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Der Orient · 1841-04-10 · Heft 15 (10.4.1841) · p. Seite 115

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 15 (10.4.1841)
Article
Breslau : Jubiläum der Wilhelmsschule [Nachricht]
Date
1841-04-10
Page
Seite 115 (sequence 2)
Language
German
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treffe, zu erkennen zu. geben. Der Prediger, Herr Dr. Geiger, sprach einige schöne Worte zum Andenken der edlen Tobten, die sich um die Wilhelmsschule verdient gemacht, woran denn noch andere Vorträge sich reihetmin denen die Wünsche für das theure Vaterland ausgesprochen wurden, dessen Regierung auch das Wohl der jüdischen Einwohner stets im Auge habe. (Pr. Sztg.) Posen, 8. März. (Schluß.) Der" Andrang von Zuhörern war diesmal noch stärker, Hausflur und Treppe von Menschen überfüllt, weshalb man sich genöthigt sah, bekannt zu machen, daß in. Zukunft Niemanden ohne Karte der Eintritt zu den religiösen Vortragen gestattet sein soll. Alle waren gespannt auf den Sabbat Schira, an welchem der Redner auch über den Zweck des an demselben Tage (15. Schebat) vor einem Viertel-Jahrhundert gestifteten Vereins sich verbreiten sollte, als der Polizeidirektor dem Vorstand wegen der eben eingelaufenen Denunciotion sein Bedenken zu erkennen und zugleich den Rath an die Hand gab, den Rabbiner, der diesmal die noch nicht bewiesene Fähigkeit zum Predigen zum Vorwand vorschützte., zu dem morgen abzuhaltenden Vortrage einzuladen, der ja auch einigermaßen als Prüfung dienen könnte. Auf diese Einladung erwiederte der Rabbiner den Vorstehern — wie voraus zu sehen war —, daß er nicht kommen, daß er den Vortrag zwar stören könnte, aber nicht stören werde. — Es wird aber in Zukunft, wie billig, der polnische Rabbi, der für unsere Provinz ohnehin nicht paßt, wenig berücksichtigt werden können, da er der deutschen Sprache nicht mächtig ist, und folglich nicht predigen kann. — Da das eben Mitzurheilende am meisten den verdächtigen Anschein einer absichtlichen Entstellung an sich tragen könnte, so fordern wir hier nochmals, um die Wahrheit unserer Aussage durch die vollgültigsten Beweise zu erhärten, die verehrlichen Vorsteher des Bcüdervereins auf, im Falle der Berichterstatter die Sachen entstelle, oder auch nur im Geringsten übertreibe, ihn in diesen Blättern Lügen zu strafen. Der Herr Rabbiner rieth dem Vorstande, doch nicht an ihrem Barte den Kandidaten scheeren lernen zu lassen. Das ist ein sehr vernünftiger, die geläutertesten Grundsätze und die uneigennützigste Humanität verratender Rarhl Auch alle. Superintendenten' rächen ihren Gemeinden, doch ja die Kandidaten nicht predigen zu. lassen, damit sie nicht an ihrem Barte scheeren lernen. Ja Herr Rabbi, diese Worte allein schon wären hinreichend, Charakter und Streben für das Allgemeinwohl, wahrhafte Nächstenliebe zu bekunden, die. sich sogar bis auf den Bart der Nebenmenschen erstreckt. — Auch die von dem Redner anempfohlene Abschaffung der Mizwotversteigerung suchte der Rabbiner anzuschwäczen und cmzufeinden ins fcre verbäs. „Gleich im zweiten Vortrage. hat er Euch schon befohlen, das Mizwotverkaufm abzuschaffen." Dem Vorstmrd, der sich dem Rabbiner mit den Worten empfahl: „Ww wissen Hr. Rabbiner, daß sie nicht erlauben dürfen, wir aber hoffen, daß?' sie uns den morgenden Genuß nicht stören, werden?" wurde geantwortet: „So wahr ich Poseneu Rabbiner bin, ich werde nicht stören." Also Freitag in der Abenddämmerung (ereb kehabbat faen liascliemasßliotj doch die Winternächte sind lang. — Sonnabend um 10 Uhr zeigte der Polizeidirektor dem ihn zur Anhörung der Rede einladenden Vorsteher, die so eben an ihn eingegangene unerbittlich protestirende Denunciation des Rabbiners, der durchaus auf Störung des Vortrages beharrte (Aber warum achtet man auf solche Einschüchterungen?) — Ist ein so zweideutiges, schwankendes Benehmen, ein so auffallender Widerspruch zwischen gestern Abend und heute Morgen an einem Rabbiner nicht unerklärlich? Nichts weniger, als dieses! In der Einladung zum Anhorm des Vortrages, zumal sie vom. Polizeidirektor ausging, der eine Art Prüfung damit verknüpft habenwollte, sah der Rabbiner für sich eine Schlinge gelegt.; er war, so zu sagen ,, verdutzt und verblüfft,, sah sich gefangen und versprach so. auf fein Ehrenwort „so wahr er Posener Rabbiner ist", nicht zu stören. Als spater sein Beirath den gegebenen Bescheid erfuhr, zeigte er dem Rabbiner wahrscheinlich, wie, wenn diesmal zugegeben, die Reden des Herrn Wiener wohl auch in. der Folge nicht leicht gestört, werden könnten, und so begann denn gleich am Sonnabend von neuem die Angeberei, das für den Augenblick wenigstens den Zweck verfehlte. -— Ja leider nur für den Augenblick. Um sich in den Augen der Behörde zu rechtfertigen, die ihm vorstelltt/ er bekunde durch sein Benehmen eine gewisse Schwache, als fürchte er, neben seinem Rivalen verdunkelt zu werden, entblödete er sich nicht vorzubringen, der Kandidat hatte in seinen drei in Posen öffentlich gehaltenen Vorträgen nur seine Unfähigkeit zum Predigenbewiesen. Bei der Ignoranz und Absurdität einest ausländischen russisch-polnischen, der Landessprache unkundigen, das Judenthum nichtkennenden Rabbi kann ss uns allerdings nicht befremden, wenn als Beweise, daß dem Kandidaten die Kenntniß des Judenthums abgehe, von unserm Hrn. Rabbiner in seinem jüngsten Anträge bei dem Polizeidirektorium angeführt wurde: 1) daß er keinen Segen für den Ortsrabbiner und die andern Gelehrten spreche; 2) daß er gegen die Satzungen des Judenthums in einem Käppchen, statt in einem Hure predige; 3) daß er Conft'cmanden-Unterricht erthekle, was gegen dm Befehl'des Staats (?) und die Lehren der Synagoge zugleich verstößt; 4) trägt er am Sonnabend seine Gebetbücher über die Straße (welches Verbrechen!). So suchtunser Rabbi in seinem mittelalterlichen Vorurtheile, das lautere Streben unserer aufgeklärten Gemeinde bei der Behörde zrrverdächtigm und spinnt in Bezug auf dm Consirmandm-Unterricht ein Gewebe der Angeberei an, zu einer Zeit, wo wir durch Fortschritte auf dem Gebiete der Kultur unsere 15*

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