Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-03-13 · Heft 11 (13.3.1841) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 11 (13.3.1841)
Article
Würzburg: Streben der Regierung für jüdische Schulen
Date
1841-03-13
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360147-2360159-2365064--1546-2365091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

86 an größere und wichtigere Resultate, als welche jene Verordnung haben wird , die auch ein Gebet für den König in die Schule verweist. Die schuldige Ehrfurcht vor dem Oberhaupte des Staates, die Liebe zu Fürst und Vaterland, das Bewußftin von dem hohen Amte und der heiligen Stellung des Monarchen, laßt sich nach unsecm Dafürhalten durch ein solches Gebet nicht wecken, es muß vielmehr dasselbe durch seine alltägliche Wiederkehr die Sache bis zur Gedankenlosigkeit herabwürdigen. Eine ungleich wichtigere Ausgabe, als die Abfassung eines solchen Schulgebetes (welche nebenbei gesagt die Rabbinen bereits gelöst haben, indem das von dem Rabbinen Laib ach er verfaßte Gebet für das zweckmäßigste und darum m allen Schulen einzuführende erklärt wurde) ist jetzt den Rabbinen geworden, indem sie ihre Gutachten über Lehrpläne und Lehrbücher an die königl. Kreisregierung abzugeben hatten. Diese Maßregel hat jedoch zu keinem genügenden Resultate geführt, indem die einzeln gemachten Eingaben so auseinander gingen, daß daraus ein Ganzes nicht hat gebildet werden können. Darum macht nun die Kreisregierung den Rabbinen jetzt zur Aufgabe, in einer Synode sich zu vereinigen und hier über Plan und Lehrmittel durch Berathung zur Einheit zu kommen. Doch wir wollen dR deshalb ergangene Verordnung unfern Lesern selbst mittheilen: Würzburg, 11. Jan. 1841. Im Namen Sr. Maj. des Königs. Aus den Vorlagen der einzelnen Distrikts- Rabbiner über einen Unterrichtsplan für israelitische Religionsschulen und über einzuführende gleichförmige Lehrbücher, hat Unterzeichnete Stelle ersehen, daß in beiden Beziehungen noch große Meinungsverschiedenheit obwaltet. Zur Beseitigung derselben und zur Erzielung des nothwendig gleichmäßigen Verfahrens und zugleich um den, seit erst kurzer Zeit in ihrem Wirkungskreise befindlichen Distriktsrabbinecn Gelegenheit zu geben, von der Erfahrung Nutzen zu ziehen, sieht sich Unterzeichnete Stelle zu dbr Verfügung veranlaßt: 1) die Distrikts- Rabbiner des Regierungsbezirkes haben sich gemeinsam über den Entwurf eines Unterrichtsplanes und über einzuführende Lehrbücher in den israel. Neligionsschulen zu berath'en und zu vereinbaren. 2) Die desfallsigen Berathungen haben unter Leitung des Distriktsrabbiners Bamberger zu Würzburg statt zu finden, der daher im Vernehmen mit den übrigen Distriktsrabbinern Zeit und Ort des Zusammentritts zu bestimmen hat. 3) Der Entwurf ist einfach, kurz und bündig abzufassen, die Motive sind besonders darzulegen. 4) Bei Auswahl der Lehrbücher ist auf Angemessenheit des Inhalts, auf möglichste Wohlfeilheit, guten, den Augen unschädlichen Druck u. dergl. zu sehen. Auch soll die Zahl der Lehrbücher das absolut nothwendige nicht übersteigen. 5) Zur gründlichen Erledigung vorstehender Weisungen wird der Termin von einem Jahre hiermit gestattet. Hiervon sind die betreffenden Distriktsrabbiner alsbald ln Kenntniß zu setzen. Königl. Regierung von Unterfranken und Aschaffenbucg. Kammer des Innern. Graf Fugger." Nächstens theile ich Ihnen ein Mehres mit. Dr. M egas. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Rabbi Samuel Halvvy, ein Fami'lienbild aus der neuesten Geschichte der Israeliten. (Fortsetzung.) Der Mensch kann sich seinen Himmel schon hinieden bauen, wenn er ihn in seiner Brust aufgebaut tragt und sich nicht herabstimmen läßt von dem Wechsel der Zeit; aber diese mir so schöne Welt, mir allen ihren Pulsschlaaen des Glückes, würde ich hingeben, für die Liebe zu dir und meinem alten guten Vater. Unserem Ziele sind wir nahe, bald werde ich dein Weib und du Juda mein Gatte. Was rvollerrwir mehr? Warum uns die Zukunft mit einem trüben Schleier verhüllen? Warum die Sonne fliehen, die so reichlich ihre Strahlen uns sendet? Auch ich theures Mädchen, versetzte der Jüngling, fühle ganz diese von dir ansgesprochene Glückseligkeit, auch ich nenne wie du das Leben schön, das von Lausenden als ein -leerer Lraum bezeichnet wird. Auch mir ist die Zukunft nicht trübe, dein Besitz malt sie mir mit goldenen lieblichen Farben, auch weißt du, daß mir nichts widerwärtiger ist, als ein Mensch, der jedes ihm unerklärliche Spiel der Natur, als ein böses Zeichen auf sich zu deuten sucht. — Es ist dies der lebendige Egoismus, der die Rechte und Gesetze der Natur nach seinem Sinne modelt und eines schwankenden Phantomes willen seine Gesundheit untergräbt. Dennoch kann ich dir nicht verbergen, daß mir dies geheime Weh Furcht emflößt, die mich zit-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.