Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1841)
- Article
- Wollstein: herzlicher Empfang des Rabb. Dr. Hirschfeld ...
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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\ — 134 — entfernten Städtchen Rakwitz, dem Rabbiner entgegen, wo derselbe um 1 Uhr Nachmittags eintraf, und bei dem dortigen Kaufmann, Hrn. Abr. Kurzig abstieg. Nachdem der Korporations-Vorstand, die Repräsentanten-Versammlung, die Deputationen der verschiedenen Vereine und dann die übrigen Korporationsmitglieder dem Rabbiner der Reihe nach ihre Aufwartung gemacht und herzlich gratulirt hatten fanden sich auch die Notabilitaten der rakwitzer Korporation ein, uw ebenfalls dem würdigen Manne, dem ein so ehrenvoller Ruf vorangegangen war, ihre Wünsche darzubringen. Nach der Anordnung des Vorstandes sollte man erst zur Zeit des Mincha-Gebets hier eintreffen, und so wurde erst um 5 Uhr von Rakwitz aufgebrochen; wo sich der von hier entgegengekommenen Wagenmenge noch Einige von Rakwitz anschlossen, und der Zug gewahrte einen schönen Anblick. Um 7 Uhr hier angelangt, fand man, da einige junge Leute die Ankunft des Rabbinen früher angekündigt, die Straßen, die man passiren mußte, gedrängt voll von Neugierigen aller Klassen. Hier nahmen die Verwaltungsbeamten den Hrn. Rabbiner in ihre Mitte, führten ihn in die glänzend erleuchtete, von Juden und Christen angefüllte Synagoge, und geleiteten ihn da zu der für den Rabbinen bestimmte Stelle. Nachdem nun der Vorsteher den Hrn. Rabbinen hier im Gotteshause, nochmals im Namen der Gemeinde begrüßt und Willkommen geheißen, überreichte er ihm mit einer kurzen Anrede das in hebräischer Sprache abgefaßte Rabbinats- Diplom (den sogenannten Rabbanus-Brief, Ketab Rabanut). Es traten sodann auch die Deputationen der verschiedenen Vereine heran und überreichten auch die Diplome von ihren Vereinen; und zuletzt kamen die Schulknaben, geführt von den beiden Lehrern, und ein Knabe überreichte ebenfalls mit einer Anrede, ein in hebräischer Sprache abgefaßtes herzliches Willkomm- Gedicht. Der Sjcit Rabbiner war über diesen herzlichen Empfang sehr gerührt, und konnte daher, auf die an ihn gehaltene Anreden nur mit wenigen, aber eindringenden .Worten antworten. Nach beendigten Mircha- und Maarib-Gebete begleitete der Vorstand den Herrn Rabbinen in seine Wohnung; und nachdem man sich dann auf etwa zwei Stunden zurückgezogen hatte, fanden sich wieder die Nocabilitäten zu einem gemeinschaftlichen Abendbrod ein, wobei man bis um Mitternacht verweilte, und dann vergnügt über die glücklich getroffene Wahl auseinander ging. Wenn auch all diese Ehrenbezeigungen nichts außerordentliches haben, und wir auch gerne, wenn es unsere Kräfte erlaubt hätten, noch mehr gechan haben würden—da solchen Männern, wie unser Rabbiner gewiß Ehre gebührt-—so ist doch das Bestreben der Gemeinde, ihn zu ehren, der sprechendste Beweis, daß man den Werth der neuen wissenschaftlichen Bildung kennt und zu schätzen weiß; und giebt dies, so wie, nach der Bemerkung eines Corcefpondenten dieser Blätter aus Berlin, (No. 1 d. I.), die ganze Berufung des Dc. Hirschfeld zum hiesigen Rabbinate den sichersten Maßstab ab, zur richtigen Würdigung der in Deutschland so beliebten Behauptung, als seien die Juden im Herzogthum Posen hinter denen in Deutschland noch um ein halbes Jahrhundert zurück. Man ist es hier gewohnt aus Zeitungsartikeln zu erfahren, wie man in Deutschland über uns urtheilt, und den Stab bricht, ohne mit unfern Verhältnissen näher bekannt zu sein, die doch billigerweise zuerst in Betracht kommen müßten. Doch dem sei wie ihm wolle, wir freuen uns und danken unserem Gott, der uns den rechten Weg geführt, und in dem Hm. Dr. Hirschfeld einen würdigen Rabbinen für unsere Gemeinde hat finden lassen; einen Mann, der mit seiner bekannten und anerkannten wissenschaftlicher Bildung auch tüchtige talmudische Gelehrsamkeit, und ächte, ungeheuchelte Religiosität verbindet. — Gestern hielt der Herr Rabbiner Vormittags seine Antritts-Rede, über Malachai 3—23, 24, und Nachmittags nach altherkömmlichem Gebrauch, eine Derascha. Uebec Erstere erlauben wir uns kein vorpreifendes Urtheil, da der Herr Rabbiner, dem Wunsche feiner zahlreichen Freunde nachgebend, dieselbe in Druck wird erscheinen lassen; die Letztere aber, ganz im rabbinifchen Sinne und mit talmudischem Scharfsinne ausgeführt, gehört, ihrer Tendenz nach, nicht der Oeffentlichkeit sondern nur der Gemeinde an. Soviel nur sei gesagt, daß die Vorträge des Hrn. Rabbinen und sein umsichtiges und thatiges Eingreifen in seine Amtsangelegenheiten, während der kurzen Zeit seines Hierseins, ihm auch die wenigen Gemüther, die ihm vielleicht noch abgeneigt waren, vollends zugewendet haben. Schließlich wollen wir noch den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß die, durch die jüngste Wahl an die Verwaltung gekommenen Repräsentanten und Verwaltungsbeamten den Werth eines solchen Rabbinen nie aus den Augen verlieren, und in Schul- und Synagogenangelegenheiten , immer nur mit ihm im Einverstandniß und in seinem Sinne wirken mögen; dann ist für unsere Gemeinde, die mit Recht einem kräftigen Boden verglichen werden kann, der nur bearbeitet werden will, viel des Guten und Heilsamen zu erwarten. G. B ö h m e n. Bon der böhmischen Grenze, 5. April. Ich kann Ihnen aus zuverlässiger Quelle die Mittheilung machen, daß die hinsichtlich des Sommeraufenthaltes der Juden in dem bei Prag gelegenen Dorfe Bubentsch ergangene Verordnung von dem humanen und hochgebildeten Oberstburggrafen Chotek in diesen Tagen aufgehoben worden ist. Dies dürste die treffendste Widerlegung eines Artikels aus Prag sein, in welchem der