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Der Orient · 1841-04-10 · Heft 15 (10.4.1841) · p. Seite 116

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 15 (10.4.1841)
Article
Posen: Mißverhältnis zwischen der aufgeklärten Gemeinde und ihren Rabbiner
Date
1841-04-10
Page
Seite 116 (sequence 2)
Language
German
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116 Gleichstellung mit den andern Konfessionen erstreben, nach völliger Emancipation schmachten, für den reinen Glauben kämpfen, und mit aller Scharfe der Kritik von unfern Gelehrten bewiesen wird, daß der Judaismus der Perfectibilität nicht nur fähig, sondern ihr hold und sogar verpflichtet ift! — Da dem Präses des Gemeinde-Vorstand-Collegiums, der einige Jahre hindurch Beweise einer consequenten Beharrlichkeit für die Sache des Allgemeinwohls und des Fortschritts im Judenthume gegeben, jetzt als Kollegen Männer, von gleichem Geiste beseelt, zur Seite stehen, so geben wir uns der frohen Hoffnung hin, daß sie, so lange es Tag ist, wirken, wahrend der Zeit ihres Regiments Alles anwenden werden, um der heillosen, alle Erleuchtung und Erbauung im Judenthume unserer Stadt störenden Autorität des Rabbiners hemmend entgegen zu' treten. Besonders aber können wir nicht umhin, dem geehrten Corporationsvorstande, den wir unter den Zuhörern des Sabbat-Sachor-Vortrages nicht bemerkten, ans Herz zu legen, dem Polen Salomon Eg er vorzustellen, in Zukunft die rabbinifchen Studien zu machen und unsere deutsche Muttersprache zu erlernen. Wir weinen hiermit nicht etwa seine Paraphrase zu den talmudischen Worten ps* W>n pN D^HJl „wenn keine kleine Schöpsen, woher werden die Großen kommen, wo, vielleicht auf den Kandidaten anspielend, in der Manier eines Hexenwei- Les fortgefahren wurde „Matschek oder Pawel werden doch keine Schales paskenen können", oder die Erklärung der Worte uy top rw.nrprrn „sie lernen ab von allen Völkern, weit sie sich vor den Christen schämen, wollen sie keine Mizwos verkaufen". -— Und wer kennt nicht jenes abscheuliche Kauderwelsch, die grenzlosen Abgeschmacktheiten der polnischen Rabbiner, wie sie oft in ihrer Unwiffenheit unsere Religion lästern, unsere Gesetze schmähen, ohne es zu ahnen! Wer kennt nicht jene Rabbinen, die nie eine Schule, nie eine Hochschule besucht, die nie eine Ahnung von jüdisch-theologischer Gelehrsamkeit haben und durch einen finstern Aberglauben, durch einen fast verzehrenden Fanatismus ihre Nacktheit zu bedecken meinen! — Wir können von einem polnischen Rabbiner keine Sprachreinheit, oder gar Sorgfalt in den Ausdrücken verlangen. Wir möchten aber mit dem Propheten ausrufen m rvon rrn myDn! Sollen denn die gleichsam im divinatorischen Geiste gesprochenen Worte des mit Jz. Unterzeichneten Aufsatzes „im Orient" wirklich in Erfüllung gehen?! „Das Gotteshaus ist ihnen geworden zum Spotteshaus." Wie werden die Herren Vorsteher durch Entfernung des polnisch-rabbinischen Mißbrauchs aus der Synagoge sich der Dankbarkeit unserer spätesten Enkel zu erfreuen haben! wie werden die meisten Städte der Provinz, von denen wohl keine so stark heimgesucht sein mag, die aber dennoch auf unser Beispiel harren, und in Cultusangelegenheiten uns nicht aus den Augen lassen, ein solch gemeinnütziges Streben, dieses unverzögerliche heilige Werk segnen! K z. Böhmen. d Pvög, 25. Marz. Die am 29. Febr. d. I. abgehaltene öffentliche Prüfung der Schülerinnen an der Lehr- und Erziehungsanstalt für isr. Mädchen der Frau Charlotte Löw erfreute sich wieder eines allgemeinen Beifalls, und zeigte auch dies Mal, daß sie in jeder Beziehung ihre gestellte Aufgabe zu lösen weiß. Ohne glanzen zu wollen wird hier vielmehr das Wissen dem Gewußten vorgezogen und der Geist einer sicheren Pädagogik waltet zart aber nicht pedantisch schroff hervor. — Nicht mit zu vielen Unterrichtsgegenständen überfüllt bietet die Anstalt dem isr. Mädchen die beste Grundlage, mit welchem es durch's Leben wandeln und sich weiter in demselben fortbilden kann. — Außer den weiblichen Handarbeiten und den Elementargegenständen werden folgende Gegenstände mit sehr günstigem Erfolg unterrichtet: Religion, Bibel, Uebersetzung der hebr. Gebete, Geographie, Weltgeschichte, Stylübung, Physik, Französisch und Musik. — Die Vorsteherin des noch in der Blüthe stehenden Institutes leitet das Ganze und der durch feine außecordendentlich gute Methode mhmlichst bekannte und sehr zu empfehlende Lehrer Herr Brandeis, so wie noch eine thatige Lehrerin im Französischen, stehen ihr würdig zur Seite. — Traurig aber ist es, daß im Allgemeinen solchen heilsamen Anstalten so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, unv diese in ihrer.Art einzige in Böhmen zählt kaum mehr als 16 Schülerinnen, welche Bemerkung mich auf das so traurige Resultat brachte, daß die Aufgabe kn Betreff der Erziehung und Bildung der isr. Töchter noch lange nicht gelöst ist. Möchten doch daher unsere Volkslehrer auf das Erhalten und Gedeihen solcher Institute ihr Augenmerk richten, damit Israel in nichts der Erleuchtung des Tages nachstehe. — Zum Schlüsse dieser kurzgefaßten Bemerkung wollen wir noch die Israeliten Böhmens besonders auf besprochene Erziehungs- und Untecrichtsanstalt der FrauCharlotte Löw Hinweisen, die mit allen Kräften sich bemüht, für die weibliche Jugend Israels so segensreich zu wirken. Amerika. Leipzig. In der Bibliothek der neuesten Weltkunde von Malten (1840. 9 Thle.) wird unter der allgemeinen Ueberschrift: „Sittliches, religiöses und politisches Leben der Völker" ein Aufsatz mitgetheilt, überschrieben: „die Juden in Amerika", entnommen aus der iw Philadelphia erscheinenden deutschen Zeitung: die alte und neue Welt. Man sieht aus diesem Aufsatze,

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