Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Article
- Breslau: der Rabbiner Melbim in Kempen
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Seite 44 (sequence 2)
- Language
- German
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- Malbim 1× ep/1002711
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44 gierung denunzirte und die Jnstallirung Hintertrieb. Die Sache..liegt jetzt beim Ministerium vor. Aus derselben Parthei haben nun Anhänger die erwähnte schmutzige Anzeige fabrizirt, und dieses Product allein dürfte sie schon. genügend characterisi'ren. Sonderbar aber ist es, daß diese Parthei, die sich solch kleinlicher Mittel und fader Witze bedient, die Liberalität affectiren und sich an die Spitze der Aufklärung stellen will. Sie dringt vorgeblich auf die Wahl eines Mannes des Fortschrittes, der die Schulen inspiciren, und deutsche Vorträge halten soll; während doch allbekanntlich es sich um die Jntriguen Einzelner, die ihre Privatrücksichten im Auge haben, bei der ganzen Prozedur handelt, und der Anhang düpict an der Nase herumgeführt wird. Herr Malbim ist durch seine umfassenden Kenntnisse allein der Mann, der einer so großen Gemeinde, wie die zu K. ist, vorstehen kann, und wir dürfen von seinem tüchtige Geiste und seinem regen Willen erwarten, daß er bei einiger Ruhe sich auch der Beaufsichtigung des Schulwesens zuwenden und mit seinem Talente in der Derascha auch in den Vorträgen reussiren wird. Derselbe hat sich durch seine veröffentlichen Werke in der Halacha sowohl als ht der Hagada einen daurenden Nus begründet, und selbst unter der Fluth der erscheinenden Schriften die Aufmerksamkeit des Gelehrten zu fesseln gewußt, so daß der bekannte Verfasser „der halachischen Exegese" Dr. Hirschfeld in Berlin, eines seiner Werke einer hebr. Recenswn in Zion würdigte. Dieser läßt in dem bis jetzt erschienen Theil derselben dem H. M. volle Gerechtigkeit wiederfahren, und zählt seine Leistungen zu den besten. Von solchen Talenten und von solcher Geistestüchtigkeit dürfen wir Gutes erwarten, und wir bedauern es darum, daß kleinliche Jntriguen den Wirkungskreis dieses Mannes verkümmern. Noch mehr aber, daß sich sonst würdige 'Männer dergestalt haben verleiten lasten, zu solch elenden Mitteln, als die besagten, ihre Zuflucht zu nehmen. Jndesten wir trauen dem guten Sinn des großem Theiles der Tumultuanten, und hoffen, daß sie bald das Vestere einsehen lernen, und sich in Frieden der Leitung dieses geistvollen Oberhauptes anvertrauen werden. Gewiß aber dürfen wir, von der gerechten Verwaltung der vaterländischen Regierung erwarten, daß sie den ungerechten Angriff einiger Uebelwollenden nach Gebühr zurückweisen, und die Angelegenheit nach dem Wunsche der bessergesinnten Mehrzahl zu ordnen nicht unterlassen wird. Dänemark. Kopenhagen, 5. Jan. Die EmanciPatron der holsteinischen Stände. Unter dieser Ueberschrift beleuchtet D. Rubin in Kopenhagen in in einem Aufsatze, welchenMe Kjöbenhavenpost enthalt , die Stellung der holstein'schen Juden und die gefühllose Härte der öffentlichen Organe jener Provinz ihnen gegenüber mit soviel Klarheit, Kraft und Wärme, daß wir es uns nicht versagen können, das Wesentlichste daraus hier mitzutheilen. Der Verfasser beginnt seinen Aufsatz mit einer Beleuchtung der Verhältnisse, unter welchen die holsteinischen Juden zur Zeit noch seufzen und da ist denn auch nicht das Mindeste, was uns zu erfreuen, oder zu heben vermöchte, im Gegentheil, wenn wir die Beschränkungen, unter welchen die Juden je in Europa lebten, nach allen Seiten hinausdehnen, wenn wir dieselben, wie sie sich noch hier und dort vorfmden, potenziren, so haben wir ein Bild von dem Leben der Juden in Holstein. Es ist den Juden — bemerkt der Bericht — die entweder durch einen Geleitsbri.es, oder Staatsbürgerrecht, oder durch Ankauf eines Hauses rc. Aufenthaltsrecht in den Herzogthümern erworben haben, doch nicht erlaubt, sich an beliebigen Orten niederzulassen, wo sie am ersten Nahrung zu finden hoffen dürsten. Sie sind vielmehr auf Altona, Glückstadt, Elmshom, Rensburg, Friedrichstadt und die Flecken Fackenbucg und Ahrensburg gewiesen, und können nur wo anders domiciliren, wenn eine besondere Königl. Concefsion dies erlaubt. Außer den gewöhnlichen Schatzungen und Abgaben haben sie noch Schutzgeld zu entrichten, daß sich im Bezirke Altona allein auf 5000 Thlr. jährlich beläuft. Mit diesen Opfern erkaufen sie fast nichts als die Freiheit, auf holsteinscher Erde athmen zu dürfen. Sie sind vom Ackerbau, von jedem zünftigen Gewerbe ausgeschlossen; können wohl als Lehrlinge, aber nicht als Meister in Zünfte ausgenommen werden; sie dürfen zwar die Kieler Universität besuchen, dürfen Medicin und Philosophie studiren; aber dürfen kein öffentliches Amt bekleiden und sind als Advokaten selbst von der Nationalpraxis ausgeschlossen. Selbst rücksichtlich des Handels ist man höchst illiberal, und es ist ihnen zu jedem Handelszweige der Weg abgeschnitten, wo dessen Ausübung von der Aufnahme in die Kramerinnung abhangt. Durch die Ständeordnung sind die Juden von der Wählbarkeit, sogar vom Wahlrechte, von allem Antheile an Kommunalverwaltung ausgeschlossen, und so erscheinen sie denn aller bürgerlichen Ehre und alles Rechtes bar blos gestellt und müssen ihr Leben mit niedrigen und entehrenden Nahrungszweigen fristen, die man ihnen offen gelassen, gleichsam um sie systematisch zu demoralisiren. Der Staat befiehlt den Juden: sich vom Schacher, Hausirhandel und Blutrenten zu nähren, indem ihnen das Recht gegeben Ist 12 p. C. zu nehmen, während der landesübliche Rentenfuß 5 p. C. ist; aber auch dieser elende und schmähliche Erwerb erscheint die den Hausirhandel beschränkende Verordnung vom 24. Octbr. 1837 geschmälert und somit sind die noch einiger