Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 5 (30.1.1841)
- Article
- Ueber das Memoire, ... [Rezension]
- Date
- 1841-01-30
- Page
- Spalte 59-60 (sequence 2)
- Language
- German
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59 60 At. Analekten. Einige Bemerkungen über Zesta's Gelübde. nem Ziele; aber er ist genöthigt seine Zuflucht zur g r i echischen Sprache und xur Symbolik zu nehmen, um die fünf übrigen Worte zu erklären; sonach, ist nach Vincent, das Namenverzeichniß des Boötius, aus zwei Arten von Worten zusammengesetzt: eine, hebräischen Ursprungs, läßt sich buchstäblich mit den Namen übersetzen, deren Ziffern sie vorstellen; und fünf, griechischen Ursprungs, drücken nicht die Zahlen selbst aus, sondern Kräfte, verborgene Eigenschaften, welche, nach pythagoräischen Zdeen, symbolisch durch diese Zahlen bezeichnet werden. Aus den vier ersten glaubt Vincent schließen zu dürfen, daß die Verfasser des Namenverzeichnißes bei Bostius Hebräisch sprachen; und aus den fünf letztern, daß sie eine geheime Doctrin lehrten. So ist es denn höchst wahrscheinlich, daß wir unsere Ziffern von einer jüdischen philosophisch kabbalistischen, gnostischen oder andern Sekte erhalten haben. (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten. I. «ober die Stelle Ind. Cap. 11, 30 bis Ende. Wenn gleich alle jüdische Ausleger diese Stelle so interpretiren, als habe Jcfta seine Tochter blos in die Einsamkeit verbannt, and hiedurch ihn von einer so unnatürlichen That freisprechen, so scheint mir doch diese Interpretation eine falsche und aus der Stelle selbst nur mit Mühe herausgewundene zu sein. Warum sollten wir aber, um einen Mann von dem Verdachte, ein Menschenopfer dargebracht zu haben, zu retten, die Schrift verdrehen, besonders da mir nichts Unglaubliches in der Erzählung zu liegen scheint. Wir lesen von Iefta, daß er ein Held war; Lessen ungeachtet aber ist sein Charakter ein zweideutiger; denn nichtswürdiges Gesindel sammelte sich um ihn, und er war der Anführer einer Naubhorde (v. 3). Auch ein herrschsüchtiges Gemüth verrath er, wenn er s.inen Brüdern nur unter der Bedingung beisteht, daß sie ihn zum Richter über sich setzen (v. 9). Als einem Helden und Anführer irn Kriege war ihm der Ruhm das Theuerste. Deshalb legt er vor der Schlacht das Gelübde ab, daß er nach Besiegung der Ammariten das Wesen, welches ihm zuerst aus seinem Hause Entgegenkommen werde, zum Brandopfer (r&iy) darbringen wollte (v. 3t). Vielleicht läßt nun schon der Ausdruck '’n'Q darauf schließen, daß er einen Menschen , wahrscheinlich einen seiner Untergebenem, darunter verstand; d'enn wie konnte er wahnen, daß ihm gerade bei seiner Ankunft ein Thier aus seinem Hause entgegen kommen werde, und wie? wenn ihm ein unreines Thier, das doch auch nicht geopfert werden durfte, entgegengekommen wäre? Und wollte er ein Thier zürn Opfer bestimmen, welcher Unterschied wäre zwischen diesem und jenem Thiere, zwischen einem entgegenkom-, wenden oder im Hause bleibenden? Beziehen wir das Gelübde aber auf einen Menschen, so wollte er es der Hand des Schicksals anheimstellen, wie sie ihm als Opfer zuführen würde; denn sicherlich konnte er vermuthen, daß auf die Nachricht von seinem Siege ihm seine Hausleute entgegenkommeri würden. Nun kommt ihm wirklich Jemand entgegen, aber, o Graus! es ist des Siegers eigne Tochter, und der rauhe Held wird weich beim Anblicke seines einzigen Kindes, und mochte gern sein Gelübde ungeschehen machen (v. 35). Allein auch seine Tochter zeigt sich eines Helden würdig, und sie geht willig in den Tod, da ihr Vater die Schiacht gewonnen hat (v. 36). Nur bittet sie um zwei Monate Aufschub, in denen sie ihre Jungfräulichkeit beweinen will (u. 37); denn ohne einen Mann erkannt zu haben (v. 39) soll sie in das Grab steigen. Nach diesen zwei Monaten that ihr Vater an ihr, was er gelobt hatte, d. h. er opferte sie. Und die Töchter Israels, gerührt von der heldenmüthigen Aufopferung der Jungfrau, und sie bemitleidend, hielten ihr jährlich eine Todtenfeier und beklagten sie (v. 40). Was berechtigt uns also anzunehmen, daß sie blos in der Einsamkeit gelebt habe, ohne zu heirathen? Ware dieses der Fall gewesen, warum bat sie ihren Water, zwei Monate in der Einsamkeit zubringen zu dürfen? Eher ließ sich doch denken, sie hatte darum bitten sollen, noch zwei Monate bei ihm bleiben zu dürfen, ehe sie ihn auf immer verlassen mußte, und Zum Weinen blieb ihr ja noch Zeit genug übrig! 'Auch abgesehen hiervon, wie wäre hiedurch sein Gelübde erfüllt worden; denn die Worte geben deutlich genug an, daß vom Opfern die R,ede sei, und nicht von einem „der Gottheit weihen", welcher Gebrauch überhaupt bei Frauen nie stattfand. — Herr Dr. Salomon scheint die Worte njTP tb als Bezeichnung des Gelübdes zu nehmen, allein wie paßt Lies zum vorherrschenden TU ‘ms 1TÜ nN rb tyjn» Ueberdies steht dieser Annahme der trennende Accent bei -fjj und das Waw von wm entgegen; vielmehr sind die Worte '— NW blos als Parenthese zu betrachten, und wollen vielleicht andeuten, daß Ieftas Tochter als eine noch unschuldige, reine Jungfrau gerade zum Opfer tauglich schien. Endlich läßt sich aus der Darstellung der Begebenheit selbst schließen, daß Iephta seine Tochter geopfert habe; denn im andern Falle würde der Geschichtschreiber cs gewiß mit deutlichen Worten angegeben haben, um nicht Zweifeln Raum zu lassen, während er unter diesen Umständen gerne einen Schleier über die ganze Begebenheit ziehen möchteum sie vor unfern Augen zu verbergen. — Da diese Erklärung mit der Interpretation der jüdischen Exegeten im Widerspruche steht, so würde ich gern meine Meinung zurücknehmen, wenn man mich genau vom Gegentheite überzeugen würde. — München im Januar 1841. H. Werner, concL iheoL