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Der Orient · 1841-01-09 · 2 (9.1.1841) · p. Spalte 29-30

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
2 (9.1.1841)
Article
Der Einfluß des physischen Menschen auf den historischen Menschen ...
Date
1841-01-09
Page
Spalte 29-30 (sequence 1)
Language
German
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29 Einfluß des physischen Menschen auf den historischen» Lit. Skizzen und Berichte. 30 Der Einfluß des phystschen Menschen auf den historischen Menschen; eine Betrachtung zur Würdigung der jüdischen Gegenwart. Ueber die Quelle vielfacher Nebel unserer Zeit und besonders über die verworrenen Zustände jüdischer Volks- LhümNchkeit, laßt sich!gar vielerlei Grämliches predigen, gar viel in Worten Erbauliches moralisirm, — ein Hauptgrund liegt in dem immer zunehmenden Uebergewicht des Einflusses, womit äußere Umgedungen, Bedingungen und Zustände auf die Gestaltung und Ordnung des Lebens wirken, und wobei hie Geltung der Persönlichkeit beinah auf ein Minimum re- -ucirt ist. In unserer ganzen Existenz spielen unzählige Mächte, deren einige ihre Gewalt und Bedeutung offen zu Tage legen, andere mehr imEStillen und Verborgenen, aber darum nicht minder entscheidend. Die alltäglichen Gewohnheiten und Bewegungen des gemeinen Lebens beherrschen, und die alle dahin zusammen wirken, dis Vorzüge und Kräfte, welche an der Persönlichkeit hasten, unnütz oder gar unbequem zu machen. Die Gelegenheiten, wo ein eigentümlich physisches Geschick, oder ein naiv ursprüngliches Noturgeprage des Charakters sich geltend machen könnte, möglichst zu beseitigen, und die unwillkührlich gesunden Regnungea, kraft deren die eine Neigung hier, die andern dort hinaus strebt, die Mannigfaltigkeit der Kräfte, die sich in eben so mannigfachen Gestalten und Tätigkeiten verkörpert, alle in einem gemeinsamen Instinkt des Regelmäßigen und Gebräuchlichen verschwimmen und aufgehen zu lassen. In unserm Privatleben, in allem Verkehr zu Geselligkeit und Genuß hat sich die Convenienz unter mancherlei Formen und Namen herrschend gemacht; und strebt immer mehr dahin, die Bedeutung der freien Persönlichkeit zu unterdrücken, die Lust des selbstständigen Gebährens, und die Kraft der -entschlossenen Selbsthilfe bis zur Ungebühr zu beschränken. Die Beziehungen des Menschen zum Menschen, der Grund und Boden für alle Humanität und Sittlichkeit, sind durch die Einwirkung dieser Momente verunreinigt oder ganz verschroben; nicht mit der Person, sondern mit einer aus gewissen äußeren Abtributen ahstrahirten Existenz verkehren wir. Darum werden die frischen Erregungen, die Lebendigen Wechselwirkungen des Umganges von Geschlecht zu Geschlecht seltener und unkräftiger; darum verschwindet die Pietät, die Freundschaft, die Liebe immer mehr aus dem Leben. Diese moralischen Agentim sind der reinste und höchste Ausdruck der Anziehung, die der volle Mensch auf den vollen Menschen ausübt, sie sind das Resultat Verlebendigen Haltung von Sinn mit Sinn, Geist mit Geist, Gmütth mit Gemüth. Richtet die Menschen, um vermeinter Cultur willen, nach Kategorien und Formen ab, von welchen das sinnliche Gemüthsleben nichts weiß, so wundert Euch nicht, wenn ihr Zusammentreffen und Inemandergreifen, lediglich nach mechanisch - egoistischer Zweckmäßigkeit bes Verstandes, und nach demselben Chemismus der Leidenschaften erfolgt, und daß es Euch mit Religion und Moral nicht gelingen will, das hinein zu bringen, was da fehlt, die zeugende und beseligende Liebe. Das Vollgefühl der Persönlichkeit muß fürs Leben gewonnen werden, um die Uebel der Zeit zu heilen. Unter diesem Wallgefühl der Persönlichkeit verstehen wir freilich etwas ganz anderes, als anmaßenden Dünkel oder rohen Krasttrotz; wir begreifen darunter die Einheit vom Bewußtsein, Trieb und Gefühl, wodurch der gesunde, vollbärtige und vollmächtige Mensch sich im Leben leicht und heimisch fühlt;, vermöge deren er mit regen Sinnen und ungeschwächtem Muth an den Stoff und die Arbeit seiner Existenz herangeht, so daß er bei dem mühseligsten Werk seiner Hände die Lust des Schaffens empfindet, und wiederum in der Lust des Spieles aus innerem, ungeschwächtem Triebe seiner Kraft ein reges Wirken und Gestallten -ethätkgt. Wir verstehen darunter die tüchtige und harmonische Ausbildung physischer Kraft und Fertigkeit, geistiger Einsicht ond Fähigkeit, kraft deren der Mensch dem feindlichen und freundlichen Andrang der äußern. Lebensmächte widersteht, und die Freiheit und Schönheit seines Wesens gegen Beide behauptet, weil er sich höher fühlt, rmd weil der rüstige Geistesmuth, die tatlustige Kraft der Glieder ihn treibt, den härtesten Stoff zu bewältigen und harmonisch zu gestalten, den weichsten und nachgiebigsten zum festen Bilde und zum Träger einer geistigen Potenz zu formen. Dieses ist ein Ideal der Gesundheit und Vollkommenheit, wozu die Menschheit heranreifen und sich heranbilden soll; d>nnn wird das irdische Leben seine höchste Weihe und Verklärung erreicht haben, wenn es Allen und Jedem eine ernste Arbeit, eine spielende Lust und eine sinnige Kunst za gleicher Jsit ist. (Schluß folgt.) Literarische Skizze» und Berichte. So eben ist Las vierte satyrische Sendschreiben von Dr. Isaak Erter m hebräischer Sprache erschienen (Prag, 1840), speciell überschricben "j'Wn und unter dem gemeinschastlichc» Namen htnw N'ch rDUfi% Unter dem Titel rrön, derS ch Q.U er, Spectator, hat Hr. Erter eine Reihe von trefflich stylisirtcn witzsprühenden Aufsätzen abgefaßt, in welchen er die Lhorheiten des Chasidäismus und die Verkehrtheitm der pharisäischen, spätrabbinischen Lehrer auf das Unbarmherzigste mit seinem Spotte durchgeißelt, namentlich die so tief wurzelnden Lhorheiten der Mifch-galizischen Zustande. Das erste Schreiben aus diesem Werke veröffentlichte Hr. Erter schon 1823 in der Bikure-Ittim, unter dem Titel h'ptö'ö UiND, das zweite im Kerem Chemed II., unter dem Titel riDDnm nVTDnn, das dritte unter dem Namen \JD nu^n

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