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Der Orient · 1841-01-30 · Heft 5 (30.1.1841) · p. Seite 38

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 5 (30.1.1841)
Article
Böhmische Grenze: ueber die jüdischen Zustände in Böhmen
Date
1841-01-30
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 lich zu dem höchst wichtigen Resultate zu kommen, daß vor der Hand noch Alles beim Alten bleibe! — Der Dr. Sachs, der uns immer mehr sowohl durch seine geistvollen Predigten zu fesseln weiß, als auch durch sein unermüdliches Streben, Israel emporzubringen zur Wahrheit des Gedankens, der da vereinigen soll die Glaubensbrüder zu einem gemeinsamen Ganzen, er wird gewiß nicht anstehen dem H. R. als Rathgeber und Freund würdig zur Seite zu stehen. — Auf theologischem Standpunkte wäre fast nichts mehr zu wünschen übrig, als daß der Herr auch jene verstockten Herzen mit feinem Geiste erleuchte, auf daß jeder Einzelne einsähe, was uns Roth thut und demnach Jeder Hand anlege an das große Werk der Einheit und der Wahrheit- — Betrübender aber ist es für uns, wenn wir auf eine andere, fast eben so wichtige Seite unser Augenmerk richten, und daselbst Jahre auf Jahre entschwinden sehen, ohne daß der drückende Mantel, den das Judenthum in anderer Beziehung noch zu tragen.hat, etwas leichter geworden. Es ist die Kruste noch nicht mürbe geworden im Laufe der Zeit, und Israel stehet immer noch dem Staate als Adoptivsohn gegenüber. — Er muß immer noch, obgleich er im strengsten Sinne des Wortes jede Bürgerpflicht zu erfüllen hat, seinen Aufenthalt bezahlen. Rechnet man hierzu die übrigen Steuern, die sie mit den andern Bürgern gleich zu tragen haben, ohne die Abgaben, der sie zur Bestreitung der Religionsübung benöthigen, so ist die Last gewiß etwas zu schwer. Schon der verewigte Kaiser Franz war von der Unhaltbarkeit dieses Gesetzes durchdrungen, das dem Naturrechte schlechterdings widerspricht und nur eine willkürliche Scheidewand bildet, zwischen Christ und Jude, wie solches ein Allerhöchstes Hospatent vom 3ten Aug. 1/97 zur Genüge darthut und von welchem der Schluß also lautet: Da die böhmische Judenschaft bei der bisher bestehenden Steuerpachtung die kontraktmäßigen Bedingungen nicht erfüllet hat, sondern vielmehr sehr beträchtliche Resten angewachstn sind, auch die Judenschaft selbst wie es ihre zahlreichen Beschwerden darthun mit dieser Pachtung nicht zufrieden ist, so wird dieser Steuerpachtungskontrakt hiermit dergestalt für aufgehoben erklärt, daß solcher nur noch bis zur nächst bevorstehenden Einführung des neusten Steuersystems dauern, dann aber sogleich erloschen sein soll. Gegeben in unserer Haupt- 'und Residenzstadt Wien, den 3ten August im 1797sten, Unserer Reiche des römischen und des erbländischen im 6ten Jahre. Franz. Wie viel also den Vertretern der verschiedenen Gemeinden Böhmens noch obliege, ehe von einer wahren Verbesserung im Allgemeinen die Rede sein dürfte, glauben wir, so weit es sich (hun ließ, dargethan zu haben. Diese hemmende Scheidewand von Israel zu entfernen wäre vor der Hand das Nöthigste und Wichtigste, denn so lange sein Vaterland ihn nicht mündig erklärt, so lange die Schranken nicht durchbrochen sind und er den Odem noch an sich halten muß in der freien Atmosphäre so lange ahnet er nur dasselbe und jene Einheit ist nicht gefunden, die in dem Bereiche der Liebe wie die Blume in der Knospe ruht; aber ein thäriger nicht blos berathender Geist ist nothwendig, jenes Ziel zu erreichen nach dem wir alle so verlangend uns sehnen, und weil eben der Staat dieses, unser geistiges Wachsthum will und nach seinem Willen wir uns anschließen sollen jener Erleuchtung des Tages, wie die allerhöchsten Verordnungen zur Genüge aussprechen, um so mehr ist die Pflicht der isr. Geistlichen, Angesehenen und Reichen, allen ihren Einfluß anzuwmden und muthig das Gotteswerk anzugreifen. Der Herr wird dann schon seinen Beistand verleihen, denn das Herz der Könige ist ja in der Hand Gottes, welche eine heilige, würdige Mission wäre das nicht für Herrn Rapaport, seine Gemeinde anzuregen zu diesem hochwichtigen Schritte; welch ein heilig durchströmendes Bewußtsein, abgewalzt zu haben den Stein von der Mündung des Brunnens, auf daß alle Hirten gleich schöpfen könnten von der göttlichen Kraft des Vaterlandes! Welch ein großartiges Werk für den Vorstand einer jeden Gemeinde, näher gerückt zu haben die Glaubensgenossen den Rechten der Völker, die die verschiedenen Glaubenspartheien verbinden sollen zum gemeinsamen Gedanken der Wahrheit und des Rechtes. Rußland. lö&effa, 14. Decbr. 1840. Man scheint jetzt rücksichtlich der russischen Juden ein Mittel zu verfolgen, das wohl geeignet sein dürste, mit der Zeit wenigstens den verderblichen Chassidismus, wenn nicht auszurotten, doch ihm Schranken zu setzen. Das Mittel ist, eine vernünftige Ausbildung aus Grund der Religion durch wohleingerichtete Schulen, und soll in dem zu erwartenden Ukas, der die Angelegenheiten der russischen Israeliten ordnen wird, oben anstehen. Wahr ist es, daß sich aus den bedeutendsten israelitischen Orten des Landes Freunde der Aufklärung und des jüdischen Volkes verbunden haben, nach diesem Ziele hinzuwirken und es sind deshalb an den Minister der Aufklärung mehrere diesen Punkt betreffende Petitionen, auch von hier aus abgegangen, die nicht allein Wünsche und Bitten enthalten, sondern auch Mittel und Wege angeben, wie der Cultivirung Israels aufzuhelfen sei.

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