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Der Orient · 1841-01-30 · Heft 5 (30.1.1841) · p. Seite 37

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 5 (30.1.1841)
Article
Leipzig : Bericht über den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger jüdischer Studirender [Nachricht]
Date
1841-01-30
Page
Seite 37 (sequence 2)
Language
German
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37 selben in der Brust jedes die Humanität aufrichtig Fördernden die Überzeugung befestigt, daß in Deutschland kein gemeinnütziges Streben untergeht, daß auch unter den Israeliten sich ein wahrhaft erfreulicher Geist, wirksam für den geselligen Fortschritt, immer mehr und kräftiger kund giebt. Nach dem Berichte zahlte der Verein 55 Mitglieder unter denen viele Auswärtige, die neben 63 außerordentlichen, oft sehr reichen Beiträgen, meist von christlichen Mitbürgern und Freunden des Instituts im Ganzen die Summe von 435 Thlr. 18 gr. aufbrachten, von denen 111 Thlr. 19 gr. für Stipendien, einzelne Unterstützungen und nothwendige Vereinsausgaben ausgcwendet wurden, so daß am Schluffe des Jahres noch ein Cassenbestand von 324 Thlr. 23 gr. sich herausstellte. Don der oben genannten 'Ausgabe wurden 2 Stipendien jedes zu 20 Thlrn. und 36 Thlr. einzelne Unterstützungen an 4 jüdische Studirende vertheilt. Laßt sich einestheils. von der weisen Umsicht des gewählten Directoriums und Vorstandes erwarten, daß der nun einmal begründete Fond werde in einen Stamm verwandelt werden, der mit jedem Jahre reichere Knospen und Blüthen treibt, und steigt die Hoffnung darauf um so mehr bei dem bekannten Wohlthatigkeits sinne der Leipziger, indem wir vollkommen davon überzeugt sind, daß alle die verehrten Wohlthater, welche im vorigen Jahre den Verein mit außerordentlichen Beitragen und milden Gaben beschenkten, sich auch für die Folge nicht ausschließen werden. Wir hoffen es darum, daß auch dieser Verein das Schicksal vieler auf hiesiger Universität begründeter Legate theilen werde, daß er, aus kleinem Keime erwachsend, zu einem Stamme erstarken werdender noch nach Jahrhunderten die herrlichsten Früchte treibt. Ehre dann und unvergeßlich Dank den längst entschlafenen Gärtnern, die ihn pflanzten. Speiev, 9. Jan. Darf sich der hiesige Regierungskceis überhaupt guter Schulen und Bildungsanstalten rühmen, so ist es im Speciellen für den Israeliten höchst erfreulich, wahrzuuehmen, wie man Seitens der Regierung in dieser Rücksicht auch diesem Volke alle Aufmerksamkeit gewidmet hat, so daß nach Verlauf eines Decenniums der innere Organismus des Unterrichts kaum wiederzrreckennen ist. Die Fäden, welche das israelitische Schulwesen unsres Kreises leiten und halten, sind ganz dieselben, wodurch die, Ausbildung der christlichen Jugend so wahrhaft und allgemein befördert wird, und es giebt dem Herzen eine große Genugtuung, zu sehen, daß Israel wenigstens in dieser Hinsicht nicht als Stiefkind dasteht. Die Regierung bestrebt sich, auch die israelitischen Schulanstalten ihrer Privatstellung zu entreißen und sie zu Staats-Institutionen zu machen und bereits zahlen wir an 50 israelitische Schulanstalten, worunter 47 vollkommene Schulen, welche königl. 'Anstalten sind und deren ständige Lehrer von der Regierung angestellt worden. Sie genießen als jolche nicht allein allen Schutz und Gewahr der Regierung, wie die christlichen, sondern was natürlich auch damit zusammenhängt, werden aus dem allgemeinen Schulfond unterstützt, sobald die von der betreffenden Gemeinde aufgebrachten Summen nicht hinreichen das Minimum des festgesetzten jährlichen Normalgehaltes für jeden dergleichen Lehrer zu erreichen. Daß eine Gemeinde nur öffentlich geprüfte und bestandene Lehramtscandidaten anstellen darf, ist eine große Wohlthat und da die Anforderungen an die, welche Lehrer werden wollen, nicht gering sind, so ist allerwege ein Ernst und ein Eifer zu spüren, der gewiß auch für die Zukunft seine großen Folgen hat. Die Seele des Ganzen ist der dem Schulwesen der Provinz als Rector vorstehende Hofrath Jager, ein Mann voller Emst und Eifer für seinen Beruf und die Aufklärung des Volkes. Er umfaßt Juden und Christen mit gleichem Interesse, mit gleicher Liebe. Sein Ziel ist nur, Ausbildung des Menschen, die Lehrer sind ihm die geeigneten Mittel dazu und darum wählt er immer auch nur die besten Mittel, die untauglichen verwerfend und würde es als eine Sünde gegen die seiner Obhut anvertrauten Kleinen erachten, wenn er gegen einen unfähigen Lehrer rücksichtsvoll oder schwach sein sollte. Böhmen. Böhmische Gränze, Jan. Böhmische ist. Zustande im Jahre 1841. Was die geistigen Fortschritte der Böhmischen Israeliten in Betreff der Verbesserung ihrer Schulen und ihres Gottesdienstes betrifft, so hat jedes verflossene Jahr bis jetzt noch das'Zeugmß gegeben, daß es ihnen um das geistige Wachsthum ernst war, und daß das Streben der Gesammtheit jenes heilige Ziel der Wahrheit vor Augen hatte. Die Jsraelilengemeinde zu Prag hat erst neuerdings durch die Anstellung des berühmten Rabbiners S. Rapaporteinen glanzenden Beweis gegeben, wie man nicht allein bemüht sein müsse einer einzigen Parthei zu genügen, sondern wie man vorzüglich in einer großen Gemeinde, darnach streben müsse, einen Religionsvorstehec anzustellen, der die verschiedenen einzelnen Richtungen zu einem schonen Ganzen zu verbinden weiß. — Ob die Gemeinde mm in der Wahl glücklich war, ob R. die Befähigung hierzu habe, oder nicht, ob er, wie sich neulich in der A. Z. d. I. ein Herr M . . . s absurd genug ausdrückte, als Boke, Charis oder Darschan excellire, hierüber wollen wir uns noch kein Urtheil erlauben, weil die Aufgabe desselben zu wichtig und schwierig ist, als daß segensreiche Folgen schon jetzt spürbar sein sollten; aber das Streben — die Einsicht von der Nothwendigknt eines solchen Vermittlers, in einer Gemeinde von 10,000 Seelen, wo die schroffsten Gegensätze sich vorsinden, kann nicht lobend genug anerkannt werden. In Berlin hatte man erst Jahre lang feierliche Reden gehalten, um end-

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