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Der Orient · 1841-01-16 · 3 (15.1.1841) · p. Spalte 39-40

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
3 (15.1.1841)
Article
Bemerkungen über die Schrift des Herrn Dr. Geiger
Date
1841-01-16
Page
Spalte 39-40 (sequence 2)
Language
German
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39 40 Lit. Bemerkungen. wo eine bildliche Auslegung zulässig ist, wird diese vorgezogen und daher das Zählen als etwas Ueberflüssiges betrachtet, und von einem Segenspruch nicht begleitet, da dieser umsonst geschehen würde. ist daher wie -DJ wahrnehmen. In Betreff des Zählens der Jubeljahre ist zwar das Zählen biblische Pflicht der Sanhcdrin, allein es ist noch nirgend bemerkt, daß die Sanhedrin bei der Ausübung einer ihnen obliegenden Pflicht auch den Segen auszusprechen haben. Dieses veranlagte Tosefot in Menachet Zweifel darüber aufzustellen, aber keineswegs über das Zählen selbst, welches als biblische Pflicht von Thosefot betrachtet, wird, und zwar wird sogar in Ketubot der Segenspruch als nothwendig von Tosefot erklärt, da keine bildliche Erklärung dabei zulässig ist. In Betreff des Schebuotfestes ist auch der verehrte Hr. Dr. G. in die Tiefen der Tradition vielleicht nicht eingcdrungen. Wenn auch die Gesetz-Empfangniß erst den 7. Siwan geschieht und das Schebuotsest schon am 6. ist, so können wir dennoch dieses zugleich als Offenbarungsfest feiern, und die von der großen Synode eingerichteten Gebete verrichten, da diese auf keine Weise rm Widerspruch stehen. Die ausgestellte Frage des orTDN ].1D hat in keiner Art auf eine Abänderung des Gebetes Einfluß; das Pfingstfest, das Schebuotsest nämlich, kann immer als Fest der Offenbarung zugleich betrachtet werden. Da bekanntlich die Vorbereitungen zur Gesetz-Empfängniß schon mehrere Tage vor der Gesetzgebung geschehen sind, und das Schebuotsest Zur Zeit des Tempels durch die Chagiga-Opfer bis zu dem 15. Siwan gedauert hat, so ist leicht ersichtlich, daß dieses Fest auch auf die Gesetz-Empfängniß Bezug hat; die Frage des D»TDN.'.}J|b bezieht sich blos auf den Ausdruck -Wtfr» Jfitt DP?), da doch den 6ten nicht die Gesetzgebung stattgefundm haben soll; allein der Ausdruck O’P ist nicht gerade der Tag, sondern die Zeit der Gesetz-Empfängniß und daher der Ausdruck selbst nach Rabbi Jose gerechtfertigt. Daß jenes Wort die erwähnte Bedeutung hat, ist nachzusehen Num. VII, und 84 Commentar Reggio, synonym mit NZ? und M. So wie die Dunkelheiten m den Offenbarungen der Natur zu keiner Erschütterung des Glaubens führen sollen, so dürfen auch die Dunkelheiten in der Bibel und in der Tradition zu keinen Abänderungen verleiten. Für Fragen giebt es Auflösungen und die Auflösungen sind Aufgaben für den menschlichen Verstand; aber erkühne sich kein Sterblicher, mit dem Beile seines beschrankten Verstandes die tausendjährige Ceder Libanons umzuhanen! Der Gebrauch des oder das Wassergebet am Neujahrstage, bei welcher Gelegenheit man die Nocktaschen reinigt, ist ein Gebrauch, der sich auf Bkbelverse gründet, nämlich auf Micha Kap. 6, Vers 19: „Ja du wirst werfen in die Tiefe des Meeres alle ihre Sünden." Da das Neujahrfest zugleich der Anfang des Versöhnungsflstes ist und die Entsündigung zu dieser Zeit geschieht, so wird auch bildlich ein anderer Vers der Bibel befolgt, Prediger Kap. 9, Vers 8: „Zu jeder Zeit seien deine Kleider weiß." Wenn nun das Kleid bildlich für den menschlichen Körper genommen wird, so ist die Reinigung der Taschen als Läuterung der Herzensfalten von den Sünden angedcutet; ich finde in dieser Nationalsitte, der nur Andeutungen biblischer Verse zum Grunde liegen, nichts Lächerliches. 3) beffer unsere MOV, OTnin JflD sOJ T\tymn JPl DT». Ist die Theokratie untergegangen, so sucht das Volk Gottes durch Sitten und Gebräuche, so wie durch Handlungen die Stellen der heiligen Schrift in Erinnerung zu bringen. Es wird Niemandem in den Sinn kommen, den politischen Akt des Dogen von Venedig, die Vermählung mit dem adriatischen Meere, so wie den Akt zur Winterzeit auf der Newa lächerlich zu finden. Warum soll Israel nicht auch seine eigenen Sitten und Gebräuche haben? Nur die Scheu , diese gehörig auszusprechen und zu motiviren, hat zu allen Mißdeutungen Veranlassung gegeben; die Abschaffung dieser Sitten wirst auf unsere Voreltern einen Schatten: nur wenn wir diese beibehalten, mit Anstand ausführen und die Gelehrten ihren wahren Sinn erklären, dann kommt das alte und junge Israel in Ehren, und die Urreligivn erscheint im wahren Glanze. Wenn einmal die hebräische und chaldäische^) Sprache die Sprachen der Synagogen sind, so sollte man auch nicht auf Kosten der genauem Verständlichkeit nach Hebräischen Wörtern Haschen, wenn die chaldäischen eine bessere Bezeichnung gewähren, besonders wenn der uns verbliebene geringe Sprach- Schatz der hebräischen nicht solche Wörter darbietet, und den bisherigen Gebrauch ohne Noth zu verdrängen. Abänderungen erlauben sich vielfach die neuern Grammatiker seit der Zeit des Saloriion Hanau, ohne dabei zuzuziehen die Schriftgelehrten 5), die mchr den Wortsinn und den Geist der beregten Sprachen studirt haben; so hatten letztere im Jigdal-Gebet NON Wtt statt NDN gewählt; obgleich ersteres nur in einer MOV und letzteres in viele N1MOV bemerkt ist und nach der Lehre der Tradition auch das richtige ist 6). "^ON ist der wahre Gegensatz Don7) bcm erstereir wird gewisser Lohn so wie dem zweiten sichere Strafe von der Offenbarung verheißen 9). löfi töW ist blös Gegensatz von UW ytn, bei denen Belohnung und Strafe nicht sogleich offenkundig werden, und zwar wegen Abwägung ihrer Handlungen, da sie zur Categorie der OVWO gehören. Das Citat von Hanau, Prov. 11, 17, ist nicht ausreichend und genügend und selbst von einem Laien leicht zu widerlegen. Die glänzenden Talente und die tiefe Gelehrsamkeit in Sprachen und Philosophie, die jetzt am Horizonte der jüdischen Theologie erscheinen, sollten doch nicht durch Zerstören und Zertrümmern wirken, damit sie nicht spurlos als Meteore verschwinden; sie sollten mehr als Himmelslichter erscheinen, um die Dunkelheiten aufzuhellen, und die Keime des Guten zu entwickeln. Das Gehaltlose wird ohne ihr Thun, durch Festhalten und Bemerkbarmachung des Wesentlichen , sich von selbst verlieren, und nur durch Erhalten werden unsere gelehrten Zeit- und Glaubens-Genossen im Pantheon des Ruhmes neben den berühmten Conftrvativen: Maimuni, Jbn - Esra, Menaffe ben-Israel und Mendelssohn durch aller Zeiten Zeit glänzen. Marcus Beer Friedenthal. 4) L"-!O.. 5-) btähea ti’bsn pnpla.: 6) t£W, der Fromme oder Hohe Priester (Deut. 53. 3.) 7) Jesaja 3, 14, so wie ZN OVN t&PN (Ps. 140,11). Berachot 7. a. 8) Ps. 18, 28. — 2 Sam. 22, 26. — Deut. 33, 9. Berachot,7. a. 9) Jesaja 3, 11. - Ps. 68, 11. 12. Verlag von G>* L. Fritzsche. Druck von I. H/Nagel.

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