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Der Orient · 1841-03-27 · Heft 13 (27.3.1841) · p. Seite 99

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 13 (27.3.1841)
Article
Prag : Aufhebung einer Beschränkung ... [Nachricht]
Date
1841-03-27
Page
Seite 99 (sequence 2)
Language
German
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99 Betreff der während des Sommers in Bubmtsch wohnenden Israeliten zurückgenommen. — Mögen die Israeliten durch ein anständiges, sittiges Betragen zeigen, daß sie dieses erfreulichen Zeichens der Zeit würdig sind, damit man fernerhin keinen Anlaß finde, Israel fühlen zu lassen, den gelbew, fahlen Fleck des Mittelalters. — Ungarn. Pesth, 8. Febr. Es wird endlich wohl einmal von Nutzen sein, unsre hierländischen Angelegenheiten, wie sie sich in jüngster Zeit, und namentlich nach dem letzten, für die Juden Ungarns so historisch merkwürdigen Landtage, gestaltet haben, in ein Bild einzurahmen, um dasselbe mit der Zeit vor demselben vergleichen zu können, die, und wenn der abgelaufene TeÄnin auch noch so kurz erscheint, dennoch als eine abgeschlossene, ein Epoche endende Vergangenheit hinter uns liegt. Nur erst ein halbes Jahr ist es her, daß der für die Juden Ungarns ewig denkwürdige Landtag geschlossen wurde, der zwar mehr versprach, als er erfüllte, dennoch aber große Kräfte freigemacht, viele Fesseln zersprengt hat. Es ist ein sehr kurzer Zeitraum, seit dem die junge jüdische Freiheit zu Welt geboren worden ist, und wollen wir darum nicht ungerecht werden, - so dürfen wir unsre Forderungen an ihre Leistungen nicht zu hoch spannen, müssen uns in vielen Dingen mit der Hoffnung aufs Künftige zufrieden stellen, dürfen wir uns nicht sowohl an das Vollbrachte halten, als vielmehr an das strebende, an die moralische That. Der verwichene Landtag ist von großen moralischen Folgen für das Judenthum geworden, auch selbst nach der Beschränkung seiner edelherzigen Beschlüsse durch die königl. Landesregierung; ja er würde sogar beinahe dieselben moralischen Folgen geäußert haben, wenn auch die das Judenthum betreffenden fast einmüthigen Beschlüsse beider Ständetafeln von der Staatsregierung abgelehnt und zurückgewiesen worden wären. Als erste große Folge ist die Annäherung beider in Ungarn lebenden Völker, der Magyaren und Juden zu betrachten. Der durch den Landtag hervorgerufene, große Humanitätsact von Seiten der Magyaren hat in den Herzen der Juden die reinsten Gefühle, den schönsten Glauben, die theuersten Vorsätze entzündet, hat .mit der Menschheit versöhnt, hat dem'innern Leben und Streben neue Triebkraft gegeben und ein herrliches Band um die Bevölkerung des gemeinsamen Vaterlandes geschlungen, das früher oder später mit magischer Kraft immer fester und fester an dasselbe knüpfen, für dasselbe bethätigen wird. Dieser Liebeszauber wäre auch dann selbst geblieben, 'wenn der Landtag keine wohlthuenden Folgen gehabt hatte; es wäre die eine gewaltige und große Ueberzeugung in den Herzen aller Israeliten geblieben, daß das Volk, welches mit ihnen .Ungarns Erde bewohnt, sie nicht ausstoßen wolle als Fremdlinge, sondern willkommen heißen als Brüder. Glücklich, daß diese Zuversicht verstärkt worden ist durch die, wenn auch nur theilweise königl. Sänction. Jetzt liegt der Liebe zu Volk und Vaterland, dem Hoffen und Streben der Israeliten ein Ziel vor, jetzt ist die That nicht mehr beschränkt auf ein Jnners, auf ein elegisches Ausbilden von Kräften, die im Leben sich nicht äußern dürfen, jetzt darf der Wille, die Kraft, das moralische Bewußtsein nach Außen sich richten, für das Vaterland sich bethätigen, in, durch und für das Vaterland sich äußern und entwickeln. Jetzt schweifen die Blicke über die engen Räume der Gemeinden und Synagogen, jetzt ist nicht mehr Nothwehc gegen Hunger und Beschränkung die Losung, sondern Ausbildung des Volkslebens auf vaterländischer Basis; jetzt vergleicht der innere Sinn die Wohlthaten, die das Vaterland bietet, mit den Kräften und Fähigkeiten, die man auf dem Altäre des Vaterlandes niederzulegen vermag; jetzt blickt das Auge in die Ferne, auf weiter ausgebildete Gemeinden, namentlich Deutschland, um zu erfahrenwas da fehlt und wo es, fehlt; jetzt macht man nicht sowohl Ansprüche und Forderungen an das Vaterland, sondern an sich selbst. Mit einem Worte, der verwichene Landtag hat ein großes, ein entschiedenes Resultat herbeigeführt, er hat die jüdischen Gemeinden Ungarn aus der durch die Beschränkung natürlich gewordenen Trägheit aufgerüttelt, hat sie der Gedankenlosigkeit entrissen, in welcher sie unter dem Drucke des moralischen Alps ihre Zustande verschliefen und verträumten. Jedes Wort des Vorwurfes in dieser Hinsicht, sobald es eine frühere Zeit angeht, ist eigentlich ein Unrecht gegen uns, und es mögen ja die Juden Deutschlands bedenken, wie es bei Ihnen vor etwa 25 Jahren noch aussah, und warum sie da in derselben Lethargie begraben lagen. Aber wenn wir nun von jetzt ab nicht rüstig und kräftig vorwärts streben, wenn wir nicht alle Kräfte bethätigen, um unsre Verhältnisse in den gehörigen Einklang zu setzen, dann (reffe uns mit Recht ihr Vorwurf; dann bezüchtige man uns der Gleichgiltigkeit; der Unempfindlichkeit; allein man wird dies, so Gott will, nicht können. Freilich ist seit dem Beginn der neuen Zeit noch nicht viel Augenfälliges in's Leben getreten, aber man bedenke auch, daß seit dem Schlüsse des Epoche machenden Landtages erst ein halbes Jahr verflossen ist, und daß dieser Zeitraum in dem Leben eines Volkes ein gar kurzer Abschnitt ist. Ist aber auch noch nicht viel Augenfälliges geschehen, so haben wir doch bereits schon Großes gewonnen, nämlich Ueberzeugung und Bewußtsein. Wir kennen bereits, wo es uns fehlt, und was uns fehlt und bekannter'Maßen ist diese Selbsterkenntniß schon ein großer Fortschritt. Unterricht und Erziehung, und zwar im ausgedehntesten Sinne des Wortes, in Rücksicht auf Klein und Groß, auf Schule und Synagoge, das ist das Erste, was wir zu bedenken, was wir zu erstrem auszubilden 13*

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