Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1841)
- Article
- Pesth: Folgen nach dem letzten Landtage ...
- Date
- 1841-03-27
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
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100 haben. Die Volkserziehung hat bisher gänzlich im Argen gelegen/ von Schulen ist so gut wie gar keine Rede gewesen; von dem ununkerrichteten Vater hat sich dieses Nebel auf den Sohn vererbt und fortgepflanzt bis ins tausendste Glied. Was in der Zugend versäumt wurde/ konnte eine spatere Zeit um keinen Preis nachholen, und die Synagoge, besetzt mit starren Talmudisten und ungebildeten Männern, die nichts verstanden, als mit eherner Consequenz über dem Ritualgesetze zu wachen, war keineswegs im Stande, den Geist zu nahem oder über seine heiligsten Interessen aufzuklaren, sondern schlug ihn vielmehr in die Fessel« einer gedankenlosen Satzung. (Beschluß folgt.) Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen" Geschichte der *GesenwÄrt. Rabbi Samuel Halvvy, ein Familienbild aus der neuesten Geschichte der Israeliten. (Fortsetzung und Schluß.) Hierauf entfernte sie sich und warf sich zu des Paschas Füßen und flehete ihn an, ihr den Vater zu lassen, und ihr Leben statt des seinigen zu nehmen. Steh auf Mädchen, erwiderte der Statthalter bewegt, denn Rahels treue Augen hatten selbst sein steinernes Herz gerührt, und halte die Gerechtigkeit nicht mit deinem Winseln auf, nur eine kurze Frist kann ich deinem Vater gewähren, in welcher er nachdenke, daß es doch besser sei, ein Gestandniß, das ihm Freiheit und Leben bringt, einem langsamen und schmählichen Lode vorzuziehen. Auch für diese Gnade, großmächtiger Herr, meinen innigsten Dank, und nachdem sie sich noch eine zweite Gnade bei demselben ausgetreten, ihren Vater nämlich, so wie ihren Bräutigam im Gefängnisse besuchen zu dürfen, gab der Statthalter dem Richter ein Zeichen und die Blutscene hatte für heute ein Ende. Frohen gläubigen MuLheS verließ Rabbi Samuel Halevi die Nichtstätte und gefolgt von seiner liebenden Lochtee wurde er ins Gesängniß zürückgeführt. — 4L Schon Ovaren zwei fürchterliche Wochen vorüber, ohne daß den beiden Gefangenen ein milder Lrost zu ihrer Rettung wurde, Vielmehr wurden sie stets noch von dem furchtbaren Gedanken gepeinigt, daß man sie wieder zum Nichtplatze führen könne. Ihre einzige Freude, die ihnen in diesem traurigen Ereignisse geblieben war, daß Rahel ihr trauriges Loos versüßen durfte. Es war schon spät in der Nacht, nur den Mauerschweiß, der von den Wanden des fürchterlichen Gefängnisses troff, konnte man noch erkennen. — Das Gerassel der Ketten, das Gewinsel der Gemarterten , die durch Stoßseufzer den Schmerz sich zu lindern suchten, sprachen höhnend gegen das Naturrecht der Menschen, die durch die Vernunft sich einen Vorzug vor den Lhieren einraumen. Von der Ketten schwerer Last niedergedrückt ruhte Jehuda aus seinem steinernen Lager. Sein Rücken war zerfleischt von den Schlägen seiner Kerkermeister, seine Hände und Füße wund gerieben von dem schweren Eisen, welches ihn zusammendrückte. Sein Haar hing ihm verwildert um das bleiche abgezehrte Gesicht. Kein milder Schein des Mondes strahlte freundlich durch die geringe Maueröffnung. Da rasselte die Lhür feines Gefängnisses, ein Mädchen trat ein, es war seine Geliebte. Mit Lhranenden Augen stürzte sie auf den gefesselten Bräutigam, und trotz der schweren Ketten die fast seinen ganzen Körper umgaben, lag sie an seinem Halse und benetzte mit ihren Lhranen sein blasses Antlitz. Fasse Much mein Jehuda rief sie mit halberstickter Stimme, der Herr wird schon unser Gebet erhören, er ist es ja, der die Gebeugten aufrichtet, und den Dürftigen aus dem Koth erhebt und die Gefesselten frei macht. Sieh, ich komme eben von meinem Vater, fuhr sie nach einer Pause fort, er harret gläubig aus bei seinem Glauben, keine Folter vermag ihn zu erschrecken, ja der fürchterlichste Lod ist ihm ein leichtes Spiel, wenn es der Wahrheit und dem Glauben gilt. Von seinen Lippen quillt reicher Lrost für uns, ich, der ich ihm Muth einzuflößen kam, fand in dem düsteren Kerker den mit gläubigem Lroste erfüllten Mann. Lheures Mädchen, antwortete weinend der Jüngling, tiefgerührt von dem Balsam, der von deinen süßen Lippen auf mich strömt, kann ich dir auch meine Ruhe aus tiefster innerster Seele versichern. Der Herr schlägt mit der Rechten und heilet mit der Linken. Ist es mir bestimmt zu fallen in dieser blutigen Zeit, so sterbe ich in dem Glauben meiner Vater und in dem süßen Bewußtsein deiner ewigen Liebe. Weinend küßte das Mädchen die blassen Wangen ihres Jehuda, und in der Gesellschaft dieses holden Engels vergaß er Kerker, Folter und Tod. Siehst du, Rahel, fuhr er fort, wie mich meine Ahnung nicht getäuscht. Das geheime Weh, welches ich schon lange fühlte, ist mir ein warnender Wink des Schicksals gewesen; er sollte mich zu meinen jetzigen Leiden vorbereiten. Wohl hat der Herr, versetzte Rahel in die Natur des Menschen etwas gelegt, wodurch er an den Wechsel der Lebensverhaltniffe erinnert werde, nur daß der schwache Mensch sehr oft dieses Zeichen mißdeutet und die Warnung leichtsinnig übergeht, die in seinem Innern laut wird. , Diese Mißdeutung Geliebte, entgegnete Jehuda liegt in der Schwäche des menschlichen Geistes; denn es ist