Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1841)
- Article
- Berlin: Errichtung eines Leichenhauses
- Date
- 1841-01-23
- Page
- Seite 28 (sequence 2)
- Language
- German
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28 - wenig Heizung bedürfte, von Oben durch Fenster Licht und Lust, rm Sommer auch Wärme erhielt^ wäre wohl das Wesentlichste und könnte durch geringe Kosten hergestellt werden; denn immer -7- und dies ist das Gute bei der Sache — wird sich ja der Umfang des Leichenhauses und folglich auch der Kostenpunkt, nach dem Umfange der Gemeinde richten können. Weckapparat, Wächter, Beleuchtung u. st w. sind immer nur Dinge zweiter Potenz und lassen sich auch Leichenhäuser recht gut ohne alle diese Gegenstände denken. Nur erst die Hauptsache; das Uebrige findet sich nach und nach. Sollte z. B. nicht diejenige Familie, von welcher ein Glied beigesetzt worden ist, so viel für Heizung auf einige Tage, so viel für Oel in ein Lämpchen hergeben, daß der vielleicht nur erstarrte, geliebte Tode bei seinem etwaigen Erwachen, sich zu orientiren vermöchte, nicht vor Kalte umkommen müßte? Sollte nicht durch eine kleine Entschädigung der Todtengraber jedes Orts vermocht werden können, von Zeit zu Zeit am Leichenhause sich zu erkundigen, ob ein Wiedererwachen stattgefunden habe? Und am Ende, bedürfen wir denn überall eigener Leichenhäuser? Wozu soll die Absonderung des Menschen von den Menschen auch noch iw Tode fortgesetzt werden? Warum nicht hier und dort, wo dies sich ermöglicht, in Gemeinschaft mit unfern christlichen Brüdern ein Leichenhaus aufbauen? Leisten sie etwa nur allein der Absonderung zwischen uns und ihnen Vorschub? — Sie sind aber vielleicht in dieser Hinsicht eben so indifferent, als wir! Gut! suchen wir sie für die Sache zu interessiren! In unserm Interesse liegt es ja überhaupt, uns ihnen zu nähern, warum daher warten, bis sie uns entgegen kommen? — Halten wir übrigens nur die Idee fest, zeigen wir nur den ernstlichen festen Willen, die Sache zu verwirklichen, überall, hier so, dort auf andere Weife, werden sich uns Mittel bieten, die Gefahren, lebendig begraben zu werden, won unfern Häuptern zu entfernen. Leider., aber! lassen die Menschen sich das Bessere nur zu oft befehlen. Bevlrn, 5. Jan. Erfreulich ist es, zu bemerken, daß der in Deutschland auch unter den Israeliten gewiß so rege Wohlthätigkeitssinn immer mehr den Charakter der Perpetuirlichkeit annimmt; d. h. nicht mehr darin sich gefallt, vereinzelte Gaben zu spenden, die nur einem momentanen Mange! abzuhelfen im Stande sind, sondern daß dieser rege Sinn seine Kräfte in neuerer Zeit vorzüglich Instituten zuwendet, und da, wo diese noch fehlen, sie ins Leben zu rufen sucht. Auch Berlin wendet sich diesem Ziele zu und wir müssen in dieser Hinsicht des Jahresberichtes gedenken, welchen das Institut „zur Bekleidung dürftiger Zöglinge der hiesigen jüdischen Gemeinde-Knabenschule" für 1840 geliefert hat. Wir erfahren aus diesem Berichte, daß zu dem Kassenbestande aus dem Jahre 1839 von 55 Thlr. 10 Sgr. 3 Pf. durch außerordentliche Geschenke, Zinsen und dem Beitrage von Zhundert Mitgliedern oder Wohlthätern 460 Thlr. traten, von denen 32 Schüler durchaus vollständig bekleidet, 62 aber mit Stiefeln versehen werden konnten und immer 'noch blieb die kleine Summe von 14 Thlr. 23 Sgr. 9 Pf. als ein Stammkapital für das folgende Jahr übrig. Ist dies Institut zugleich auch von der moralischen Seite zu würdigen, indem es ein Sporn für die armen Kinder wird, der Wohlthaten und ihrer Wohlthäter sich üvürdig zu erweisen, so verdient dasselbe um st mehr die Theilnahme aller Menschenfreunde. — Auch zum Gedächtnis des verstorbenen Professor Eduard Gans wird unter Leitung der Professoren Marheinecke, Böckh, Heffter, Benary und des Bankier Joseph Mendelssohn eine milde Stiftung ins Leben treten, deren Zweck die Unterstützung armer Studenten aller Confesflonen ist. Es werden zu diesem geistigen Denkmale Gans' Subsccibenten nicht blos in Deutschland, sondern in der ganzen gebildeten Welt gesammelt. Man will aus dem Ertrage des Kapitals Stipendium, mindestens zu 50 Tahlern ein jedes, machen. Leipzig, 14. Jan. Wiederum ist eine Messe vorüber, und noch ist nicht die geringste Anstalt getroffen, zur Aufführung eines Gebäudes, das seit drei Jahren schon projectirt ist, fast so lange, als die jüdischen Bewohner Leipzigs eine Gemeinde bilden. Ein Gebäude, dessen Grundsteinlegung mancher Wohlwollende erwartungsvoll, wenn auch bisher vergeblich, entgegengesehen hat, nicht wegen des Styls, sondern wegen des Geistes, in welchem dasselbe errichtet werden würde. Was wird aus der allgemeinen jüdischen Synagoge in unserer Meßstadt? so fragt mancher unsrer Fremden und unsrer Einwohner desto nachdrücklicher, je wehr er sich, und wohl mit Recht, von dem Einfluß verspricht, den ein solches, im Sinne des neuern Fortschrittes eingerichtetes Institut auf Tausende von fremden Israeliten, auf sehr viele jüdische Gemeinden üben könnte, und welcher mit den Segnungen einer jüdisch-theologischen Facultät, die für jetzt im Keime erstorben, in mancher Beziehung wetteifert. Sollte auch jenes Projekt schon so zeitig zu Grabe getragen werden, und zwar aus keinem andern Grunde, wie hier und da verlautet, als weil Diejenigen, die es ins Werk zu setzen beabsichtigten, unnöthige Schwierigkeiten machen? So übergebe man doch die Sorge für diese Angelegenheit einer Zahl von tüchtigen jüdischen Kaufleuten, sie mögen Leipzig oder dem Ausland angehören, und lasse, el;c der Bau unternommen ist, jede vorläufige Erörterung über die künftige Einrichtung des Gottesdienstes aus dem Spiele. Von dem gesunden Sinne der Erstem läßt sich erwarten, daß sie durch Rücksichten auf uralte Gebräuche die reichen Früchte eines so viel versprechenden Unternehmens nicht vernichten lassen werden. (L. A. Z.)