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Der Orient · 1841-04-17 · Heft 16 (17.4.1841) · p. Seite 123

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 16 (17.4.1841)
Article
London : Emancipation in England [Nachricht]
Date
1841-04-17
Page
Seite 123 (sequence 2)
Language
German
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123 Stimmen angenommen. Die Gegner dieser Maßregel wendeten ein, daß England ein christlicher Staat sei, wie schon ans dem Gebete bei Eröffnung jeder Sitzung hervorgehe, daß man aber keine Gründe mehr anfühcen könne, den Juden die Verwaltung von Staatsämtern und selbst einen Sitz im Parlamente zu versagen, sobald ihnen einmal die Verwaltung von Gemeindeämtern gestattet worden sei. Wie könne überdies wohl ein Jude, wenn er als Gemeindebeamter Polizeigerichtsbarkeit ausübe, Feier des Sonntags oder Arbeit am Sonnabend anordnen, wie könne er die christlichen Gesetze gegen Gotteslästerung zur Ausführung bringen? Die Juden haben ja selbst einen so großen Widerwillen gegen jede Einmischung von Christen in ihre Angelegenheiten, wie kamen sie dazu, von den Christen zu sodecn, daß diese deren Mitwirkung gestatten sollen? Für die Maßregel wurde angeführt, daß es sich ja keineswegs um Zulassung zu Staatsämtern handele und daß man um so weniger auf die Form des Eides Gewicht legen dürfe, da gewiß viele Christen nicht an das glauben, was sie bei Uebernahme eines Amtes bekennen müßten. Auch sprach sich die Meinung aus, daß es nicht unstatthaft sei, die Juden selbst im Parlamente zuzulassen. ALZ. Böhmen. P1? 6 g, 1. April. Eine in diesen Tagen hier bekannt gewordene Standeserhöhung beschäftigt die öffentliche Meinung wegen der dabei befolgten Grundsätze in nicht geringem Grade. Unter den zahlreichen böhmischen Fabrikanten nämlich, die sich durch großen Waarenabsatz ins Ausland auszeichnen, bekennen sich auch mehre zur jüdischen.Religion. Obwohl nun diese Letztern weniger von dem harten Druck unserer mittelalterlichen Judengesetze betroffen werden, und manche Begünstigungen vor ihren armem Glaubensgenossen genießen, so fühlen sie sich doch, gegenüber den christlichen Fabrikanten, durch jene Gesetze in ihrem Geschäftsbetriebe häufig beschrankt, was die Besitzer einer großen Druckfabrik veranlaßt, bei Hof einzukommen, daß man ihnen zur Erleichterung ihrer gedrückten äußern Stellung entweder ausnahmsweise die allgemeinen bürgerlichen Rechte verleihen, oder ihre gewerblichen Verdienste durch Erhebung in den Adelstand belohnen möge. Nachdem nun die Verhandlungen hierüber die Behörden zwei Jahre hindurch beschäftigt und diese sich dahin ausgesprochen hatten, daß den Juden, welche größere Fabriken besitzen und selbstständig betreiben, die allgemeinen bürgerlichen Rechte nicht vorenthalten werden sollen, wurde dessenungeachtet das auf dieses Ziel gerichtete Gesuch zwar abweisend beschieden, die erwähnten Fabrikbesitzer jedoch, auf besondere Verwendung unsers die Landesindustrie sehr fördernden Oberstburggrafen, durch eine Resolution in den erblichen Adelstand des österreichischen Kaiserthums erhoben, und hierdurch gewissermaßen factisch die Ansicht ausgesprochen, daß bei uns der Adelstand nicht das Höchste sei, was das Ziel des Strebens der jüdischen Unterthanenn bilden dürfe, daß sie bei sonst hinreichender Vermögenslage wohl Ritterschilde und Wappendiplome, nicht aber den Eintritt in die bescheidenere Gilde des allgemeinen Bürgerthums erwerben können. (L.A.Z.) Ungarn. Zent-Miklos (an der Waag) 22. März. Die Verfolgung der Ereignisse jedes noch so unbedeutenden Ortes, ist eine ergiebige Quelle zur Bereicherung der Menschenkenntniß und Erfahrung. Vielleicht wird es dem Leser Ihres geschätzten Blattes nicht unangenehm sein, wenn ich ihm in einen kleinen unansehnlichen Ott, an dem aber die Aenderungen der neueren Zeit nicht spurlos vorübergegangen sind, einführe. Die israelitischen Einwohner dieses Ortes belaufen sich auf ungefähr 400 Seelen. Sie treiben einen bedeutenden Holz-, Fell¬ und Branntwein-Handel, ohne die Kramer mit zu rechnen. Man kann sagen, daß sie insgesammt in guten Vermögensumständen sind. Einige Familien, durch Glück, rastlose Thätigkeit und gerühmte Oekonomie sind sogar bis zu einer Stufe des Reichthums gelangt. — Dazu glaube ich hat die geographische Lage nicht wenig Leigetragen. Galizien, Schlesien sind die benachbarten Provinzen, mit denen sie in bedeutendem Verkehr stehen, und der Waagfluß bietet ihnen das natürliche Mittel, das in dieser Gegend überflüssige Bauholz in holzarwe Gegenden zu versenden. Dieser Grad von Wohlstand und der Verkehr mit Auswärtigen berechtiget sie einigermaßen auf die Einwohner benachbarter Comitate mit' Stolz herabzusehen, und wirklich werden auch sie von ihnen als auch einer höher und lichtvolleren Stufe der Bildung stehenden angesehen. Aber nicht mit Unrecht. Schon vor Jahren waren die hiesigen Familienväter gewöhnt, wenn sie nur hinreichende Mittel hatten, ihre herangewachsene Kinder, um ihnen eine feinere Erziehung als es in dieser Gegend möglich war, zugeben, nach dem Ausland, und vorzüglich nach der Hauptstadt Böhmens zu schicken. Mit Kenntnissen, Erfahrungen, feinerer Bildung und Politur kehrten sie in ihre Vaterstadt zurück und verpflanzten ihre mitgebrachten Ideen und Meinungen auch in die Herzen ihrer Jugendfreunde. So verbreitete sich auch die deutsche Sprache und Schrift, die in früheren Zeiten hier sehr selten war, und dem der ihrer nur einigermaßen mächtig war zu bedeutenden Vermögen verhalf. Löblich ist der in neuerer Zeit gebildeter Leseverein, welcher beabsichtiget die neuen Ideen zu verbreiten, für das Interesse des Judenthums die Gemächer empfänglich zu machen, und die zum Jndefferentismus Geneigten in Anregung zu bringen. Zu diesem Behufs werden alle Werke ausgezeichneter Israeliten, die mit glühen- 16*

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