Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1841)
- Article
- Algier: Bericht über die dortigen Juden
- Date
- 1841-02-20
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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58 Lastet ließ. Die erste große Auswanderung der Juden aus Spanien soll der Sage nach schon im Jahre 1390 unter der Anführung des ersten Rabbiners von Sevilla, Simon Ben-Smia (soll heißen: Simon Ben- Zemach Duran), stattgefunden habe. Dieser verlangte, als er wkt dm Genossen seines Exils an der afrikanischen Küste landete, bei Sidi Ben-Jussuf, einem hochberühmten Marabut von Miliana, ein Asyl, welches bereitwillig gewahrt wurde. Es wurde zwischen den arabischen Fürsten und Simon Ben-Zemach damals sogar ein schriftlicher Contrakt aufgesetzt, der ihre Rechte garantiren sollte. Die Algierer Rabbiner versicherten mir, daß jene Urkunde noch heutigen Tages in der Hauptsynagoge der Stadt aufbewahrt sei. Die Einwanderungen der Juden aus Spanien vermehrten sich unter der Regierung der fanatischen Philippe. Allmalig breiteten sich die Juden über die ganze Berberei aus. Man trifft deren in allen Städten, sogar in den Oasen der Sahara. Der jüdische Dragoman Ven-Amram in Mascara, welcher als Knabe mit seinem Vater den Feldzug eines türkischen Bey's nach Ain-Maadi begleitet hatte, versicherte mir, daß in diesem kleinen Wüstenstaat verhältnißmaßig viele Juden leben, welche aber die Tracht der Beduinen angenommen haben. Es giebt Juden auch in Tuggurt und Gadames, und selbst in den Staaten der Mosabiten. Es sollen Juden sogar Ln den Dörfern der Amazirghs (Kabylen) auf den Gebirgen von Marokko wohnen. (F. s.) Frankreich. Perurs, Dec. 1840. Wir haben die Genugthuung anzuzeigen, daß der zu Gunsten der Juden im Gebiet Algier gethcme Schritt einen reichen Erfolg gehabt hat. Es ist an die Büreaux der Civilverwaltung Algiers der Befehl ergangen, daß man die Juden am Samstag ins künftige nicht mehr zu unterziehen nöthige. Die Behörden sind in dieser Hinsicht recht wohl geneigt und der Augenblick ist nicht mehr fern, wo der israelitische Eultus eine Organisation erhalten wird, wie sie der protestantische Eultus in Algier erhalten hat. Wir sind in dem Maße vorgeschritten, daß die Israeliten Frankreichs statt Gleichgiltigkeit gegen die Juden jenes Landes zu zeigen, vielmehr das größte Interesse an jener Partie der algier'schen Bevölkerung nehmen; das Gouvernement unterstützt sie kräftig darin, und bald wird Algier ein Consistorium, einen Rabbi, eine Knabenschule haben; die Töchterschule, gegründet von dem Gouvernement und geleitet von der Melle. Hartoch, gibt stets größerer Hoffnung Raum. Das Gouvernement muß die Juden Algiers schützen, wie alle anderen Einwohner der Regentschaft, aber es ist Sache der Israeliten der Hauptstadt, sich für die der Regentschaft zu interessiren, die, bevor die Franzosen landeten, mit Verachtung und Brutalität behandelt worden. Es ist Sache dieser, jenen ihr Vaterland theuer zu machen. Dies ist die Aufgabe des Central-Eonsistoriums und aller andern israelitischen Vereine. Zum dritten Male, wir verlangen die Bildung eines Algier-Comito's. Deutschland. Berlin, 28. Jan. Heute hat meine Feder Ihnen über ein höchst erfreuliches Thema zu berichten, über das von der hiesigen Gemeinde errichtete und am 18. Nov. v. I. feierlich eröffnete israelit. Schullehrer- Seminar nämlich. Die Nützlichkeit eines solchen Instituts, ja die Nothwendigkeit desselben steht wohl erhaben über jeder Discussion und wenn man es für räthlich gefunden hat, auch an solchen Orten jüdische Wohlthatigkeitsanstalten, Gewerbsschulen und dergl. m. zu gründen, wo nicht Intoleranz von der Theilnahme an den allgemeinen, derartigen Instituten ausschließt, so sollte man vor allem bemüht gewesen sein, die Schule mit Männern zu besetzen, die sich für das Lehrfach ausgebildet haben, damit wir rücksichtlich der Volksbildung nicht hinter der Zeit und unfern christlichen Brüdern nachbleiben. Das eben beregte Institut ist unter besonderer Einwirkung der DD. Veit und Zunz von der hiesigen jüdischen Gemeinde ins Leben gerufen worden, deswillen aber keineswegs ausschließlich für die hiesige Gemeinde bestimmt, wie denn die Eigenschaft der Allgemeinheit sich schon von selbst aus dem Charakter und der Zusammensetzung einer solchen Anstalt ecgiebt. Während demnach die Hauptstadt des Preußischen Staates nicht ohne mannigfache Aufopferung und Anstrengung das allgemeine Interesse verfolgte, und alle jüdische Gemeinden Preußens zum Danke sich verpflichtete, ist es anderer Seits auch heilige Pflicht, diese Opfer zu würdigen, und durch rege Theilnahme zur Erhaltung und dem gedeihlichen Wachsthume der Anstalt thätig beizutragen. Wer hier ein Scherflein gibt, der streut Samen der Weisheit und der Tugend aus für die Nachwelt, der hilft an dem Tempel der Aufklärung und Humanität bauen, in welchem die Menschheit ihre Verbrüderung feiert. Lernbegierige, wissensdürstige Jünglinge haben sich bereits genug, und sogleich nach erhaltener! allerhöchster Concession der Anstalt gemeldet; acht aus dem Großherzogthume Posen, fünf aus Schlesien, drei aus Preußen, Einer aus Westphalen, vier vom Auslande und drei, die sich nicht näher legitimirten. Sollen wir aus dem Heimathsverhaltnissen der sich Angemeldeten einen Schluß ziehen, so ist es der erfreuliche, daß sich da die größte Theilnahme geäußert hat, wo das größte Bedürfmß nach wohlgeordneten Schulen und tüchtigen Lehrern vorhanden ist; ja daß auch im Auslande das Bedürfniß nach derartigen Anstalten, die nur höchst spärlich anzutreffm sind, fühlbar ist. Eine andere Ersah-