Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1841)
- Article
- Kahira: jüdische Zustände daselbst
- Date
- 1841-01-16
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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— 18 — Azeneth, Potiphars Tochterhelrächete. Eine Tagereise von Cairo findet man den heute noch Judenberg genannt, auf welchem Pisam und Ramses gebaut waren. Von ihm sind es nur zwei Tagereisen bis zum rochen Meere, wo uns der Moses-Brunnen als Andeni ken an dessen Uebergang geblieben ist. Christen finden einen großen Genuß, die Kirche und Gewölbe in Alt- Cairo zu besuchen, worin Christus sich Jahre lang aufhielt, um den Verfolgungen des Herodes zu entgehen. Vier- Stunden weiter ist die von Christen und Türken so hoch verehrte Sycomore, unter welcher die heilige Familie ausruhte, und nahe dabei befindet sich der durch -ein Wunder entstandene Mutter-Gottes-Brunnen. (Fortsetzung folgt.) Großbritannien. I. Korröo n, Decbr, Ich habe Ihnen in meiner Korrespondenz vom 15ten Oktober die Hoffnung ausgesprochen, bald eine englische Zeitschrift das jüdische Interesse auch hier vertreten zu sehen. Leider muß ich Ihnen heute bemerken, daß dieß wohl noch eine tangere Zeit anstehn dürste. Die Veranlassung zum Aufschübe bekräftigt meine-damals (Orient Ro. 44 S. 339 a) ausgesprochene Ansicht, daß der Impuls für jüdische Wissenschaft vom deutschen Centrum sich nach den verschieden- . ssen Richtungen kund gieöt. So hat die neuerblühte MbMün'de -DMWands'Hr. Cahe n in Frankreich, Hr. Bto ch in Ungarn, und nun die oft erwähnten Hrn. ' de Sola 'und Raphael-, und Hr. Lindenthal in i England zur fruchtreichsten Thatigkeit -angeregt. Was ich darüber noch zu sagen hatte erhalt ein Prospektus einer -zu erscheinenden Bibelausgabe, der Ihnen zugekomw'eN 'ist l), und es laßt sich aus demselben mit Grund schließen, daß die wichtigen Resultate der neuesten Forschungen von den. Gelehrten Hrn. Autoren nicht unbenutzt bleiben werden. Dieses bedeutende Unternehmen mmmt aber die literarische Kraft derselben wenigstens sür den Anfang so sehr in Anspruch, daß die Hrn. de SÄa und-Raphall (nicht Rehfeldt, wie es Orient N. N. O. heißt) wohl erst spater zur Effektuirung der infendirten Zeitschrift' schreiten dürsten. Es darf wirklich kaum zu entscheiden sein, welchem der beiden Unternehmen der Vorzug an Einwirkung auf den religiösen/und intellektualen Zustand unsrer jüdischen Mitbürger ertheilt zu 'werden verdient. Wir geben uns gern der Hoffnung hin, dciß die günstige Aufnahme und der effektive Erfolg des ersten, das zweite um so mehr beschleunigen werde.— Zch chemMe hier chei Gelegenheit, daß die oft erwähnte Zntschriest „The hehrevv Review, and Magazine 1) 'Wir haben' denselben vollständigin Nr. 52 des vorigen - Jahrganges mitgetheilt. Red., ok Rahhinical I^itei-alnie" redigirt von Hr./Raphall, in den Jahreü 1834—36 erschien, und in monatlichen Lieferungen ausgegeben wurde.2) Es ist uns nicht bekannt, ob dieselbe in den deutschen Zeitschriften ihrer Zeit gewürdigt worden. Dieselbe hat bei den Engländern christlichen Glaubens beinahe mehr Eingang als bei unfern an Cultur nachstehenden Glaubensgenossen hier gefunden. — Ich theite Ihnen nun eine kurze Notiz über die Londoner Gemeindeverfassung mit» Es sind hier 5 deutsche und 1 portugiesische Gemeinde. Ehemals gab es bloß 4 deutsche, deren jede einen eigenen Rabbinen hatte. Nach dem Ableben dreier derselben vereinigten sie sich sammtlich unter dem von daher so genannten Oberrabb. (Chief Rabby) Hr. He rschel,3) Rabb., oder vielmehr Tn der portugiesischen Gemeinde, ist Hr. Medola, der in bescheidener Zurückgezogenheit lebt, die ihn jedoch nicht zurückhalten konnte, den bekannten Brief an Montesiore ergehen zu lassen. Die besondern Gemeindeangelegenheiten werden von den Parnasim jeder einzelnen Gemeinde verwalten Die Dnkes-place-school hat unter ihren 3 Parnasim einen Rothschild. Für die allgemeinen politischen Angelegenheiten (in so weit der englische Jude noch andre als der christliche Mitbürger haben kann) wird ein Commitee von 18 Deputirten gewählt, wovon 5 der portugiesischen, 13 der deutschen Gemeiden angehören. Präsident ist Sir Mos. Montesiore, und in seiner Abwesenheit Ist gegenwärtig der eben so allgemein geachtete Hananel de Castro Stellvertreter. Daß diese Hrn. Amt und Titel nicht blos als eine leere formelle Ehrensache betrachten, haben die letzten Erreignisse gezeigt,.-obwohl auch behauptet worden, daß erst die Persönlichkeit Cremieux's den entscheidensten Schritt zur Reise nach dem Orient bewirkt habe. Es läßt sich aber aus dieser Behauptung nur entnehmen, wie indolent die Masse der englischen Juden sei. Diese Beschuldigung wird -noch durch andere angeführte und anzuführende Tha(sacl)en unwiderleglich herausgestellt. — Wir/ erwähnen hier zu- - förderst die-Jugenderziehu ng, die allezeit der beste Maaßstab für die intellektuelle und religiöse Richtung;bec Gesamrntheit bleibt. Die Erfahrung lehrt, daß selbst,der Materialist dem alles geistige Interesse gleichgiltig geworden, von der väterlichen Sorgfalt wieder zu demselben, namentlich zum Bedürfniß eines religiösen Elements in der Erziehueg gefühlt wird. Daher haben die meisten Reformen, der Jetztzeit mit der Schule angefangen, und -auch da am wenigsten Widerspruch gefunden. Was geschieht aber bei uns für dieß sonst unabweisliche Ve- 2) Bon sämmtlichcn drei Bänden sind noch jetzt einige Exempl. beim Herausgeber zu haben. Preis 21 Gr. 3) vooem. Derselbe besindcr sich im Zustande der Reconvalescenz, wird aber wohl eine unheilbare Lähmung behalten. /