Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1841)
- Article
- Algier: Statistik der Juden daselbst
- Date
- 1841-04-03
- Page
- Seite 107 (sequence 2)
- Language
- German
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107 ihre Heirathen fruchtbar , und in dem Maaße als die Gewohnheit zu arbeiten das Elend verscheucht, werden sich ihre Kinder besser erhalten. (Schl, f.) Deutschland. Posen, 8. Marz.J) Wenn ich bei Besprechung der Posener Angelegenheiten einen Gegenstand, der nicht nur die Aufmerksamkeit unserer Stadt, sondern auch der Provinz in Einspruch zu nehmen verdient, bisher unerörtert gelassen, so lag dies Ln der Vorsicht, durch Mit-' theilung der Schritte, die man für das allgemeine Beste und die gerechte Sache gethan habe, und noch fortwährend thut, den Feinden des Lichts und religiöser Aufklärung nicht neue Mittel zu ihrem Treiben und Zwecken in die Hand zu geben. — Die schon im Eingänge wir unwillkührlich entschlüpfte Klage-Geschichte veranlaßt mich, gleich hier die verehrlichen Vorsteher der deutschen Synagoge und des Brüdervereins, die bei dem hier zur Sprache gebrachten Gegenstand in eigner Person thätig waren, im Namen und Interesse der Wahrheit aufzufocdern, im Falle sich der Referent einer Entstellung oder Verdunkelung der Wahrheit schuldig mache, ihn der Lüge zu zeihen. — Wenn wir nun Euch Brüdern in der Ferne über die Wunden klagen, die wir noch lange nicht verschmerzen werden, so rufen wir Euch zugleich mit Hiob zu: „wendet Euch zu uns und erstaunet;^ aber leget die Hand nicht auf den Mund, noch' müssig in den Schooß; denn nicht blos, wie einer der gedrückten Gemüchs reden wir aus der Fülle'des Kummers und der Kränkung, um etwa unseren Herzen Erleichterung zu'verschaffen; sondern damit die Einsichtsvollen uns beistehen und alle die redlich gesinnten und erleuchteten Israeliten uns unterstützen mit ihrer Rathfchlagen. — Sed ab initio es! ordiendum« , Im Mai v. I. wurde der Kandidat der jüdischen Theologie, Herr Wiener, von den Vorstehern der hiesigen sogenannten deutschen Synagoge aufgefordert, Behufs einer mit ihm beabsichtigten Anstellung, eine Prolberede zu hatten. Bereitwillig zur Ausführung des an ihn ergangenen ehrenoollen Auftrages, behielt sich derselbe jedoch die Erlaubniß des Rabbiners vor, 1 2) dessen Bekanntschaft er schon in Kalisch, dem früheren Aufenthaltsorte Beider, gemacht hatte. Die gedachten Herren Vorsteher, die sich unter keiner Bedingung an den Rabbiner wenden wollten, wurden jedoch, nachdem Herr 1) Die Redaction thcilt folgende Correspondenz mit t obgleich sie als zu speclell und zu oft wiederkehrend kein allgemeines Interesse hat, um ein Bild jener großen Gemeinde des Herzog-chums zu geben. Ueber die Auslassungen habe ich nur zu bemerken, daß daß hier eine Censur ist. Red. 2) Das mar aber ganz unnöthig; so viel Erfahrung sollte jeder Candidat haben,, daß die Einladung der Vorsteher allein hinreicht. Red. . Wienet die beanspruchte Erlaubniß gehörig motivirt, endlich dahin gewonnen, daß — um den leider noch immer ominösen Namen Predigt und Rede zu umgehen, der Antrag an den Rabbiner in folgenden Worten mündlich formict werde und auch wurde: „Da wir entschlossen sind,uns in unserer Schule den Inhalt des Wochenabschnitts von Herrn Wiener vortragen und erklären zu lassen, der durch höchst vortheilhaste Zeugnisse von mehreren namhaften Gelehrten, worunter auch des Berliner Rabbiners, empfohlen ist: so wenden wir uns an den Herrn Rabbiner mit der Frage, ob Sie Gelegenheit hatten, denselben in Kalifch von einer würdigen Seite kennen zu lernen." Der Rabbiner hatte sich schon einige Tage früher bei einer andern Gelegenheit über die Charakterfestigkeit, wie über die religiöse Führung des 5jercn Wiener vortheilhast geäußert; um so abstoßender, wenn auch gerade nicht zu überraschend, war daher die höchst unpassende Antwort: „ich werde es überlegen." Der Rabbiner wollte sich vielleicht, wie man .e§ nur mit allzug.roßer Wahrscheinlichkeit vermuthet, bei einem ihn fast bevormundenden Schreiber Raths erholen. Den ehrwürdigen Vorstehern wurde nachher geantwortet: es könnte aus vielen Gründen nicht zugegeben werden. Als man sich aber mit so vagen, zweideutigen Ausflüchten nicht wollte abweisen lassen, erfolgten zwei sehr triftige Gründe, nämlich: 1) ist der Kandidat nicht verheirathetz 2) ist er kein Hiesiger. (Herr Wiener ist übriges unser Landsmann, und seine Vaterstadt, Murowani Goßlin, nur zwei Meilen von hier entfernt). Alle besser Gesinnten ermunterten Herrn Wiener, sich doch nicht dem bekannten Ehrgeiz eines polnischen, unsere Verhältnisse nicht kennenden Rabbinen zu fügen, und waren voller freudigen Erwartung des in der diesmal mehr als gewöhnlich geschmückten Betschule anzuhörenden erbauenden Psingstvortrages, als der Rabbiner den Kandidaten am Sonnabend Nachmittags, dem Psingst-Vorabend, zu sich lud, ihn fragend, ob es denn gegründet sei, daß er trotz der verweigerten Erlaubniß vortragen werde. Die Antwort des Herrn Wiener war, wie man aus ganz sicherer Quelle weiß, 3) folgende: Nicht ohne viele Ueberlegung, sondern'vielmehr recht absichtlich, wurde jener Antrag dahin gestellt, ob Sie nach Kenntnißnahme von meiner Persönlichkeit mich für würdig finden, Vorträge zu halten, nicht aber wurde Ihre Genehmigung für die Sache an und für sich selbst nachgesucht. Wenn Ihnen nun aber ein studirter jüdischer Theologe schon in so fern nicht behagt, so hätten Sie der Würde Ihres Standes gemäß offen und entschieden Antworten müssen. Ihr Vorschützen von vielen geheimen Gründen aber, sind nur dazu geeignet, einen jun- 3) Referent hat den Hergang der Sache von Anfang an genau verfolgt und sich <mdj Abschriften der Regierungs - und Ministerial-Verfügungen La dieser Angelegenheit verschafft. 14*