Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Article
- Wollstein: Ergänzungen und Berichtigungen vom Vorstande
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360151-2364620--1354-2364647- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 vou Berlin Ms schon angezeigt wird, so sehe ich mich veranlaßtnoch einiges hinzuzufügen und zu berichtigen. Der Hr. Dr. H. hatte noch vier Concurrenten bei der Wahl, ist wohl mit großer Majorität gewählt worden, aber nur mit 119 Stimmen gegen 6, es waren bei der Wahl nicht mehr zugegen. Wie die Anzeige aus Wollstein nach Berlin gemacht worden ist, daß Dr. H. mit 217 gegen 3 gewählt worden ist, hatte er dabei, auch die, die nicht einheimisch sind, und die, welche nicht mit zur Wahl gezogen worden, mitgerechnet, denn gesetzlichwerden die, welche nicht zugegen bei einer Wahl Zur Mehrzahl gerechnet; demnach hatte Hr.Dr. H. 217 Stimmen für sich, doch aber nur von 119 gewählt worden. Die Wahl-Akten sind bereits an die Königs. Regierung nach 'Posen abgegangen, und wird wohl unzweifelhaft der Hr. De. H. als Rabbiner von Wöllstein von Hochderselben bestätigt werden, und es wird dann Dr. H. zu Ostern die Rabbinerstelle übernehmen und hoffentlich, wie es sich nicht anders erwarten läßt, in seinem Wirkungskreis so wirken, daß die Gemeinde es nicht bereuen wird, die erste in der Provinz zu sein, welche einen deutschen Rabbiner genommen habe, und wohl bald Nachahmung finden wird (welches sich schon jetzt zeigt, da das Städtchen Rakwitz, welches bis jetzt zu Graetz gehört, sich an Wollstein anschließm will, da Graetz vor nicht langer Zeit einen Rabbiner wählte, der aber noch zum. alten Schlage gehörte.) Daß derDr.H.mit einer großen Majorität gewählt worden, und es zweifelhaft ist, ob die seltne Gleichstimmung der Gemeinden, oder die ausgezeichneten Geistesgaben. des Dr. H. es bewerkstelligt lMen, darauf habe ich zu sagen, daß beides sich hier vereinte, Dr. H. hatte noch vier Concurrenten, und diese hatten nur sechs Stimmen, dies spricht für des Dr. H. Fähigkeiten und Kenntnisse, die Gemeinde war darüber einstimmig, daß ein Rabbiner gewählt werdej welcher nicht wie bis jetzt, das Rabbinatsfach allein nur verwalte, sondern auch die Eigenschaften und Kenntnisse besitze, sowohl die Schulen, zu beaufsichtigen als auch den Religionsunterricht, wie solcher in Zukunftbestens ertheilt werden soll, als auch die Aufsicht über das Studium des Talmuds, welches jetzt ganz vernachlässigt worden, und Mitwirken soll, daß derselbe beginnen und fortgesetzt werde. Indem war an Hr.Dr.H. einen solchen Mann gefunden zu haben glauben, nahm die Gemeinde keinen Anstand, nach einem einmaligen Vortrag, welcher sehr gut aussiel, für ihn zu 'stimmen (und auch aus diesen Gründen will sich Rackwitz an Wöllstein anschtießen, weil sie nicht glauben in jedem Andern das zu finden, was jetzt von einem Rabbiner verlangt werden muß.) Der jüdische Corporations-Vorsteher zu Wollstein. Wolf Friedmann. Lichttinb Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte Der Gegenwart. Sind jüdische Schnlanüaltett BedürfNiß, und wie müssen solche beschaffen sein, UM ihrem Zwecke zu entsprechen? (Schluß.) Sollen und können auch nicht alle Juden gelehrte &f)eos logen sein, so müssen sie doch so viel vergehen, den Geist ihrer Religion und deren rabbinischen Entwickelung so weit kennen, 'daß sie sich durch böswillige.Insinuationen nicht zu Lrrthümern und zum Mißtrauen gegen ihre Religion verlernten lassen. Aber wie wenig von diesem Men könnte eine besondere Religwnsanstalt in dm ärmlichen paar Stunden, welche ihr von der christlichen Schule vergönnt würden, Leisten? Wie könnte das, mit Aufgaben gleich seinen Mitschülern beladene jüdische Kind dem Religionsunterrichte in diesem Umfange die nöthrge Zeit und Aufmerksamkeit zuwenden? Nothwendig müßte dieser verkürzt, verstümmelt werden- Endlich kommt, noch der Umstand hinzu, daß jeder Gegenstand des Privatunterrichts den Schulgegenständen in den Augen des Kindes sehr nachsteht, daß es ihm viel weniger Bedeutsamkeit beilegt, und ihn lässig und mir Lauheit betreibt- Die Schuldisciplm giebt jedem' noch so unbedeutendem Gegenstände des Unterrichts Wichtigkeit und Nachdruck, während eine nebenher gehende Privatanstalt für Religionsunterricht von den Kindern als unwillkommene Zugabe betrachtet werden würde. Welche unwürdige Stellung/des Religionsunterrichts und welche schlechte Aussicht für dessen Wirksamkeit! Man beherzige auch wohl die Schwierigkeit, welche unsere Sabbate und Festtage dem Besuche christlicher Schulen e.nt-