Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 7 (13.2.1841)
- Article
- Bemerkung über eine phönizische Inschrift
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Spalte 93-94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897402-2364833--1154-2364872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
93 Bemerkung über eine phönizische Inschrift. Einfluß des physischen Menscken auf den historischen. 94 Diese Ausstellungen gaben nun zu der Erklärung des Hr. H. Veranlassung. Derselbe betrachtet und HpJ als zwei synonymische Verba, und zwar stehe hy.Vi so, daß c§ Überaus est bedeute. Ist nun das schwierige rfo durch das DH wenigstens als mask. bezeichnet, so gibt eben da, wo das Hebräische uns verlaßt, das Arabische diesem Worte die Bedeutung von „Grabstein". Endlich sei nicht der Zeile vier genannte ‘PyD.jn der in diesem Grabe Bestattete, sondern ein Individuum, das in irgend einer Beziehung zu dem Bestatteten gestanden. Vermutlich habe Hannibal seine Frau wegen irgend einer *“0"3 nny jedoch ungerechter Weise verstoßen und diese so unschuldig gekrankte Frau sei eben die Person, welcher diese Inschrift gesetzt wurde. Die Construction dcs ^QJn nüOD sei mit der Josua 5. 9. D'HüD DDin identisch, demnach laute die Uebersetzung: Gemach einer ewigen Wohnung ist das Grab. Erlöst worden, frei worden ist durch diesen Stein ein friedlicher Geist von der Schmach Hannibals, Sohnes des Barmelech. Ohne auf die Harte zu achten, die durch Hrn. Hitzigs Auffassung des und DpJ als zwei Verba, da in diesem Falle wohl das ItHil M bei dem letzten gestanden hätte, würden wir dieser Erklärung wohl beigestimmt haben, wenn uns nicht einerseits die voreilige Zuflucht zu den verwandten Dialekten, andrerseits die ’ allzugewagle Hypothese über die Person des Hannibals an die Richtigkeit derselben zweifeln ließe. Um aber einen natürlichen Sinn aus dem Text der Inschrift hemuszulesen, anstatt in ihr einen erkünstelten hin ein zu tragen, bedarf es unsres Erachtens nur einer richtigen Punktation. Demnach punktireu wir Zeile 2 nfn nfcs rij?3 ^03 und fassen das hytt als Partizip Nisal -- der SStfktfte, wie 2 Sam. Kap. 1 und das ihm anolage DNliD Zeph. 3, 1 wo V in N überging. Tip^ übersetzen wir: wird gereinigt, und Hih heißt nach Ibn Esra, Kkmchi und Andern: ein Schlafender, vergl. OU1N Ies. 56, 10. Das NSID H"! endlich in der 3ten Zeile heißt: geheilter i. e. befreiter Geist. Die Inschrift sagt nun: Der Geist, welcher durch den zur Sünde sich hümeigenden Körper befleckt, getrübt, und in seinem Streben nach Erkenntniß der Wahrheit gehemmt wird, ist endlich rein d. h. befreiet von den Schlacken der Sinnen (Dpi, wenn nämlich das Grab den in ihm schlafenden Körper (NUN) vernichtet. Zeile drei ist hlos eine Wiederholung der zweiten Zeile: Der Geist wird (durch die Vernichtung des Körpers) von der Schande geheilt d. h. der Schande enthoben, sich allezeit von den Einflüssen des Körpers in seinem Streben gehindert zu sehen. Ist diese Erklärung richtig, so wäre die Uebersetzung der Inschrift: Gemach einer ewigen Wohnung ist das Grab Der befleckte Geist wird frei, indem es (nämlich das Grab) den Schlummernden vernichtet Und befreit wird die Seele von aller Schande- Hannibal, Sohn des Barmelech. Der Einfluß des physischen Menschen auf den historischen Menschen; eine Betrachtung zur Würdigung der jüdischen Gegenwart. (Schluß.) Wessen Amt es nicht ist, sich und andern etwas vorzuschmeicheln oder vorzulügen, der sehe sich in Deutschland und außer Deutschland um, und gebe Antwort: ob wir nicht, mit unfern christlichen Mitbrüdern verglichen, noch immer gewaltig ungeschickt, langsam und überbedächtig mit gar vielen Dingen zu Werke gehen, die in unser nächstes Interesse, in Haus und Hof, in Handel und Wandel, in Recht und Gericht, daheim und aus der Reise, die in unser Rühren und Behagen, bei Arbeit und Zeitvertreib, bei tausend wichtigen und.gleichgültigen Beschäftigungen und Verhältnissen, zwängend und störend, hinderlich und verdrießlich emgreisen; ob wir nicht, die einen mit klugen, die andern mit dummen Gesichtern, die einen mit untergeschlagenen Armen, die andern mit bedeutsam gesticulirendm Händen, vor so manchem Brete stehen, womit uns die Welt vernagelt ist, ob wir uns bei unfern christlichen Mitbrüdern als Nation so in Respekt gesetzt haben, daß deren anmaßliche Selbstsucht, sich jedes Gelüst und jeden Plan, wobei irgend wie auf unsre Positivitat und Imbecilitat gerechnet wäre, vergehen lassen müßte; ob der Ein- , druck, welchen jüdisches Leben und jüdische Zustande in der Erinnerung eines unterrichteten und vorurtheilssrcien Christen zurncklassen, ob dieser Eindruck uns in dem verständigen weltlich praktischen Urtheile des Beobachters, so hoch stellen kann, als wir stehen sollten; ob doch hier lassen wir einen llintus im Manuskript, welchen sich der Leser noch mit manchem „ob" aussüllen mag. Doch wir wollen nicht unbillig und ungerecht gegen die neuesten jüdischen Bestrebungen sein, auch sie haben theilweise die Wiedereinsetzung des physischen Israeliten in sein gesundes Recht, diese wahre Restauration der Juden, zum Gegenstand ernster Ueberlegung und Berathung gemacht; und so liegen uns zwei Probleme vor, deren fortschreitende Lösung von der größten Bedeutung für unsre gesammte Zukunft ist. Der Gegenstand des ersten ist der Zusammenhang und das wechselwirkende Verhältniß der physischen Funktionen und Zustände und der geistigen Thätigkeiten und Charaktere innerhalb des Individuums; dies nennen wir das pädagogische Problem. Der Gegenstand des andernist der Zusammenhang und das wechselwirkerde Verhältniß der physischen Funktionen innerhalb der großen Volks-, Nation- und Staatsgemeinschaften; dies ist das n atio nal ö kono mi sche Problem. Beide gedenken wir, so viel wir nach unsrer Einsicht und Uebersrcht vermögen, und mit beständigem Hinblick auf die Entwickelung jüdischer Volkszustände in der Gegenwart und nächsten Zukunft in zwei folgenden Aufsätzen zu besprechen. T h e o p h i U L. L.