Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 6 (6.2.1841)
- Article
- Ueber das Memoire, ... [Rezension]
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Spalte 75-76 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897399-2364773--1134-2364804- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ueber das Memoire, bezüglich auf den Ursprung unserer Ziffern. die Einheit die Mutter aller übrigen Zahlen ist, als mögliche Wurzel das syrische an, das so viel heißt, als das deutsche Beginn, die Ursache, der Anfang. Man kann auch die Bemerkung machen, daß das Wort gin in das aramäische Idiom .der Midraschim ausgenommen wurde, wo es auch Frau bedeutet; jvp aber ist in demselben Idiome nicht ein Substantiv, sondern eine Präposition, und bedeutet weil, das lateinische propter. Die Wurzel ist p3, siehe 7n$? unter und p* Somit kann man, ohne das Hebräische zu verlassen, die Deutung des Herrn Vincent beibehalten. 2) Andras, Zwei. Herr Vincent leitet dieses Wort von uv?iq, avdgog, Mann, ab, weil zwei das pythagoreische Symbol für die männliche Kraft ist. Herr Gerson-Levy nimmt seine Zustuchr zum chaldaischen Worte welches, sogleich, heißt; es bedeutet die unmittelbare Folge, wie wir sagen, der Eine, der Andere, für: der Erste, der Zweite. Hierzu kann man noch bemerken, daß das Wort "W/ Auer, hebräisch ist und junger Mann bedeutet. Außerdem deutet Herr Gerson-Lcvy noch dahin, daß bei den kabbalistischen Juden des Mittelalters, Eins das männliche, Zwei das weibliche Princip reprasentirt; dies kommt mit den orientalischen Ideen mehr überein, da ja die Einheit der Voruno Oberbegriff der Zwei ist. Somit ist hier ein Zwiespalt zwischen den pythagoreischen und kabbalistischen Systemen. 3) Ormis, Drei, von Anstrengung, Angriff, die Einwirkung des männlichen Princips auf das weibliche; und dies scheint sogar durch das Zeichen dargestellt, welches drei, repräsentirt, es ist eine Vermischung von Eins und Zwei. Nach dem Berichterstatter jedoch ist *7)^, oyj Licht, die Wurzel des Wortes-, und Drei bedeutet bei den Kabbalisten die dritte Sephira, das Licht der Erkenntniß. Sowohl die griechische als die hebräische Konjectur scheinen beide gleichwertig ausreichend. Wenn man die kabbalistische Deutung zulaßt, scheint .PiOiy, onna, tiefes Nachsinnen, besser zu passen. 4) Cakis, Sechs. Ein Londoner Manuskript hat enaleu«. Diese Leseart nimmt Herr Vincent an und halt cs für %cdyovg, welches bei den Griechen die Einheit der Schwere beeeuret. Dann kann es auch die der Zahl S-echs zngeschriebene Vollkommenheit repräsentiren, denn Sechs ist gleich der Summe ihrer Divisionen 1, 2, 3. Nur mit Mühe, sagt Herr Vincent, habe ich fac dieses Wort eine annehmbare Erklärung gefunden. Hat er sie aber wirklich gefunden? Herr Gerson 7 Levy leitet yaXyovg von bpZ* ab: Halt man sich an das Manuskript ooirCharires, das calcis liest, so kann man es von zctlog, schön, «Weiten; dies Wort kommt mit derselben Bedeutung im talmudischen Idiom vor, und die Schönheit ist das Bild der Vollkommenheit. &) Celentis, N - u n. Wer erkennt hierin nicht 76 sogleich, fragt Herr Vincent, den Ursprung der pythagordischen Benennung ccfhiXvvrog, männlich, eine Eigenschaft, welche die Neupythagoräer mit der Zahl neun verbinden. Herr Gerson-Levy ist anderer Meinung und legt dem grichischen Worte das hebräische nV>*?D (Kelajotb) zu Grunde, welches die edlen Theile des Menschen bedeutet. Wahrscheinlich werden nur wenige Leser der einen oder der andern Ableitung huldigen. Lelenli« klingt nämlich gleich mit dem hebräischen piO^, schilton, Reich, Herrschaft; dies paßt für neun, welche die stärkste Ziffer und das Quadrat von drei ist. Nach dieser Auseinandersetzung sieht man, daß der gelehrte Bericht dem Systeme des Herrn Vincent eine durchaus semitische Grundlage giebt. Man kann jedoch diesem Systeme einen Vorwurf machen, zu dem sich selten Gelegenheit darbietet; es beruht auf zu gelehrten, philosophischen und nicht hinreichend durch die Geschichte unterstützten Forschungen. Selbst wenn wir zugcben, daß alle die so seltsam gestalteten Worte bei Bootius semitischen Ursprungs sind, ist man etwa berechtigt daraus zu schließen, daß die Verfasser Hebräisch sprachen? Wenn einige Jahrtausende über unfern chemischen Benennungen hingeschritten sein werden, und die Zeit an ihnen ihre verändernde Kraft ausgeübt hat, werden dann die Gelehrten, wenn sie entdecken, daß die Worte oxigen, Hydrogen, azot u. s. w. dem griechischen Idiome angehören, werden sie Recht thun daraus zu schliefen, daß die Verfasser dieser Benennungen Griechisch sprachen? Hierzu kommt noch, daß, wenn es sich um ein semitisches Volk handelt, man weit natürlicher an die Araber als an die Juden denken muß. Mit gutem Willen wird man diese Etymologien ebenso leicht in dem Arabischen als in dem Hebräischen entdecken. Bemerken wir noch, daß die Juden, die sich sonst so gern fremdes Gut aneignen, niemals die Erfindung der Ziffern für sich in Anspruch nahmen. Im Gegentheil sagt Jbn-Esra, der zu seiner Zeit in der Astrologie und in der Kabbala erfahrenste Mann, in seiner Arithmetik ("lEDEH IDD) und an andern Orten, daß die Indier die Erfinder der Ziffern sind, welche er überall unter dem Namen indische (NaN) Zeichen anführt. Wenn es sogar deutlich bewiesen wäre, daß die Benennungen des Boötius mystische, theologische, kosmologische?c. Ansichten in sich schließen, so würde daraus noch keineswegs folgen, daß sie der jüdischen, pythagoraischen oder guostischen Kabbala angehören. Wir wissen ja, daß diese Art ausschweifender Narrheit ebenso reichlich bei den Indiern auzutreffen war. Kurz, nach den Kenntnissen die wir heut zu Tage besitzen, ist es wohl gewiß, daß wir die Erfindung der Ziffern den Indiern und die Einführung derselben in den Occident den Arabern verdanken. (Beschluß folgt.)