Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1841)
- Article
- Palästina
- Date
- 1841-02-13
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 und gesundes Klima, so wie die Aussicht auf den See Genest re t und die alten Erinnerungen mannigfache Vottheile und Anregungen darbietem Auch die Juden lieben diesen Ort, welchen sie zu den vier heiligen Städten rechnen, und schauen mit Teilnahme nach den weißen Gräbern jenfeit des Thales, wo einige ihrer Heiligen schlummern. Einer Tradition zufolge hat Jeremia die Bundeslade in jenem Berge, der die Stadt trägt, vergraben. — Vor dem Erdbeben am 1. Januar 1837 wohnten daselbst 7000, jetzt etwa nur 2000; die Ruinen haben bald wieder bessern Wohnungen Raum gemacht. In sechs Stunden gelangt man von da nach Tabarieh, auch einer heiligen Stadt, wo jetzt 1500 sind. Auf dem Berge Naftali find zwei Dörfer, wo Juden wohnen; außerdem sind Synagogen in den übrigen Oectern Ealilaa's und des alten Phöniciens. — In Bagda d, in dieser großen Stadt des Mittelalters, ist die jüdische Bevölkerung, welche vor zehn Jahren etwa 20,000 betragen, auf 5000 zusammengeschmolzen, und zwar sollen sie theils durch die Pest, theils durch Krieg, theils durch -re schrecklichen Ueberschwemmungen des Eufrats sehr gelitten haben. Sie stehen unter einem tyrannischen Oberhaupte, welches von der Regierung aus ihrer Mitte erwählt wird. Sie sollen äußerst schöne Gefttzrollen haben, sonst aber auf der niedrigsten Stufe der Bildung stehen. Ein Missionsbericht 'aus Jamaika schlägt die Zahl der Juden zu Kingswir auf 3 -^5000 an; sie haben 2 Synagogen. In Spanisch Town ist ebenfalls eine große Zahl, mit einer Synagoge. Sie sprechen Englisch. — Einer derselben gab 25 Lst. als Beisteuer zum Hospital für arme Juden in Jerusalem und versicherte, daß niemand dort sich ausfchließen würde; doch versagte einer, obwohl in sehr artigen Ausdrücken, seinen Beitrag, als er vernahm, daß die Anstalt, zur Mission gehöre." Großbritannien. London, 26. Jan. Vor einigen Tagen hielten die Juden in London eine große Versammlung in einer -ihrer dortigen Synagogen, um die Art und Weift zu berarhen, wie sie ihrem Glaubensgenossen Sir Moses Mvntefiore den Dank für seine unablässigen Bemühungen während seiner Mission im Orient ausdmcken sollten. - Unter andern wurde beschlossen, unvecweilt eine Subskription zu eröffnen, zu welcher der Beitrag'des Einzelnen drei Guineen nicht überschreiten solle, um für den Ertrag derselben Hrn. Montesiore ein Silbe rsetvice zu verehren. Frankreich. ’fy H)ervrs, 9. Jan. Unter den hiesigen Israeliten macht eine Geschichte viel Aufsehen, welche vor Kurzem die Archiv, i/sr. mittheilten. Zwei elternlose Kinder sollen vor fünf Jahren entführt und getauft worden sein. Das Mädchen, schon entartet, hat man nicht weiter ausgesucht, allein dem Knaben ist von seinem Pathen, Herrn Astruc, mit aller möglichen Sorgfalt nachgespürt worden, und endlich hat man sein Versteck aufgefunden. Herr Astruc hat ihn darauf in eineisrae-- litische Schule gethan und das Kind erfreut seinen Pathen und Erretter durch glänzende Fortschritte. — Die philantropksche Gesellschaft, die sich unter den Israeliten der Provinz Oberrhein gebildet hat, zählt bereits an 50 Mitglieder und es sind zur Zeit an 3000 Fr. für die Zwecke gezeichnet, die sie verfolgte. Zu Colmar hat sich ein Comitü zur Begründung einer Kunst- und Gewerbschule für die Israeliten des Elsaß gebildet. Die Gesellschaft mag sich zugleich mit Muth waffnen, denn sie wird Trägheit und Schlendrian zu überwinden haben. — Bei der großen Fluth Anfang Novembers, welche die Gegend um Lyon verheerte, haben auch viele Israeliten gewaltig gelitten, viele aber auch, wie Hey man d e Ricqles sich durch persönliche Thaten und Akte der Wohlthätigkeit ausgezeichnet. Heyman hat zudem eine Subskription für die Unglücklichen eröffnet. Ueberall hat die Stimme des Mitleids Anklang gefunden und sehr viele einflußreiche Israeliten haben bei ihren Glaubensgenossen rege Theilnahme an dem Unglücke hervortzerufen. Es laßt sich, ohne hier die Erfolge fpeciell anzuführen, erwarten, daß der Nothschrei, der selbst im Auslände Herzm und Hände in Bewegung setzte, auch von den französischen Israeliten nicht unerhört geblichen ist. —Arago zeigt an, daß Dumas eifrig beschäftigt mit seinen Experimenten über Verflüchtigung der Diamanten, für seine weitern Versuche in der Zuvorkommenheit und Liberalität des Herrn Halphen Edmond, Diamantenhändlers und Mitgliedes des pariser Israel. Consistoriums eine große Stütze gesunden habe. — Durch Ordonnanz vom 21. Decbr. ist derselbe Herr Halphen zum Maire des 12. Arrondissement von Paris ernannt worden. Deutschland. Berlin, 1. Febr. Sie fragen, wie gehts Liepmann mit seiner Erfindung? „Vortrefflich! ec ißt Luft und wird mit Versprechungen gefüttert; man kann Kapaunen nicht besser mästen." Also über Erwarten? Das grade nicht; er, weder Franzose, Brite noch Indier , wie käme ihm Anspruch auf Anerkennung und Belohnung? Der Bedauernswürdige ist ja nur ein Deutscher und obenein Jude. „Was kann von Nazareth Gutes kommen?" Zwar unsere weltberühmten Künstler, die Professoren R., T., W. rc. sprachen ihre hohe Bewunderung für ihn öffentlich unverholen aus.; aber das sind Enthusiasten, für Philister Wahnsinnbehaf-