Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 16 (17.4.1841)
- Article
- Literarische Rundschau,
- Date
- 1841-04-17
- Page
- Spalte 229-230 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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329 M. Sider : Lit. Rundschau^ einleitend in Skizzen z. Geschichte der hebr. Poesie. 23V zur Seite Liegenden undmchforschten Parthieen und Einzelnpunkte äußerlich zerrissen erscheinen. Aber in eben diesen Seitenlinien waren Anfänge zu vielen auseinanderlaufenden Radien besonderer Untersuchungen gegeben, und so der geistigen Regsamkeit unsrer Zeit ein weites Feld eröffnet 12). — So fand denn endlich auch die hebräische Poesie einen Vertreter in unsrer Mitte, und auch diese Disciplin sollte das Schicksal der ge-, stammten Wissenschaft unter uns theilen. L. Dukes versprach in seinen, G ab i r 0 l und C h a r iz i ausschließend gewidweteten, Ehrensaulen u. s. w. (Wien 1837. 8. S. III.) *3) eine „Geschichte der neuhebcaischen Poesie und Stilistik vom Schlüsse des Talmuds bis zur neueren Zeit herab." Auch dort finden wir nach der Klage über das abnehmende Studium der hebräischen Sprache (S. IV.) einen Bewerber um ein sinnbegabtes Publikum. In dem, mit Leser und Nichtleser rechtenden Vorworte zu seinem MosesBen Esra (Altona 1840. 8)i4) ladet derselbe nach einer Angabe der in der Zwischenzeit reichlich benutzten Quellen (S. V.) zur Subskription auf den ersten Band des genannten Werkes ein15). Bei den Gelehrten andern Glaubens war auch die Bibel bald der Polemik16), der Speculation und philosophischen Forschung^) anheimgefallen, und das Scheidewasser der Kritik verwischte den Goldglanz der Poesie. Erst Herder war es, der auf Unkosten der äußern Sprachkunde (die freilich zu seiner Zeit noch nicht die' Höhe — und nicht die Spitzfindigkeit — deren wir uns rühmen, besaß), aber von einem richtigen Gefühl geleitet, den „Geist der hebe. Poesie der Bücher des a. B." aus sich selber entwickelte18). Auch die 13) .® et ge r a. a. O. S. 394ff. 14) S. M eklen bürg in isr. Annalen 1840, Nr. 4. 7. 6. (vgl. Nr. 30 des Iahrg. 1839). Leb recht, Berl. Jahrb. 1840, Nr. 36. im Orient 1840, LB S. 105 ff. (vgl. A. Z. d. I. 1839, Nr. 83.; Telegr. Nr. 139.) 15) Zweifeln wir auch nicht, daß es dem Hr. Verf. mit seinem Unternehmen ganz ernst gemeint sei, so dürfte doch die an solchem Orte ausgesprochene Einladung nicht oas ausreichende Mittel zur Bekanntmachung der vorbereiteten Arbeit sein. Wir können von unsrer Seite nur den Wunsch aussprechen, daß Hr. Dukes auf die beste Weise in Stand gesetzt werde, sein verdienstliches Unternehmen auszuführen. Wenn es aber scheint, als ob die günstige Gelegenheit dazu noch nicht vorhanden sei, so möge derselbe doch fortfahren, sich durch weitere Monographien nach Art der frühern ein Verdienst um die sonst wenig unter uns gepflegte Branche zu erwerben. Ist der Bau des Pantheons noch zu beschwerlich oder zu kostspielig, so mögen mindestens die Bausteine herbeigeschafft werden. -1i-|in p ton abi TO-ib nr^Dn “pty ab dni 16) Zunz g. B. S-.40f. Delitzsch, z. G. d. j. P. S. 11. 29; vgl. mit: Schilder, u. Krit. S. 119. 17) Delitzsch a. a. O. Vorr. u. C. 1. (vgl. uns. Anm. 2.) 18) Die Anführung und Beurcheilung Herders, welche wir bei Delitzsch cr. a. O. (val. S. VI.) vermißten, gibt geistvolle treffliche Nachahmung Lord Byrons verdient hier genannt zu werden^). — Der nachbiblischen Poesie (und Literatur überhaupt) erging es bei jenen Gelehrten, wie den Juden selbst bei aller Welt. Beide waren in dm Ghetto verwiesen, und blieben in dieser abgeschlossenen Nahe ungekannt oder mißkannt^v)^ Har doch das Heer der Eisenmenger noch in neuester Zeit frische Truppen erhalten I21) Anderseits zeigt uns die neueste, Literaturgeschichte, deren Fleiß in allen Fachern auf jeden Fall durch ihren Umsang sich bekundet, in der jüdischen Literatur eine Unkunde, 22) die' geuns mit der ausführlichern Besprechung eines Anhängers desselben Levison (s. a. a. O. S. 11) Delitzsch in seinen Beiträgen zur Literat, der hebr. Poetik. A. Z. d. I. 1838 homil. Beibl. S. 23 f. vgl. Schild, u. Krit. S. 40 ff. 147 ff. —- Es ist uns auch erst kürzlich C. Fort läge: Vorlesungen über die G e sch. d. Poesie rc. Stuttg. u. Tüb. 1839. 8. nur flüchtig zur Ansicht gekommen. Der Verf. will eine ganz neue Methode in diese Wissenschaft eingeführt wissen (s. S.XI!.), und nach dieser erhalten wir (S. 127—-51) eine Charakteristik der hebr. Poesie, d. h. der b i b l i sch e n. Inwiefern die Auffassung dieser mit der späteren hebr. Poesie zusammen hängt, werden wir dieselbe in unsrer ersten Skizze berücksichtigen. 19) Vgl. Delitzsch, z. Gesch. d. j. P. S. XIII. 20) Zunz g. V. S. VII. - Delitzsch a. a. O. S. VI f. „Wir haben über dem Entferntesten das Nächstliegende vergessen. Die Schriftdenkmals der Sanskritvölker, der medopersischen Stamme, der semitischen Syrer und Araber sind uns weit bekannter, als die jüdische Literatur." vgl. das. S. 16. 21) Z. B. den berüchtigten Gelehrten an der Saale, dem die jüdische Literatur zwar nicht so fleißige, aber um so seltnere oder seltsamere und ,, neuere Entdeckungen" verdankt, die noch dazu die trefflichsten Erwiederungen Hervorriesen. — Es ist zu bedauern, daß die zu Boden werfende unsres Zunz (L. 2t. Z. 1840 Beil. v. 1. Mai) nicht einzeln mehr zu bekommen und auch nirgend weiter abgedruckt ist (vgl. A. Z. d. I. 1841, S. 37.). 22) G r a s s e 's Lehrb. d. allgem. Literaturgesch. (Dresd. und Leipz.1.11.1839) ist für die rabb. Literatur ein Augiasstall, dessen Reinigung über unsre unherkulischen Kräfte geht. Aber ein kleines Specimen aus dem zweiten Bande mag den Leser des Orients überzeugen, daß ein solches Buch nicht auf besondere Beurtheilung in diesen Blättern Anspruch zu machen hat. Ex un£ue leonem! Unter 851 Seiten des zweiten Bandes, welche die Literatur des Mittelalters bis ins 13. Iahrh. fortführen, sind kaum mehr als 28 der rabb. Literatur bestimmtu. zwar Theologie (S. 328—40). — Gleich zuAnfang (S. 329) begegnen wir vier aufeinander folgenden Klassen: Amoräer, Seburäer, Geonäer und Rabbaniten! Hr. Grässe bedauert, daß ihm die Gelegenheit gänzlich genommen sei, das Berhältniß dieser unter einander zu untersuchen, weil ihre Schriften, bis auf das bei Abraham b. Dior Cabbala ecl Amst. p. 37. 39. bemerkte, verloren gegangen! Was hätten wir nicht 2tlles von diesen Untersuchungen lernen können! Ferner: „Wie denn auch bei den Christen die Kenntnis; und das Erlernen der hebr. Sprache für eine höchst unnütze Mühe galt, was schon daraus folgt, das Trithem. catal. viror. iliustr. c. 124. Karl d. Großen, Alcuin, Hrabanus Maurus 16 *