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Der Orient · 1841-02-13 · Heft 7 (13.2.1841) · p. Seite 52

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 7 (13.2.1841)
Article
Berlin: über den beschnittenen christlichen Prof. Stahl
Date
1841-02-13
Page
Seite 52 (sequence 2)
Language
German
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52 ersichtlich entgegen gehen, abzunehmen ist; er scheut sich nicht, die Behauptung geltend zu machen: „es gebe nur ein christliches Recht." — Ohne hier weiter eine Meinung darüber auszusprechen, in wiefern Herr Professor S t a h l das Evangelium und das Christeuthum mißversteht, legen wir ihm vielmehr die Frage vor, woher er denn zu dem Recht gekommen, oder besser, woher er denn eine rechtliche Person geworden, da er doch bekanntlich vor Jahren kein Christ, sondern — Jude war? Nicht wahr Herr Professor, das ist eine traurige demüthigende Wahrheit; aber es Hilst nichts, sie läßt sich mit Bibeltexten nicht hinwegbannen und selbst auf pietistische Weise mit dem mißverstandenen Worte Gottes sich nicht bepflastern. Dm et aniinam meam salvavi. Königsberg, 20. Jan. Die Kaufmannsdiener hier zu Lande haben Epoche gemacht, sie sind zur Bereicherung der Literatur Anlaß geworden, haben eine Schrift hervorgerufen. Nichts Neues! wird man entgegnen, schon langst hat man ja für sie grammatische ABC Bücher, politische Kinderfreunde, Anleitungen zu einer geschickten Tournüre. und Dressur und was dergleichen wehr ist. Doch dies gehört alles nicht hierher. Sie haben sich eine weltbürgerliche Bedeutung errungen, sie haben die Frage über Sein und Nichtsein entschieden, haben das, worüber sich Staaten und Regierungen längst den Kopf zerbrochen, ausgemacht, kurz sich von den Juden emancipirt und es beschlossen, daß wo sie herrschen, athmen und sich freuen, kein Jude athmen und sich freuen darf. — Aufrichtig gestanden , wenn wir uns zur Zeit noch'über keine Unleidlichkeit und Intoleranz gefreut haben, so doch in Berücksichtigung der Folgen über diese. Denn die edle Korporation von der Elle und Tüte hat dadurch den Juden einen Paß zur Seichtheit, der israelitischen Jugend eine Schule der gedankenlosesten Äfferei verschlossen. Man hatte ihr darum füglich ein anderes Denkmal setzen sotten, als ihr die Schrift gesetzt hat, welche in der Hartung'schen Hofbuchdruckerei unter dem Titel: „Beleuchtung eines dunkeln Ballsaales" herausgekommen ist. Doch der Herr Verfasser bekämpft darin das Prinzip des Unsinns, er wirft sich auf zum Ritter der geächteten Vernunft, und aus diesem Gesichtspuncte die kleine Schrift betrachtet, muß man sagen, daß seine Waffe, ein spitzig zweischneidendes Schwert, die Gegner vollkommen aus dem Felde schlägt. Er sucht nach dem Grunde dieses merkwürdigen Beschlusses, wornach Jude von dem Vergnügen des Ballsaals ausgeschlossen werden; er fragt, ob vielleicht dogmatische Motive diese rigorose Ballmaßregel veranlaßt hätten, und muß diese Ansicht in Betracht der Leute, von denen sie herrührt, aufgeben, da sie sich auf G r ü n d l i ch k e i t des Glaubens und der Ueberzeugung basiren würde. Mit scharfer Waffe verfolgt er darauf die Gegner weiter, aufs Blut sie drängend, die Gründe dieser Maßregel zu gestehen. Cr nöthigt sie, im Namen des gesunden Menschenverstandes den Grund fallen zu lassen, der sich stützen möchte auf das Herkömmliche ihrer Statuten, er treibt sie rücksichtlich des Pochens auf ihr gutes Recht in die Enge, ja er macht ihnen sogar ihren affectirten Widerwillen gegen die Juden zu Wasser. „Sonderbar — sagt er — ist dieser Specialwiderwille immer bei Euch, die Ihr doch eurem Berufe nach sonst wahrhafte Weltbürger seid. Führt ihr nicht Eure doppelte italienische Buchhandlung für Juden und Christen? Schwefelt Ihr nicht Weinfässer für Juden und Christen? Verhandeit Ihr nicht Häringe, Nousselin de I^ame und dergleichen ohne Unterschied an Juden und Christen, und wenns thunlich wäre," auch an Hottentotten und Pascherähs? Kauft ihr nicht Euren Waizen von Juden und Christen, für Juden und Christen? Und Ihr sollet dies tägliche Weltbürgerthum niederlegen, sobald Keller oder Speicher geschlossen sind, und Feder wie Elle ruhen? Sehrsonderbar — allein auch das Sonderbare ist nicht unerhört! Doch erklärt mir, wie ist es Euch möglich, mit .diesem Groll im Herzen, so unbefangen das Gastrecht jüdischer Häuser aufzusuchen und noch unbefangener zu genießen? Me könnt Ihr mit solchen Gesinnungen in Eurem besten Fracke, und mit den besten Redensarten, die Ihr aufzuwenden habt, um Eure Liebenswürdigkeit und Bildung zu bekunden, jüdischen Familien Eure Aufwartung machen, an jüdischen Tafeln essen, auf jüdischen Bällen tanzen u. s. w., wenn Ihr es für nörhig haltet, durch die mit Euren Namen unterschriebenen Circulare, Eure gastlichen Freunde der Ehre, auf einem Corporationsballe zu ranzen, für verlustig zu erklären?^ — Doch endlich trifft der Verfasser den Nagel auf den Kopf. „Junge Handelsbeflissene — schreibt er — besonders diejenigen, die noch nicht selbstständig sind, fühlen sich oft, — natürlich mit Unrecht — in ihrer Stellung gegen die sogenannten höhern. Stände zurückgesetzt. Nach oben können sie sich nun keine Satisfaction nehmen, sie suchen sich daher ein sicheres Unten, eine bequeme, breite Folie, aus welcher die Korporation ordentlich erhaben aussieht." Sehr richtig! Sehr aus dem Leben gegriffen! Noch triftiger aber der letzte Grund, aus welchem erst alle anderen entstanden sind und der daher mit logischer Consequenz am Ende steht. Doch der Verfasser läßt ihn nur errctthen, „es ist der, gegen welchem, wie unser Dichter sagt, selbst die Götter vergebens kämpfen/' -— Darum das Schwert aus der Hand, edler Kämpfe, diese gute Waffe ist zu edel gegen Elle und Scheere. Es gibt noch, andere Turnplätze, wo kein zweiwachsiges Geschlecht dir entgegentritt, über diese Zwerge schreitet der hinweg, welchem sie bei dem Ernste des Weltganges in die Beine laufen. Diese Zukunft hat nie Epoche gemacht, und wird es auch fernerhin nicht thun! Q Schtvevrn, 20.Jan. Wir feierten heute einen Tag der Freude, nach der Benennung unseres würdigen Landes - Rabbiners, und im wahren Sinne des

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