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Der Orient · 1841-02-20 · Heft 8 (20.2.1841) · p. Seite 64

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 8 (20.2.1841)
Article
Die karaitischen Handschriften ... [Nachricht]
Date
1841-02-20
Page
Seite 64 (sequence 2)
Language
German
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64 bräisch sind. Diese karattischen Schriften sind: 1) Verschiedene Parthien eines großen und weitläufigen Commentars über die ganze Bibel, von Jafet Ben Ali, der Abu-Ali el- Basri beigenamt ist. Dieser Schriftsteller, viele Male von Jbn-Esra in seinem Commentare citirt, blühete in der Mitte des 10. Jahrhunderts, und diesemncrch konnte er also nicht der Lehrer des Jbn-Esra gewesen sein, wie man aus Jrrthum behauptet hat. Hr. Munk fand in Kahira etwa zwanzig unvollständige Bände dieses Commmtars; sie umfaßten die Genesis, drei Sidra's von Exod (NN'', nbtfiO, JO), drei Sidra's von Leveticus NM nriN, jniSD)/ aber Numeei von der Sidra rbüf bis zu Ende, dann über die Psalmen, Sprüche, und endlich über die fünf Megillot. — 2) Eine arabische Uebersetzung des Pentateuch zum Gebrauche der Karatten. Diese Uebersetzung stimme fast immer mit derjenigen überein, die man im Commentar des Jafet findet. — 3) HNDIpD, oder Einleitungen zu allen Sidra's des Pentateuchs , verfaßt von Rabbi Samuel e l - M a g h r e b i einein Schriftsteller des 15. Jahrhunderts. — 4) Ein Auszug ans dem karattischen Buche der Gebote ("1DD NMQN). Anfang und Ende dieses Auszuges fehlt, aber aus der Zusammenstellung der meisten Partheien folgert, daß das große Sefer Mi zwo t, aus welchem dieses ein Auszug ist, den erwähnten Samuel e l - M a g h r e b i zum Verfasser hat. — 5) Ritual des Lehrers F a d h e l röxrött "fflD), aus dem 16. Jahrhundert. Dieses Werk ist eine Art Schulchan Aruch zum Gebrauche der Karatten. — 6) Gebete nach dem Ritus der Karäer in Kahira, für alle Lage der Woche und für die meisten Festtage, in fünf Heften (hebräisch). — 7) Gebetbuch für den Sühnetag (Jom - Kippur), zwei Bände in. Octcw. — 8) Hebräische Lieder der Kara'tten, und ein Auszug aus einer Paraphrase des Buches Esther im Türkischen. — 9) Abhandlung über die verbotenen Grade der Eheverbindungen (nTHJJ^N D abgefaßt von Jafet Ben Zair ■ (TJJS p nö*>). Dieses ist das neunte Kapitel eines Sefer Mizwot., welches derselbe Autor geschrieben (s. Zeitschr. f. wiffensch. Theologie 111. 443). (F. f.) * * * Der Rabbiner in Stadt-Lengsfeld (im Weimarsschen), Dr. M. Heß, ist gesonnen, mit dem ersten Mai dieses Jahr res ein Institut zu eröffnen, das für das bürgerliche Leben israelitischer Jünglinge das sein soll, was das Gymnasium für die Universitätsstudien ist, nämlich die tüchtigste Vorbereitung. Mit diesem Institute soll zugleich eine Pensions- Anstalt verbunden werden. Die Gegenstände des Unterrichts sind nicht jüdisch, sondern allgemein bürgerlich, wie es zum Leben des Juden in der bürgerlichen Gesellschaft nöthig ist. Es ist diesem Institute das beste Gedeihen zu wünschen. Mit dem Eindringen der europäischen Bildung in die Kreise der Juden in allen Ländern Europas, erwacht auch bei den Israeliten die Liebe zu der jeweiligen vaterländischen Sprache, was natürlich das sociale Band mit jedem Tage fester knüpft. In England, Frankreich, Holland, Italien, jetzt auch in Ungarn und Rußland, ja sogar in der Türkei, werden mitjedem Tage Uebersctzungen mehr Bedürsniß, obgleich vor Jahrzehnten noch kein Gedanke an Uebersetzungen war. Es ist höchst interessant, eine Uebersicht solcher Uebersetzungen anzusehen, die gleichsam die Zeiger einer Europäisirung der Juden sind. In Amsterdam übersetzten die Herren Pollak das Machasor in die holländische Sprache, was für die deutschen Gemeinden daselbst längst ein Bedürsniß war. Die sefardischen Gemeinden haben noch ihre Uebersetzungen aus einer frühem Zeit der Cultur. Der Titel der holländischen Uebersetzung ist: „6ededen der nederlandsche liraeliten voor den eersten Dog van het Niemvjaarsfest. “ Die Uebersetzung -es sefardischen Machasor von de Sola ins Englische, die Uebersetzung der Mischna von de Sola und Raphall in dieselbe Sprache, die Uebertragung des Jkkarim von Raphall allein, die neue jüdisch-englische Bibel, zu deren Bearbeitung die zwei genannten noch mit'Hrn. Lindenthat sich vereinigt, ist bekannt. Von der neuen Bibelübersetzung ins Ungarische ist schon im Orient berichtet worden. Am Frühesten haben die Uebersetzungen in die vaterländische Sprache in Deutschland begonnen, und zu welcher Höhe sie gestiegen, lehrt schon ein flüchtiger Blick auf die neuesten Erscheinungen. Von dem sprachgeübten Hrn. Arnheim in Glogau erschienen die vollständigen Sabbatgebete'der Israeliten, das Buch Jozerot, das vollständige Gebetbuch und der Pentateuch in Uebersetzung; der Districts-Rabbiner M. Gut mann übertrug die sammtlichen Apokryphen des alten Testaments, als Supplement zu den israelitischen Bibeln; von dem gelehrten R. I. F ü rstenthal wurde eine neue Uebersetzung und Commentirung des ganzen Machasor angekündigt, und wie der Verfasser es auszuführen im Stande ist, weiß das Publikum aus seiner frühem Ausgabe der S e l i ch o t. Die Machasor - Uebersetzung für Neujahr und Sühnetag von Dr. I. Heine mann in Berlin ist schon seit einigen Jahren fertig. Die ,, Festgebete der Jsraelititen nach der gottesdienstlichen Ordnung im isr. Bethause zu Wien von I. N. Mannheimer" sind bereits im Orient bcurtheilt worden. Von dem Lehrer in Mislowitz in Obersihlesien, I. Jacobson, erschien zu Breslau eine geschmackvolle Uebertragung der rabbinischen Gnomologie Pirke Abot nebst deutschen Commentar, und eine metrische von Stern in Wien; der Rabbinats-Kandidat I. Harb erg er gab Uebersetzung und Erläuterung von Masechet Derech Erez Sutta, unter dem Titel: „Sammlung der reinsten und kernhaften Sitten- und Anstandslehren der ältesten Rabbinen (Leipzig, bei Fried. Aug. Böhme)" heraus. Auch die philosophische Literatur findet ihre Bearbeiter. Chobat Ha-Lebabot von Fürstenthal, Jkkarim von den Brüdern Schlesinger, der More von Dr. Scheyrr und Fürstenthal, Kusari von Jolowicz und Cassel sind schöne Beweise, daß auch dieser Theil der Literatur in der vaterländischen Sprache das Verstandm'ß sucht. * * * In Holland ist in Allen Synagogen durch Beschluß der Komission für israelit. Angelegenheiten vom 26. Dec. ein Dankgebet und Segenswunsch für M o n t e f i o r e und C r emieux und das Gelingen ihres Werkes ausgesprochen worden, und soll dieser Segenswunsch in den Annalen jeder Gemeinde ausgezeichnet werden. *■’ * In Frankfurt a. M. wurden im I. 1840 325 Paar getraut, darunter 31 mosaischen Bekenntnisses. * * * In Mannheim wurden 1840 unter 638 Kindern 33 israelitische geboren. Es starben 636 Individuen und darunter 31 Israeliten. Getraut wurden 157 Paare, darunter 9 Paar mosaischen Bekenntnisses.' Druck von J. H. Nagel, Verlag von C. L» Fritzsche

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