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Der Orient · 1841-04-24 · Heft 17 (24.4.1841) · p. Seite 132

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 17 (24.4.1841)
Article
London: Verhandlungen im Hause der Gemeinen üb. eine theilweise Emancipation der Juden
Date
1841-04-24
Page
Seite 132 (sequence 2)
Language
German
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132 von den Rechten unserer Verfassung unthunlich geworden, wäre auch ungerecht gewesen, da sie Jahrhunderte lang unter dem Drucke der englischen Gesetzgebung gelitten. (Hört, hört! von der ministeriellen Seite.) Der Druck galt theils ihrer Confessi'on, theils ihrer Heimath. (Hört!). Ein Anderes ist es mit den Juden. Ihre Zahl ist so klein — kaum 18,000 im ganzen Lande — sie verschwinden so in der Masse unserer Staatsgesellschaft, daß nicht, wie bei den Katholiken, die dringende Nothwcndigkeit vorliegt, eins von den Principim unserer Verfassung aufzugeben, um sie, erst in die Gemeindeämter, und bald darauf ins Parlament zu belassen, damit sie hier, die Nichtchristen, über die Angelegenheiten eines christlichen Staatshaushaltes mitsprechen und milstimmen. Vermöge ihrer Anzahl und Stellung, wie gesagt, haben die Juden kein moralisches Gewicht in unserer Gesellschaft, und was ihre Interessen betrifft, so ist mir unbekannt, daß sie in England über irgend einen Druck zu klagen hätten. Es fehlen ihnen blos die politischen Rechte. (Ironisches hört!) Wenn erst der Religionsunterschied kein Grund mehr sein darf zur Disqualisication eines Engländers, dann gibt es gar keinen mehr. (Bedeutsames „Hört!" von Hrn. Hume.) Ja, wenn es gleich gelten soll, ob ei» Mensch Jud oder Christ ist, dann will ich noch lieber von aller Vermögensqualisication für gemeindliches und parlamentarisches Wahlrecht absehm, denn die Religion ist doch wohl wichtiger als der Steuerfuß. (Hört!) Also noch einmal! England ist ein christlicher Staat, und ich hoffe, er soll es bleiben, denn im Ehristenthum ruhen die starken Wurzeln unserer Kraft; diese Bill aber rührt an das Grundprincip unseres Staats, und darum trage ich darauf an, daß sie heute über sechs Monaten zum drittenmal gelesen (verworfen) werde." Hr. Pringle (Presbyterianer) unterstützte das Amendement mit echt schottischem Glaubenseifer. Die Bill bezeichnete er als eine Verletzung der Constitution, das jüdische Volk als eine Art von Narional-Ahasvecus, welcher zur Strafe für ein ungeheures Nationalverbrechen irre wandle auf Erden, und ein höheres Gefchick zu erfüllen habe, als von einem Parlament ihm bestimmt werden könne. (Besch, folgt.) Italien. Italienische Grenze, 25.gebt. (Forts.) Der beste Probierstein, an welchem wir die Zustände der italienischen Juden und die Stufe messen können, auf welcher sie stehen, ist die Erziehung und der Unterricht ihrer Jugend; denn überall, wohin unser Auge blickt, hat sich in der Neuzeit da, wo sich ein Steigen und Emporkomrnen. geltend gemacht hat, auch ein eifriges Mühen geoffmbart, Volk und Stamm in der Wurzel zu veredeln, ein kräftigeres, einsichtigeres Geschlecht in den Kindern heran zu bilden und selbst da, wo noch zur Zeit die That nicht redet, werden doch Worte und Wünsche laut. In Italien bemerken wir nun freilich von dem Allen nur wenig oder nichts; denn es fehlt ja der ganzen Staatsmaschine an innerem Leben, sie vermag nicht zu bewegen, anzutreiben, hat zu dem die Juden stets nur als Stiefkinder behandelt und oft sogar in dieser Hinsicht mehr gethan, als sie blos unbeachtet gelassen. Darum, liegt der Unterricht der Jugend auch so im Argen, wie fast in keinem andern Lande, und ist mit der soliden Basis, in. welcher derselbe^ z. B. in Deutschland auferbaut wird, gar nicht in Parallele zustellen. Schule heißt hier zu Lande unter den Israeliten blos eine dürftige Anstatt, welche die Sehnsucht oder das Bedürfniß einiger Privaten bervorgemfen hat, von' Schulen als Staatsschulen ist nicht die Rede. Das Bedürfniß der meisten Menfchen aber geht dahin, die Kinder einige Stunden des Tages los zu werden, sie ans Stillsitzen zu gewöhnen, und zwar je eher desto lieber und darum erblicken wir auch die iscael. Schulen Italiens meist ähnlich jenen Kleinkinderbewahranstalten der neuesten Zeit, wo die Kleinen gar frühzeitig in Kunststücken geübt werden, um die Alten mit Geschicklichkeit und Gewandheit nachäffen zu können und dies ist nur zu oft die ganze Schule/ denn wenn das Kind herangewachsen ist, so wird es nur dem Reichen möglich, ihm höhere Kenntnisse erwerben zu lassen, das Kind des Aermem aber muß sein Bischen gesunden Menschenverstand in einem Leben weiter bilden, das oft sehr drückend, karg und unerfreulich ist. Und wem ist der Unterricht, die Erziehung in jenen Anstalten anvertraut, welche dem ganzen Menschenleben die Grundlage geben sollen? Da weiß man von keinen Bildungsanstalten für Lehrer, von keinen Pädagogen im Sinne Deutschlands, von keinen Schulbüchern, wie sie in Deutschland fast Legionen hervorgesucht werden können. Für Mädchen sind es Frauen, die diesen Unterricht besorgen und die Hilfsmittel ihrer Erziehung sind Mährchen und geschwätzige Erzählungen, ihre Unterrichtsmittel ein albernes ABC Buch mit gräulichen Holzschnitten, für die Fertigern Gebetbücher von nicht besserm Caliber. Der Mädchenunterricht ist nun, bis auf das Erlernen weiblicher Arbeiten, vollendet, der Knabe aber, wenn dies nicht mit den Interessen der Eltern streitet, tritt nun in die eigentliche Schule, wo das Hebräische die Hauptrolle spielt. Pentateuch, Propheten dann Raschi-Commentar und darauf die Ritualgesetze, das ist der Gang, welchen hier der Unterricht nimmt, das Hauptsächlichste, oft das Einzige, wovon das Kind etwas erfährt. Da ist von keinem systematischen Religionsunterricht, zugeschweige von einem andern systematischen Unterrichte die Rede und will man sich nicht ganz veralteter und unbrauchbar gewordener Lehrbücher bedienen, so steht der Lehrer von allen Lehrmitteln verwaist und ganz entblößt da. Daß natürlich hier und dort Ausnahmen stattsinden, daß es in einigen Städten

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