Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1841)
- Article
- Berlin : der Cultur-Verein [Nachricht]
- Date
- 1841-02-06
- Page
- Seite 43 (sequence 2)
- Language
- German
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43 gliedec zählen, die sich zu einem jährlichen Beitrage von^ 10 Thlrn. verpflichten. Wenn wir der festen Ueberzeugung sind, daß nur durch solche Vereinigung der Kräfte, das physische und psychische Leben des israelitischen Volkes.gedeihen kann, daß sie alle und jede vereinzelte Wohlthätigkeit aufwiegen, so erfreut es uns, daß man in neuerer Zeit in allen deutschen Gauen dieselbe Ueberzeugung anzunehmen und dadurch dem Beispiele Frankreichs nachzuahmen beginnt, das uns in dieser Hinsicht lange vorangeeilt ist. Es betrübt uns aber auch anderer Seits, wenn wir bemerken muffen, daß dergleichen Institutionen hier und - dort noch keinen rechten Fortgang haben wollen. Diese Bemerkung dringt sich uns aus, wenn wir auf das Großherzogthum 5) essen einen Blick werfen. Schon seit Jahren ist dort ein ganz ähnlicher Verein begründet und von der Staatsregiecung bestätigt worden, ohne daß derselbe jedoch bis jetzt Großes und Gemeinnütziges zu wirken im Stande gewesen wäre. Die Lauheit, womit man Seitens der Israeliten diesinm Vereine begegnet ist, ist wahrhaft bemerkenswert) und wir möchten sagen, fast beispiellos. Sogar die Bemühungen der Regierung in neuester Zeit, demselben Unterstützungen zuzuwenden, haben bis diesen Augenblick, noch keine günstigen Resultate gewährt, höchstens daß hier und dort ein Gemeindevorstand oder Gemeinderath einen kleinen jährlichen Beitrag für diesen Zweck bewilligt hat und wo es geschehen ist, da sieht'man überall durch, daß es nur geschah, weil man nicht gut ausweichen konnte. —- Darum sei es auch in Bezug hierauf wiederholt und recht -ernstlich an's Herz gelegt: laßt uns bei und unter uns selbst zu bessern ansangen! Die größten Feinde unsrer Selbstständigkeit, unsrer bürgerlichen Entwicklung und Gleichstellung sind unsre Trägheit, Lauheit und Unempfindlichkeit! Berlin, 24. Jan. Auch Orden sind wie alle Dinge der Werthveranderung unterworfen, wenn selten höher, wenn häufig geringer im Wecthe. Nur bei den klassischen Völkern des Alterthums behielt das äußere Zeichen des Verdienstes unveränderlichen Werth, weil es durch unzweifelhafte Thaten nur erworben werden konnte, von Keines Gunst abhängig. Ob und wem der Kranz für Tapferkeit, für Lebensrettung eines Bürgers zu ertheilen sei, darüber ward in der Volksversammlung entschieden, gemäß der Prüfung der für und gegen sprechenden Zeugen. Dagegen saß der Bekränzte auch auf dem Ehrenplätze, bei seinem Eintritt ins Theater ward er mit Jubel begrüßt. Daß es ganz anders schon vor 100 Jahren in Frankreich war, lehrt Montesquieu: „Das Ludwigskreuz bezeigt nicht sowohl Ehre, als es nicht haben Mangel, weil so gar wenig dazu erfordert wird." Was würde er jetzt sagen? Darum wird wol mir Recht gepriesen, daß zum Bessern Bahn gebrochen scheint. Dennoch wird ziemlich allgemein die Ernennung eines Israeliten vermißt, was deshalb von Interesse, weit eben hierauf die Behauptung sich gründet, sie sei stistungsgemäß unzulässig. Scheint dafür jedoch auch eine 26jahrige Erfahrung zu sprechen, .indem in dieser langen Zeit unter so viel tausend Ernennungen auch nicht eine einem Juden zu Theil wurde, so widersprechen derselben doch die im Verhaltniß zahlreichen Besitzer des eisernen Kreuzes. So z. B. sind von den blos aus Berlin 1813 als Freiwillige ausgezogenen Juden sechs mit Namen bekannte als Offiziere und mit dem eisernen Kreuz geschmückte heimgekehrt, von denen vier noch leben und eS tragen. Dagegen hat freilich die Frau B. schon damals nur das Band und nicht das Kreuz des Luisenordens erhalten. Seitdem aber ist weder den vielen Juden, welche 1813-—15 in den Lazarethen und 1831 — 37 bei der Cholera als Aerzre und sonst, noch denen, welche im Communaldiensre sich ausgezeichnet haben, auch nur ein einziges Bändchen zuerkannt worden, wahrend das fromme England wie das nicht fromme Frankreich, das reformirte Dänemark und Holland wie das katholische Belgien, Spanien und Oesterreich, und wenn wir nicht irren, sogar -Rußland Juden zu Rittern und einige selbst zu Großkreuzen erhoben haben. Darum wäre wol gut, wenn Kundige über jene unklaren Verhältnisse Aufschluß ecrheilten. L. A. Z. Brest an, 20. Jan. Mit großem Widerwillen las man hier vor einiger Zeit eine Anzeige in der Breslauer Zeitung des Jnhals: „ein Russischer Fleischer- Hund von gemengter Race sei auf dem Wege von Wreszna nach Kempen verloren gegangen." Man kannte die Beziehung, und wußte, daß dieselbe aus den ehemaligen Rabbiner zu Wreszna, jetzt in Kempen, Herrn Malb im hindeute. Der Witz hatte kaum ein Lächeln abgezwungen, da er nicht neu ist, und vor einigen Jahren in dem Hamburger Correspondenten auf eine sehr hochgestellte Person bereits angewendet wurde; dagegen aber hat er jeden rechtlichen Mann empört. Indessen da dergleichen Anzeigen zu machen jedweden Idioten fteistehe und am Ende dieselben mehr den Einsender presiituicm, als die bezeichnete Person beleidigen, so hielten wir es nicht der Mühe werth, über dergleichen Schandflecken innerhalb jüdischer Gemeinden, über die wir trauernd erröcheten, öffentlich zu refericen. Leider haben wir aber erfahren, daß dieser Schaden nicht vereinzelt bestehet, und daß es in der Gemeinde Kempen allerdings zu' Reibungen gekommen ist. Wir glauben.daher es der Oeffentlichkeit schuldig zu sein, über diese Streitigkeiten und über diese niedere Art ihrer Führung zu berichten. Aus sicherer Quelle vernehmen wir, daß die Gemeinde zu Kempen mit einer großen Majorität den Herrn Malbim zum Rabbiner berufen hat, daß aber von Wenigen, die diese Stelle einem ihrer Verwandten zuwenden wollten, aufgeregt, eine Parthei sich bildete, die mit Gchäßigkeit kleinliche Motive benutzend bei der Re- 6 *