Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1841)
- Article
- Italienische Grenze: die Jugenderziehung daselbst
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Seite 133 (sequence 2)
- Language
- German
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133 bessere Lehranstalten, so gar wohl organisirte Schulen gibt, versteht sich wohl von selbst, aber solche Anstalten wirken nur wohlthatig auf die eine glückliche Gemeinde, sie bleiben ohne Beispiel, das Volk des gefammten Landes steht ohne Führer da, Niemand bekümmert sich um seine Fortbildung. — Daß unter solchen Umstanden und bei diesem Grade der geistigen Reife die Synagoge auf keinem höhern Standpunkte stehen wird, laßt sich leicht begreifen. Es geht hier alles den alten gewohnten Gang und wenn wenn wir bemerken müssen, daß man mit Gleichgültigkeit und Gedankenlosigkeit die Gebrauche und Ritualien fast überall so gleichförmig vollzieht, als ob das ganze Volk ein Kopf wäre, wahrend in Deutschland über geringfügige Kleinigkeiten oft mit Hitze und Erbitterung gestritten wird, so finden wir darin nichts, als eben jene Unempfindlichkeit und moralische Trägheit, welche den Gottesdienst eben so abthut, wie jedes andere physische Bedürfnis Die Mädchen sind von Gottesdienste ganz ausgeschlossen, um sie jedoch einiger Maßen für diese Entbehrung aller Erbauung in Mitten der Versammlung des Volkes zu entschädigen, halt der Rabbiner aller 14 Tage einen religiösen Vortrag, der ganz besonders für junge Mädchen eingerichtet und ihretwillen gehalten wird. Unter allen diesen abgelebten und leblosen Einrichtungen halt den italienischen Israeliten ein Element aufrecht, und wenigstens vor gänzlicher Stagnation zurück. Es ist die angeborne Poesie des Italieners, die Gluth seines Herzens, der einige bleibende Segen dieses schönen Landes. Stets erneut sich sein Selbst mit der ganzen Natur, gleichsam in ewiger Jugend steht das Herz da, immer von Neuem erschließt die heitere Sonne, die lachende Welt die Vlüchen und Lebensadern des Herzens und hier ist der offene Weg, auf welchem man dem niedergehaltenen Volke die geistige Verjüngung einhauchen soll und muß. (Forts, folgt.) Deutschland. Von het Elbe, 12. April. Bürgerrechte sind allerdings gewichtiger als Adelsdiplome, insofern hat der Corresp. aus Prag (N. 16. S. 123) mir und wohl manchem Andern aus dem Herzen gesprochen. Und wer die stolzen Paläste, Landgüter und Equipagen reicher und adeliger jüdischer Familien in und um Prag — denn es bestanden deren schon längst mehre — neben der Armuth und dem Kleinhandel der goldenen Gaffe und des Tandelmarkts gesehen, der weiß jene Wahrheit Ihres Correspondenten zu würdigen. Aber scheint nicht auch Alles was man dem Juden gewahrt, sich auf Privilegien zu beschränken? Ist nicht das Loos desselben, auf dem Wege der Bevorzugung sein Heil zu suchen? Die letzlverflossenen 50 Jahre haben in dieser Beziehung, in Deutschland wenigstens, in den frühem Gesetzen Vieles dem Buchstaben nach, dem Geiste nach nur wenig geändert. Das Mittelalter kannte nur Stande, deren jeder einzelne Rechte hatte. Der Jude stand wie der Kleriker unter dem Schutze der Obrigkeit. Die Neuzeit sah darin eine Erniedrigung, sowie in der bisherigen Nahrungsweise desselben. Sie versuchte ihm Rechte zu geben, aber kein Recht.' Und, was das Schlimmste ist, es steht zu befürchten, daß unsere Zeit den Dispens und den Vorzug des Einzelnen zur Norm seiner Handlungsweise machen werde. Auch in Ihrem Staate, dem constitutionellen Sachsen, das seit elf Jahren vollkommen mündig geworden, sehen Sie Belege dieser Befürchtung. Der Landtagsabschied von 1836—37, wenn ich nicht ganz irre, trug darauf an-, dispensationsweise — und kein Gesetz, so viel allgemein bekannt, hat dies noch bestätigt — dem Juden die Advocatur zu gestatten, falls u den gesetzlichen Änderungen Genüge geleistet. Das Notariat muß ausgenommen bleiben, denn Nichtgewährung eines Rechts, welches den Staatsrechten sich anreihen soll, ist ja conditio sine qua non! Sonderbar genug werden Sie nun, falls in der Folge ein oder der andere sächsische Jude dem Studium des Reches sich ergibt, Rechtscandidaten sehen, die ihre Probearbeiten geliefert haben, trotzdem aber nicht Notariatsgeschaste cmsüben dürfen, und die endlich, nachdem sie alle gesetzlichen Ansporungen erfüllt, dennoch ihre Immatrikulation vom Zufall erwarten müssen. Wozu die Ausnahme von der Rechtsregel, wenn das Gesetz nichts mehr zu fodern hat, wenn ihm Genüge geleistet worden? Genug, wenn dies in freien Staaten der Fall sein kann, wie kann da das Vaterland der Privilegien unfern Tadel verdienen, oder gar die unschuldigen, auf Freiheiten hingewiesenen Juden? (L. A. Z.) Woll'stern, 4. April. Seit der am 18. September v. I. hier stattgehabten Einweihung der neuerbauten Synagoge, war es unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung nicht wieder so lebhaft, als am 31. v. M. wo unser würdiger Rabbiner, Hr. Dr. H. S. Hirschfeld aus Berlin, hier eingetroffen ist. Nachdem der von der König!. Regierung bestätigte Kontrakt dem Hrn. Rabbiner nach Berlin eingeschickt war, zeigte er dem Korporations-Vorstands an, daß er nicht direct von Berlin, sondern, um vor seinem Eintritt in den neuen Wirkungskreis einige Verwandte zu besuchen, über Driesen und Posen hierher reisen, und am 31. Marz hier eintreffen würde; es wurde ihm daher am 29. schon, eine Equipage mit zwei Begleitern zu seiner Herreise bis Posen entgegen geschickt; am 31. aber ward hier eine seltne Regsamkeit wahrgenommen, da alles sich bestrebte, dem nerigewählten würdigen Obechaupte einen würdigen Empfang zu bereiten. Repräsentanten, Verwaltungsbeamten^und deren Stellvertreter, die Deputationen der verschiedenen Vereine hiesiger Korporation und die angesehensten Privatmitglleder der Gemeinde fuhren gemeinschaftlich in einer langen Wagenreihe nach dem, eine Meile v-on hier