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Der Orient · 1841-02-13 · Heft 7 (13.2.1841) · p. Seite 51

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 7 (13.2.1841)
Article
Berlin: die Freigebigkeit Preußens gegen den Erfinder Liepmann
Date
1841-02-13
Page
Seite 51 (sequence 2)
Language
German
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- 51 - tete, deren Urtheil und Rath nicht gilt. Jene dagegen, blos vom Zufall erhoben, stehen breitgespreizt und argumentiren: „Das Bildchen da ist kein Rafael, Rubens noch Titian, ergo bloßer Versuch, beachtungswerth erst dann, wenn Besseres als die Originale jener Meister geliefert wird." Kommt hinzu, daß im Reichthum Geborene und Erzogene — wie jene Prinzessin Semmel statt Schwarzbrot bei Hungersnot!) zu reichen empfiehlt — ohne Ahnung der bittern. . . „Wer nie sein Brot mit Thränen aß" . . . dann ist allerdings erklärlich, wie Edelstolze im Bewußtsein unsterblich-geistigen Schaffens und Wirkens, in Mitte vergeudeter Millionen elendiglich umkommen können, und zu spat die unbeachtet gebliebene Warnung bereut wird: „Gebt ihm, so lang er kauen und beißen kann!" So ist kürzlich hier ein Rembrandt Liepmann's schon mit 16 Thlrn. bezahlt worden, wofür er mitunter einen beschnittenen Louisd'or von vornehmer Hand erhalten. Stürbe, was Gott verhüte, mit ihm sein Geheimnis, wie würden dann Hunderte aus allen Weltgegenden sich überbieten, ein Exemplar seiner Wunderschöpfung zu besitzen! und heute. . . 1841? bewahre, 1341 schreiben wir! Kein Jahr ists, daß alle Orte Deutschlands das Märtyrerfest Gutenbecg's begingen. Gutenberg's? Nein! das eitle eigne Selbst nur ward festirt, unmöglich dürfte ja sonst der ihm verwandteste Geist kaum beachtet verkümmern! Erinnern Sie sich, wie ich vor fast zwei Jahren Sie zuerst auf die hohe Bedeutung dieser Erfindung aufmerksam machte. Es war gewagt; nicht die Voraussagung ihrer unausbleiblich herrlichen Wirkungen, wohl aber, wiefern sie überhaupt wahr sei; denn hier wie überall erklärten Sachverständige sie geradezu für Betrug, weil sie total unmöglich sei! Nun kann seit zwei Monaten Jeder von der unbedingten Wahrheit derselben sich selbst überzeugen. Nun wird dem Künstler doch wol endlich, endlich, nach fünfzehnjährigen namenlosen Leiden, nach unmenschlichen Anstrengungen und Entbehrungen diejenige Anerkennung werden, die er mit den höchsten Opfern erkauft und so reichlich verdient? Wo denken Sie hin; die Nachwelt wol wird zuverlässig trotz Neid und Vorurtheil der Zeitgenossen ihn ehren; bei der Mitwelt dagegen müßte vor Allem er aufgeben, Deutscherzu sein, sollte er irgendwie beachtet werden. Oder weiß wirklich Niemand, wie England verhaltnißlos geringere Erfindungen ermuntert? was Frankreichs Kammern Daguerre bewilligt und wie selbst Rußland den Ausländer Jakobi echt kaiserlich belohnte? Auch dem Erfinder des Oelbilderdrucks sind namentlich von England die großartigsten Anerbietungen gemacht, wenn er mit seiner Erfindung dorthin ziehen wolle; leider gestattet seine dabei zugesetzte Gesundheit nicht, darauf einzugehen, sonst würde ein anderes Volk sich aneignen, was hier unverantwortlich vernachlässigt wird Genug, mögen Diejenigen, denen als heilige Pflicht obliegt und die es auch vermögen, die dringende Gefahr des Verlustes, womit eine vaterländische, auf die Gesittung der Völker mächtig einzuwirken versprechende Erfindung bedroht ist, abwenden, ehe es zu spät wird! Dem zu bescheidenen Künstler aber möge mindestens die Genugthuung werden, die von ihm construirte riesenhafte Druckmaschine und den Abdruck des Titian —- eins der bedeutendsten Bilder unsers Museums — wie sie beide in seiner geistigen Anschauung längst vollendet vorliegen, eben so factisch darstellen zu können. Denn nur Ein Wunsch beseelt diesen in dem schwächsten Körper mächtigen Geist: die Allgemeingültigkeit seiner Methoden durch Darstellung der verschiedenartigsten Kunstwerke zu beweisen. Und dem genügen zu können, dürsten die Mittel fehlen? Dann gebe Ihre Zeitung der Nachwelt Zeugniß, um wie viel weiter zurück wir 1841 gegen 1441 waren! L. A. Z, * Berlin, 2. Febr. „Wo du stehst, da ist Rhodus" schrieb vor mehren Monaten der gelehrte Diesterweg. In Wahrheit ein Ausspruch, dem leider, wie folgende Zeilen darthun werden, jeder Edeldenkende beisiimmen muß. In No. 24 der Vossischen Zeilung (datirt d. 29. Jan. c.) lesen wir nämlich unter der Ueberschrift „Eingesandt" folgende Worte: „Als ein Beitrag zur Charakteristik unseres aufgeklärten Jahrhunderts, verdient erzählt zu werden, daß die Gothaer Feuer-Versicherungs-Gesellschaft kürzlich einem allgemein geachteten Manne in einem kleinen Städtchen bei Berlin die Ausnahme in die Assekuranz einzig und allein deshalb verweigerte, weil er ein Jude ist, und wie sich der betreffende Agent ausdrückte, Leute solches Glaubens nur an Orten, wo sich Agenturen befinden, ausgenommen werden. Lächerlicher Weise war obgedachter Mann, früher in Berlin wohnhaft, eben bei der Gothaer Gesellschaft eine lange Reihe von Jahren versichert. Von einem Einzelnen würde nun dergleichen nicht befremden, denn wie Viele gibt es noch, die sich von Vorurtheilen nicht trennen können; aber wenn so eine ausgcbreitete Corporation, die den gebildeten Ständen angehört, sich solcher Vergehen gegen die Toleranz schuldig machte, was ist da erst vom Volke zu erwarten? Unlängst erregten die Gräulthaten in Damaskus das Staunen und den allgemeinen Abscheu, und doch, sicht man der Sache bis auf den Grund, so herrscht hier in unserem lieben Deutschland fast derselbe Geist, der nur durch Polizei und Gesetze an Ausübung ähnlicher Excesse gehindert wird. O! über die aufgeklärte Zeit!" Doch, nicht nur von Gotha her müssen wir dergleichen Absurditäten hören; nein auch an hiesiger großen Deutschen Universität scheuet sich Herr Professor Stahl nicht, in seinen so herrlichen Traum - und Grühelcollegien, in denen er aus unverstandener Fülle des Geistes und Gemüthes vor seinen Zuhörern, statt einer Rechtslehre, seeligmachende Orakel ausschüttet, aus denen leider kein erkleklicher Rath, an keine sichere Richtung für die Geschicke, denen wir "7 * /

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