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Der Orient · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. Seite 126

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Article
Pesth / B-k.
Date
1841-04-17
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 einrichtung beibehalten wissen, jene führt als zweites Wort: „Reform! Tempeldienst!" im Munde, der eine zieht her, der andere hm und so bleibt man gewöhnlich aus ^em alten Flecke, und wo ein Rabbiner gestorben ist, hleibt die Stelle oft Jahrelang verwaist, weil man sich über ihre Wiederbesetzung nicht vereinigen kann. Ein großes Uebel, daß die Fortbildung einer solchen Gemeinde oft auf ein Jahrzehnt aufhalt, und wenn man dem Rabbinen auch gar keinen Einfluß zuschreiben wollte, so ist es schon für ein Glück einer Gemeinde zu erachten, wenn sie etwas bestimmtes hat und sich nicht im Meinungszwispalte über ein unbestimmtes Objekt zerfleischt oder ihre besten Kräfte aufreibt. — Wir würden es für ein Glück erachten, wenn der Staat den Israeliten Ungarns, wie dies zum Theil ja auch anderwärts, namentlich in Baiem ist, wenigstens in Gemeinden von einer gewissen Seelenzahl, Volksschulen einzurichten auferlegte, wenn er sie zwänge, eine Rabbinenstelle nicht über eine bestimmte Zeit unbesetzt zu lassen, wenn er die Liniamente der Aufforderungen, die an einen Rabbiner! zu machen sind, feststeltte. Der Staat thut dies rücksichtlich seiner christl. Staatsbürger, warum sollte er es nicht auch rücksichtlich der jüdischen mit Recht und Erfolg thun? Ehe sich das vielköpfige Wesen, Volk genannt, vereinigt, zumal bei so ungleicher Bildung, wie in Ungarn, wird und kanu viel verloren gehen, viel verdorben werden. Ja wir wünschten noch mehr; wir wünschten, daß der Staat auch eine allgemeine Synagoge der Landesrabbinen und Gemeindevorstände anbesöhle und ausschriebe und daß er ihnen ausdrücklich die Punkte nenne, die sie zu berathen hätten. Wir würden hierher rechnen; Beschlüsse über Synagogen- und gottesdienstliche Einrichtungen) über Anlegung von Schulen und Instituten, zur Bildung von Schullehrern; Berathung über Schulplan, Lehrbücher re. über Schullehrer¬ und Rabbinerprüfungen rc. und was dergleichen Dinge mehr sind. Nur dann würde gemeinsames Leben, nur dann eine heilsame Fluctuation den ganzen Volkskörper durchdringen, während jetzt die Gemeinde einer Stadt nicht selten nur eine höchst oberflächliche Notiz von ihren Nachbarn oder Schwestern nimmt, und meint, es gehe ihr das, was dort zum Vorschein komme, gar nichts an. B —k. Licht- und Schattenbilder aus der jüvrschen Geschichte der Gegenwart. Die Cmaneipationsfrage in dem Herzogthume Sachsen-Meiningen. Zn keinem Lande wird vielleicht so lange um das armselige gleiche Recht im Staate gestritten und disputirt werden als in Deutschland, in diesem Lande der fast chinesischen Bedächtigkeit, wo man alles so tief und daher so lang ergründet, bis nichts mehr zu ergründen ist. Und, mein Gott! was ist das für ein Recht, wenn man es schon erkämpft hat! Nichts als die gleiche Berechtigung, das Unrecht zu ertragen. Doch ich will hier keine Betrachtung anstellen, sondern einfach mittheilen. Das Herzogrhum Meiningen beruft alle drei Jahre seine Stände, alle drei Jahre wird die Emancipation berathen und erwogen, und noch sind die Juden des Herzogthums nicht emancipirt, der Gegenstand ist noch nicht erwogen; da aber die Gesetzgebung seit einigen Jahrzehnten beständig im Berathen ist, so sind vorläufig die altenGesetze suspendirt, und wir haben während einer deutschen Berathung vorläufig weder die alten noch die neuen Gesetze, weder die Mancipation noch die Emancipation. Der israelitische Gemeinde- und Seminarlehrer S. Steinhard hat ein „unterthaniges Gesuch der israelitischen Gemeinde zu Hild bur g Haussen an die hohe Ständeversammlung des Herzogthums S. Meiningen um rechtliche Gleichste llung mit d en christlich en Unterthanen" abgefaßt, welche der Herzogl. Hofagent Louis Simon im Namen der isr. Gemeinde zuHildburghausen überreicht hat. Dieses Gesuch, nur als Manuscript gedruckt (Hildburghausen 1841) und daher nicht im Buchhandel, ist in einem so männlichen, kräftigen, selbstbewußten Tone abgefaßt, daß ihre Leser dessen Mittheilung wohl nicht ungern sehen möchten, zumal da es reich an historischen Daten und trefflichen Reflexionen ist. Dieses Gesuch lautet: Hohe Ständeversammlung! Keine Unterthanenklasse in unserm Vaterlande sieht der jedesmaligen Eröffnung eines Landtags so erwartungsvoll entgegen und verfolgt die Verhandlungen einer hohen Ständeversammlung mit so gespannter Aufmerksamkeit, als wir, die Bekenner des mosaischen Glaubens. Natürlich. Bedarf ja keine Klasse so ssehr einer Verbesserung ihrer bürgerlichen Verhältnisse. Seit dem Jahre 1826, wo Hildburghausen mit dem Herzogthume Meiningen vereinigt wurde, also seit 14 Jahren, hoffen wir sehnsuchtsvoll von einem Lriennium zum andern, daß endlich ein Gesetz zu Stande komme, durch welches'unsere traurige Lage verbessert und uns die Rechte verliehen werden,

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