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Der Orient · 1841-01-16 · Heft 3 (16.1.1841) · p. Seite 21

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 3 (16.1.1841)
Article
Frankfurt a. O.: eine unwürdige Bewerbung
Date
1841-01-16
Page
Seite 21 (sequence 2)
Language
German
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- ,21 Schmeicheln und Ueberceden der Erlaubnis Sonnabend einen Vortrag in der Synagoge zu halten. Zahlreich war das Gotteshaus gefüllt, denn Alt und Jung und Groß und Klein strömten neugierig herbei, den Berliner Prediger zu hören; Alles war voll, es herrschte die Ruhe des Kirchhofs. Er begann seine Rede, und sprach in einem verderbten Deutsch so viel des Unsinns, daß man nicht wähnte an heiliger Statte, sondern an einer Ecke in Berlin zu verweilen, und nicht einen Prediger, sondern einen Eckensteher zu hören. Bald erkundigte man sich nach den Prädicaten dieses Subjects, und erfuhr von den anwesenden Kaufleuten Berlins nicht nur dessen dort wohlbekannte Lebensweise, von welcher wir dies würdige Blatt nicht sprechen lassen wollen, sondern auch dessen Unwissenheit im Gebiete des Talmud's, wie in der aller andern Wissenschaften. Solche Ignoranz, gepaart mic der kecksten Arroganz, würde man stillschweigend bedauern, wenn sie nicht wie Schaum obenauf schwämme und brausend sich Geltung zu verschaffen suchte; wenn sie nicht mit der Lange der Zeit, wie allerdings zu befürchten steht, an die Spitze sich stellt und einmal dahingestellt gegen alles Antoben sich erhalt. Denn, eben dieser Mensch, der, in einen Prozeß verwickelt, von zweien Berliner Gelehrten ein Zeugniß sich ausstellen ließ, er verstände kein Deutsch, eben dieser Nichtdeutsche meldet sich in einer jeden Gemeinde bei der Vacanz eines Rabdinats, und es könnte ihm bei seiner Beharrlichkeit und seinem Hervordrängen vielleicht gelingen, endlich den Sieg davon zu tragen. Wie aber kommt er zu einem Empfehlungsschreiben des Hrn. B..r? Bose Menschen klagen den Commerzienrath und Astronomen an, daß er als Mann im Monde verweilend, Mondgcbirge entdeckend und Mondkarten verfertigend, fremd allen irdischen, besonders aber jüdischen Angelegenheiten, um die Anstellung, eines jüdischen Predigers auf Erden sich bekümmere, und eben diese Bösen stellen die Behauptung aus, Herr B..r habe dem Borhart diese Empfehlung gegeben, weil dessen Frau einst die Ehre hatte, Stubenmädchen bei dem Herrn Comwerzienrath zu sein. Dem aber ist aller Vermuthung nach nicht ganz so, denn durfte man diesem berühmten Gelehrten die Unbill andichten, er werde von seinem einstigen Stubenmädchen sich bestimmen lassen, ihren Mann an einen von diesem entehrten Platz zu stellen? Könnte man glauben, ec wolle einer Laune wegen unser Heiligstes entweihen, und unsere Religion beschimpfen? er wolle unsere Erwachsenen ohne Belehrung und unsere Jugend ohne Erziehung wissen? Wahrlich, das thut kein Gelehrter, nicht ein Ulema. — Herr B.. r las gewiß in den Sternen mit deutlichen Kiffern unabänderlich geschrieben, es stände unserer zerfallenen Gemeinde ein großes Unglück bevor, er wollte dies jedem Gemeindemitglied vom Geschick bestimmte Unheil dadurch abwenden, daß er den Unwürdigsten uns zum Seelsorger schickte und anempfahl, damit unsere Männer, Weiber und Kinder von anderem und vielleicht noch herberem Schmerz befreit blieben. Aber Hr. B 7. r, noch ist unsere Gemeinde nicht so zerfallen, daß sie nimmer sich vereinigen und das bedrohende Geschick durch Einigkeit abwenden könne! Noch sind wir nicht so abgestumpft für unsere heilige Religion, daß wir nicht jedes Unglück lieber ertragen mochten, als das, unsere Seele einer unterirdischen Macht verfallen zu wissen! Wir wollen keinen Mephisto, der uns befreien, wir wollen einen Engel, der uns retten soll. Diesen rettenden Enget finden wir in jedem würdigen Mann, der seine Zeit dem Talmud und den Wissenschaften gewidmet, und sein Leben unsrer heiligen Religion geweiht hat, einen solchen Mann hatten wir zum Rabbiner und werden wir mit göttlichem Beistände wieder wählen. Für diese Behauptung mag schon-zum Beweise dienen, daß viele unserer geehrten Mitglieder an die Ausnahme des Hrn. Dr. Hirschfeld aus Berlin dachten, welcher, während unsres Vorschlagens und Bedenkens, von der Wollsteiner Gemeinde einstimmig gewählt und zum Rabbiner bestimmt wurde. Allein noch giebt es der Männer Viele, die als Seelsorger an der Spitze einer Gemeinde zu stehen verdienen, diese aber drängen sich nicht hervor, prahlen und raisonniren, und überrumpeln nicht eine offene Stadt mit der erbettelten Empfehlung eines angesehenen Mannes, und mit falschen Zeugnissen längst verstorbener Gelehrten; sie wirken still in kleinen Kreisen, und verdienen um so mehr unsere Anerkennung und Achtung. Möge dieser bei uns vorgekommene Fall der letzte in Israel sein, daß ein Unwürdiger die Kanzel besteige; möge eine jede Gemeinde bei der Wahl eines Rabbinen nur solche Männer zur Candidatur zulassen, die, im Talmud wohlunterrichtet, regelmäßige Studien gemacht, und amtliche Zeugnisse, nicht Empfehlungsschreiben, beibringen. Wäre in Berlin ein lebendiger Körper, ein würdiges Rabinat, und keine verfeinerte Mumie, schäckig, buntbemalt und eingehüllt, so hätte ein Borchart es nimmer gewagt, bei jeder vacanten Rabbinatsstelle als Bewerber aufzutreten, und nimmer erlangt vor einer so großen Versammlung zu sprechen. Wollfteitt, 7. Jan. Die Rabbinen-Wahl zu Wollstein betreffend. Unter den 7. Decbr. v. I. machte der Corporatlons-Vorstand unter andern die Anzeige, daß die Concmrenz der Rabbinats-Stelle in Wollstein noch nicht erledigt sei. Dies wurde in Nr. 51 des Orients mit ausgenommen. Der Vorstand hätte gewiß nicht verfehlt, die Wahl des Hr. Dr. H. zur Rabinats - Stelle anzuzeigen , wollte aber erst abwarten, bis der Gewählte von der Königs. Regierung genehmigt sein wird; da wir Posener in Corporations-Angelegenheiten unter Aufsicht der König!. Regierung stehen, und daher der Genehmigung bedürfen. Da im Orient Nr. 1, zweiter Jahrgang die Wahl des'Rabbiners

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