenken, welche mich durch ihre Lehren auf den rechten Weg gebracht haben, um mein Glück durch Fleiß und Rechtschaffenheit zu gründen. Gott segne es ihnen l — Wenig ist, was ich Ihnen von meinen Geschwistern sagen kann. Die 3 Schwestern sind heimgegangen, so wie der Bruder Abraham; es lebt nur noch der jüngste Bruder Nathan Md zwar hier in Berlin; es geht ihm gut und er hat gutgeartete Kinder, die dem Stamm keine Schande machen werden. Nachdem ich Sie auf diese Weise in aller Kürze mit meinen äußern Verhältnissen bekannt gemacht habe, komme ich auf den Gegenstand, der mich veranlaßt, Sie in Ihrer Ruhe zu stören. Lesen Sie gefälligst inliegende Anzeige, welche in sehr viele deutsche Blätter eingerückt worden ist. Sie sehen, mit welchem Unternehmen die Familie umgeht, und ich bin gewiß, Sie schenken demselben Ihre Theilnahme. Mein Sohn in Bonn hat die Redaktion übernommen, und es wird von allen Seiten dahin gearbeitetdie Ausgabe so vollständig als möglich zu machen, besonders aber die Biographie, welche bisher immer nur kläglich gegeben wurde, vollkommen und so reich als möglich ausgestattet zu liefern. Mendelssohn, der Reformator seines Volkes, ist noch sehr wenig öffentlich gekannt: wie er seinen Umgang mit den stockrabbiniftisch - polnischen Juden, sein Disputiren am Sonnabend über Texte aus dem Talmud offenbar dazu benützte, um die Leute an sich zu ziehen und sie abzuhalten, daß sie wegen seiner deutschen Schriften nicht ganz von ihm absielen und er allen 'Einfluß auf sie verlöre, — wie es ein Hauptzweck war, den er seinem Leben gesetzt hatte: „die Kultur und sittliche Verbesserung der Juden zu befördern." Von alle dem wissen die existirenden Biographen wenig, die fast alle nur von dem deutschen Philosophen sprechen. In dieser Hinsicht rechne ich gar sehr auf Ihren Beistand. Sie haben den Mann und sein Leben in der Rahe beobachten können, Sie waren so sehr sein Freund, daß er über Manches Ihnen sein Herz geöffnet hat, das sonst für Andere verschlossen blieb. Ich entsinne mich noch Lessen, und Briefe von Ihnen, die sich im Nachlasse finden, beweisen es. Erweisen Sie Ihrem verewigten Freunde den letzten Dienst, indem Sie mir Alles mit- Lheilen, dessen Sie sich erinnern oder was Sie schriftlich niedergelegt haben— helfen Sie mir auf die. Spur, wenn noch irgendwo anders in dieser Hinsicht Schätze zu heben sind. Rechnen Sie auf den Dank der ganzen Familie, so wie der ganzen literarischen Welt. Ich wünsche vom Herzen, daß gegenwärtiger Brief Sie gesund antreffen möge und daß der Himmel Sie so erhalte. Ihr stets dankbarer und Sie hochachtender Schüler Joseph Mendelsohn." Berlin am 12. März 1841. Herz Homberg. (Aus der österr. Nationalen cyklopädie.) Herz Homberg, k. k. Schulrath, vormaliger Oberaufseher der deutsch-jüdischen Schulen in Galizien, außerordentlicher Lehrer der religiösen Moral für Israeliten in Prag,- Inhaber der großen goldenen Ehrenw.edaille, der Nestor der österr. ifraclit. Gelehrten, ist im September 1749 in dem Dorfe Lieben bei Prag geboren. Er zeigte schon frühzeitig Spuren ausgezeichneter Geistesgaben und wurde daher von seinen Aeltern, die bereits in seinem 7. Jahre nach Prag übersiedelten, zum Studium des unfruchtbaren, doch Scharfsinn erweckenden Talmuds bestimmt. Noch lag seine Nation in tiefer Nacht, politisch und geistig erstarrt. Auf den rabbinischen hohen Schulen Prag's, Preßburgs und Groß-Glogaus, die er 1772 besuchte, übte er nur jüdische Dogmatik und Dialektik, und nur mühsam erhielt der schon Besseres ahnende Jüngling einigen dürftigen Unterricht in der deutschen Sprachlehre; erst als er von Gtogau nach Breslau, und von dort nach Berlin kam, gelang es ihm, lateinische Grammatik und Mathematik zu studiren. Bon Berlin begab er sich nach Hamburg, und wurde durch Noussecm's Emil bestimmt, sich der Pädagogik zu widmen. Welche raschen Fortschritte er darin gemacht, beurkundet am kräftigsten, daß er bald nach seiner Zurückkunft nach Berlin in das Haus des berühmten Mendelssohn als Erzieher ausgenommen wurde. Als Lehrer des ältesten Sohnes dieses Weltwekseu wurde er Schüler des Vaters, dessen Gunst und Freundschaft ihm bis zu dessen Tode blieb. Nach Ioseph's II. Thronbesteigung und dem Toleranzedikte dieses Unvergeßlichen kehrte H. wieder in sein Vaterland zurück, und wurde 1784 zum k. k. Oberaufseher der gesamiriten deutschen Schulen der Israeliten in Galizien und Lodomerien ernannt. 1793 erhielt er vom Kaiser Franz einen Ruf nach Wien zur Ausarbeitung des 1797 erschienenen, die moralische und politische Verfassung der Israeliten, als vorbereitende Maßregel künftiger Gleichstellung bezweckenden Iudensystems. Es wurde ihm dafür die große goldene Ehrenmedaille. 1806 wurden die jüdischen Normalschulen Galiziens theils aufgehoben, theils unter allgemeine Leitung der übrigen Landesschulen gesetzt, da der Erfolg nicht wie m Böhmen den frühern Erwartungen entsprach. H. privatisirte nun kn Wien, wo er theils als Censor, theils durch schriftstellerische Arbeiten, besonders durch die von der k. k. Studien- Hofkommision ihm aufgetragenen Ausarbeitungen moralisch-religiöser Lesebücher für seine Glaubensgenossen nützlich wirkte. 1818 erhielt er mit dem Titel eines k. k. Schulrathes die Ernennung zum außerordentlichen Lehrer der religiösen Moral für die israelitischen Gymnasialschüler und für die israelit. Lehrkandidatcn in Prag, wo er noch jetzt trotz seines hohen Greisenalters unermüdlich thätig ist. Im Drucke ist von ihm erschienen: Commentar zum 5. Buche Moses, für die Mendelssohn'sche Uebersetzung, Berlin 1783.— Vertheidigung der jüdischen Na, tton gegen die in den Provinzialblättern enthaltenen Angriffe, Görz 1763. — Sendschreiben an die Rabbiner und jüdischen Gemeindevorsteher in Galizien; hebräisch und deutsch, Lemberg 1788. — Heber die moralische und politische Verbesserung der Israeliten in Böhmen (in Hufnagels Journal, Frankfurt a. M. 1796). — Zwölf Fragen, vom Minister des Innern in Frcmkrelch der israelit. Deputation in Paris vorgelegt und von ihr beantwortet (aus dem Frailzös.), Wien 1806. — Imre Schefer, ein religiöses und moralisches Lesebuch für die jüdische Jugend; hebräisch und Deutsch, eb. 1808. (Hauptwerk.) —,Bne Zion, ein religiösmoralisches Lehrbuch für bic. ifraclit. Jugend, eb. 1812. (Schulbuch, bereits dreimal aufgelegt.)— Ben Iakir; über Glaubenswahrheiten und Sittenlehren für die (kleine) isr. Jugend, katechetisch, eb. 1814.— Hakorem; Kommentar zu den 5 Büchern Moses, Hiob und Jeremias, eb. 1817.— Rede bei Eröffnung der religiös - moralischen Vorlesungen für Israeliten in Prag, Praa, 1818. * ‘. * * * Verlag von C. L. Fritz sch Druck von I. H. Nagel.

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